Dem Wetterphänomen Raueis auf der Spur

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, wie es sein kann, dass ein Gipfelkreuz im Winter plötzlich einen Raueis „Rauschebart“ trägt und dreimal so dick erscheint? Oftmals verändert sich dadurch auch die Form eines „vermeintlich nur eingeschneiten“ Gegenstandes außergewöhnlich stark. Können diese Veränderungen tatsächlich auf gewöhnlichen Schnee zurückgeführt werden? Die Antwort ist nein. Des Rätsels Lösung ist ein Wetterphänomen namens Raueis. Was es damit genau auf sich hat und warum man in diesem Zusammenhang auch vom „Rauschebart“ spricht, erfahrt Ihr in unserem „Ich bin raus.“-Wissen Beitrag. Also lasst Euch überraschen! 😉

Von Raueis umschlossenes Gipfelkreuz am Stuhleck. © mauritius images

Wie bereits verraten, handelt es sich nicht um gewöhnlichen Schnee, was Ihr dort auf dem Bild seht. Es ist das von Raueis umschlossene Gipfelkreuz neben dem Alois-Günther-Haus am Stuhleck. Raueis bildet sich bei Temperaturen zwischen -2 und -10 Grad, wobei noch andere Faktoren gegeben sein müssen: dichter Nebel und starker Wind. Dann nämlich frieren winzige (sogenannte unterkühlte) Wassertröpfchen an Gipfelkreuzen, Bäumen und Berghütten fest, ohne zu kristallisieren. Die daraus entstehende Eisschicht aus grauweiß-körnigen Partikeln hat eine Art schwammartiges Aussehen und ist im Vergleich zu solidem Klareis recht locker.

Auf diese Weise bilden sich imposante Eisgebilde, die wie rauschende Bärte aussehen. Hat sich zwischendurch der Wind gedreht, ähneln sie eher geschwungenen Engelsflügeln. Die Bärte „wehen“ aber nicht, wie man vermuten würde, in die Richtung, in die der Wind bläst – vielmehr wachsen sie in die dem Wind entgegengesetzte Richtung.

Ebenfalls gut zu wissen: Raueis kennzeichnet sich durch kristalline Strukturen und eine große Zahl von Luftbläschen in seinem Gefüge aus. Durch das Schmelzen und Wiedergefrieren der Raueis-Partikel verkleben diese miteinander unterschiedlich stark, je nach herrschenden Temperaturbedingungen. Raueis kann daher eine gewisse Festigkeit erreichen, verliert diese bei einigen Grad Celsius aber schnell wieder und wird dann durch herabfallende Eisstücke leicht zu einer Gefahr für Passanten. Also haltet im Winter immer schön die Augen offen nach diesen Gefahrenstellen. Natürlich soll Euch das aber nicht daran hindern, die kreativen Kunstwerke der Natur aus sicherer Position genauer zu betrachten. 😉

Ihr wollt noch mehr Facts, Wissen und interessante Storys rund ums Wandern und Berge erfahren. Dann werft einen Blick in unsere „Ich bin raus.“ Kategorie. 😉

Bildquelle Header: © Jonas Nefzger