Der Deutsche Alpenverein feiert am 9. Mai 2019 sein 150-jähriges Jubiläum. 2018 blickten wir zurück auf 50 Jahre Outdoor bei Schöffel. Den DAV und Schöffel vereint eine tiefe Liebe zu den Bergen. Heute werfen wir wieder mal einen Blick zurück: Auf die Historie des Wanderns und die Entwicklungen in der Bergbekleidung. Oder: Wie aus Lodenhosen Hightech-Lightweight-Outfits wurden.

Die faszinierende Bergwelt erleben, den schier endlosen Freiraum genießen, Flora und Fauna entdecken und den stickigen Städten eine zeitlang entfliehen. Die Attribute für einen Bergaufenthalt haben sich in 150 Jahren kaum verändert. Bergfans haben schon im 19. Jahrhundert die Vorzüge eines Wanderurlaubs zu schätzen gewusst. Einziger Unterschied zu heute: Die Berge sind jetzt für ein noch breiteres Publikum erlebbar geworden, woran der vor 150 Jahren gegründete Alpenverein maßgeblich beteiligt war und ist. Auch bei der richtigen Bergbekleidung mischte die Berg-Community kräftig mit.

Und auch Hubert Schöffel glaubte an den Berg-Boom und stellte vor über 50 Jahren von Straßenbekleidung auf Outdoor-Bekleidung um – gegen einige Widerstände. Aber als leidenschaftlicher Bergsteiger lies er sich nicht beirren – und der Erfolg gab ihm recht. Auch am Membran-Erfolg von GORE-TEX® in Europa war Schöffel maßgeblich beteiligt.

Ein historischer Rückblick auf den Dauerbrenner Berge und die Bekleidungsentwicklung von schwer ist mehr zu leicht ist noch besser:

Als die Berge laufen lernten

Das erste Berg-Klientel bestand aus einem bunten Mix aus „jungen Wilden“, oftmals Studenten, die den Hörsaal nur wenig von innen zu Gesicht bekamen und viel mehr in den Alpen Berggipfel eroberten, nicht selten in waghalsigen und nicht minder mutigen Erstbegehungen. Viele Kletterrouten in Rofan und Wilder Kaiser beispielsweise gehen auf das Konto von ein paar heißblütigen Studenten aus Innsbruck und München. Mit Rad und Bahn ging es ins Gebirge, geschlafen wurde in Heustadln oder Hütten, und der eine und andere Laib Käse wurde quasi als Mundraub ausgelegt.

Neben den Bergpionieren gab es natürlich auch die Klientel der reichen und zuweilen adeligen Bergliebhaber, die, wie ihr wildes Pendant, am liebsten wochenlang im Sommer in den Bergen unterwegs waren. Sie bezogen Quartier in Gasthäusern oder Hütten und ließen sich von Ortskundigen auf die Gipfel führen. Überhaupt kristallisierte sich mit dem Führen von Gästen auf die heimischen Gipfel schnell ein lukratives Zusatzgeschäft heraus, vor allem für die oft in bitterer Armut lebenden Bergbauern. Letztlich entwickelte sich hieraus ein neuer Beruf, der vor allem den Alpenvereinen in Deutschland und Österreich seine jetzige Ausbildungsstruktur zu Verdanken hat, samt staatlicher Anerkennung. Die Rede ist vom staatlich geprüften Berg- und Skiführer.

Mit der steigenden Zahl an Wanderern, nahmen auch die Bergunfälle zu – der Deutsche und Österreichische Alpenverein rief 1902 alle gebirgsnahen Alpenvereinssektionen der Ostalpen auf, Rettungsstellen einzurichten. In den 1920er-Jahren gab es dann gleich drei Rettungsorganisationen. 1938/39 erfolgte die Fusionierung und Umbenennung in Deutsche Bergwacht.

Wie bei den Techniken und Taktiken der Bergführer gab es auch bei der Bergrettung einige herausragende Bergsteiger und Alpinisten, die mit ihren Entwicklungen Berggeschichte geschrieben haben.

Berge – by fair means

Wer nicht über das nötige Kleingeld verfügte, um mit Entourage zur Sommerfrische ins Gebirge zu reisen, machte aus der Not eine Tugend und fuhr mit dem Drahtesel in die Alpen. Einige „Exoten“ haben das in der heutigen Zeit wieder für sich entdeckt und machen daraus gerne Filmprojekte, Blogbeiträge und Insta-Stories. In früheren Zeiten war „by fair means“ obsolet und eine Anreise mit dem Rad von München ins Karwendelgebirge, in die Dolomiten oder gleich in die Westalpen keine Seltenheit. Wer über die notwendigen finanziellen Mittel verfügte, reiste mit Bahn und Personal und logierte gediegen im Gebirge. Einige Hütten und Hotels in den Bergen zeugen noch heute vom Pomp und Prunk der Hautevolee.

Prachtbauten in den Bergen

© Zillertal Tourismus GmbH, Bernd Ritschel

Ein Paradebeispiel der früheren Bauwerke in den Bergen stellt die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen dar. Noch heute sind sowohl der prunkvolle Treppenaufgang samt riesigem Kronleuchter als auch der 5 Meter hohe, herrschaftliche Speisesaal beeindruckende Zeitzeugen. Sogar ein Postamt und eine Schuhmacherwerkstatt gab es auf der Schutzhütte. Der Briefträger stieg einmal pro Woche hinauf, um Post zu bringen und abzuholen. Das Personal war in eigenen kleinen Kammern untergebracht, in unmittelbarer Nähe zu den Zimmern der Sommerfrischler.  Bereits 20 Jahre nach Hütteneinweihung (1879) gab es einen Telefonanschluss, weitere 20 Jahre später wurde eine elektrische Heizung installiert. Luxus von dem so mancher Bergbauer noch viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte träumte. 

Tiefe Begeisterung für Berge: Die Gründung des DAV

Es wundert wenig, dass in Deutschland die Begeisterungswoge „Berg“ in einer Gemeinschaft zusammengefasst werden wollte, ähnlich dem 1862 gegründeten Österreichischen Alpenverein. Entsprechend richteten die 36 Gründungsmitglieder des Deutschen Vereins-Pendants einen Aufruf an ihre Alpenfreunde, sich ihrem neu gegründeten deutschen Alpenverein anzuschließen. Dem Aufruf ging ein Treffen und damit die Vereinsgründung in einem Münchner Gasthaus am 9. Mai 1869 voran. Der Bergler-Stammtisch liest sich wie das „who-is-who“ der ersten Bergprominenz: Theodor Trautwein, Johann Stüdl, Karl Hofmann und der umtriebige Pfarrer Franz Senn bildeten das Gründungsquartett. Ihre Zielsetzung: Gemeinschaften schaffen, die in lokalen Gruppen organisiert sind – anders als beim damals zentral aus Wien gesteuerten ÖAV. Darüber hinaus wollten die deutschen Gründer, dass der Verein nicht nur wissenschaftlichen Zwecken dient, sondern auch aktiv den Tourismus voranbringt: durch Erkundung der Wege, Kartografie und Bergführerausbildung.

Von 36 auf 1,3 Millionen: Die Berge boomen

© Drepicter / Fotolia

Aus den 36 Mitgliedern bei Vereinsgründung am 9. Mai 1896 werden 1911 bereits 10.000 aktive Mitglieder. Drei  Jahre später, 1914, wurde die magische Zahl der 100.000 geknackt, bevor der Erste Weltkrieg die Berglust fürs erste lahm legte. Bis dahin galt das Augenmerk des Vereins darauf „die Bereisung der … Alpen zu erleichtern“  und Verantwortung für die Bergwelt zu übernehmen.  Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg kam es dann zu einem ersten regelrechten Berg-Boom. Die Zahl der Alpenvereinsmitglieder verdreifachte sich innerhalb kürzester Zeit. Die Hütten waren notorisch überfüllt. Der Alpenverein, der zu dieser Zeit noch eine Union aus DAV und ÖAV (DuOeAV) darstellte, beschloss 1919 neue Leitsätze:

  • Die Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens
  • Die Ausstattung von künftigen Hütten aufs Wesentliche zu reduzieren und auf jeglichen Komfort zu verzichten
  • Die Natur zu bewahren und die hochalpinen Regionen nur mehr den Bergsteigern vorbehalten

Nach dem Zweiten Weltkrieg verboten die Aliierten den Alpenverein, weil er als Teil einer nationalsozialistischen Organisation galt.

Allerdings flammte der Wunsch nach neuerlicher Vereinsgemeinschaft bei Bergausflügen nach Kriegsende rasch wieder auf. Im Oktober 1950 konnten sich die Sektionen erneut zu einem gemeinsamen Deutschen Alpenverein zusammenschließen und nahtlos an die Erfolge der ersten Jahre/Jahrzehnte nach Gründung anschließen. Mittlerweile zählt der DAV über 1,3 Millionen Mitglieder.

Gegenwind in den Wirtschaftswunderjahren: Der DAV als Naturschutzverband

Deutschlands Wirtschaft nahm in den 1950er-Jahren wieder an Fahrt auf, es folgten die Wirtschaftswunderjahre, von den auch der Bergtourismus profitierte. Entsprechend ist es  nicht weiter verwunderlich, dass viele Alpengemeinden in dieser Zeit vor allem in Seilbahnbauten ihr ökonomisches Allheilmittel sahen – die Ökologie fiel dabei vielfach hinten runter. Der Alpenverein stemmte sich dagegen und sprengte durch zahlreiche Protestaktionen einige Bahnbauprojekte. Gleichzeitig wurden zwischen 1959 und 1963 vier vom DAV beantragte Naturschutzgebiete ausgewiesen. Mensch und Natur in Einklang bringen – bis heute eines der Hauptziele des DAV, der in Deutschland als Naturschutzverband offiziell anerkannt ist.

Die Bergbekleidung im Wandel: Von Loden zu Lightweight

Als vor gut 150 Jahren der Bergsport seine Trendfahrt aufnahm, gab es keine spezielle Bergbekleidung. Damals wurde die gewohnte Alltagskleidung getragen, die um 1900 bei der betuchten Bergklientel häufig aus Hemd, Krawatte und Hut bestand. Jäger, Bergbauern, Soldaten trugen ihre Berufskleidung.

Mit den Jahren und der wachsenden Erfahrung im Gebirge kamen Flanelljacken, Loden und dicke Wollstrümpfe dazu. Ebenfalls dank eines gesteigerten Erfahrungsschatz‘ etablierte sich schnell das „Zwiebelprinzip“: es wurden lieber mehrere etwas dünnere Schichten übereinander gezogen, als nur eine ganz dicke Lage. So war man wechselnden Temperaturen besser gewappnet und hatte noch eher eine Chance, nicht bis auf die Haut nass zu werden (und zu bleiben).

Influencer: Alpenverein

Mit der Gründung der Alpenvereine in Österreich und Deutschland nahm die Gemeinschaft der Berg- und Wanderfreunde starken Einfluss in die Entwicklung der Bergbekleidung. Einerseits wurden in den Communities Erfahrungen ausgetauscht. Sprich: was war gut, was hatte sich bewährt, was sollte man eher nicht anziehen. Darüber hinaus brachten die Alpenvereine regelmäßig Publikationen für ihre Mitglieder auf den Markt. Hier etablierten sie auch entsprechende Bekleidungsvorschläge für die Berge, die aber bis zum Ersten Weltkrieg ebenfalls eher städtisch geprägt waren.

Lederhosen kommen in Mode

Nach 1918 wurde die Bergbekleidung schlichter – die kurze Lederhose war, vor allem im deutschsprachigen Alpenraum, absolut en vogue, während die Briten nach wie vor auf Tweedanzüge, Schlips und Clubjacke setzten.

Die Kniebundhosen erobern die Alpen

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich im deutschsprachigen Alpenraum eine regelrechte Berguniform heraus: Kniebundhosen aus Kord oder Loden, rote Kniestrümpfe, ein kariertes Hemd und ein dicker Wollpullover. Wer in den 1970er-Jahren oder früher geboren ist, konnte diesen Dresscode noch lange im Gebirge life erleben.

Hightech – Low Weight

Ende der 1970er-Jahre wandelte sich die Bergbekleidung – massiv! Den Anstoss dazu gaben us-amerikanische Unternehmen wie GORE-TEX® und PrimaLoft®. Sie tüfftelten an Kunstfasern und Synthetikstoffen, die die Bergbekleidung leichter machten und funktioneller. Schnelltrocknend, atmungsaktiv und wasserdicht lauteten die magischen „Big 3 der Bergbekleidung“.  Einer der Pioniere ist W.L. (genannt Bill) Gore, der mit seiner 1959 gegründeten Firma Gore (heute GORE-TEX®) maßgeblich die Bergbekleidung revolutionierte!

1976 bekam die noch junge Firma aus Newark/Delaware den ersten Auftrag ihre entwickelte Gore-Tex®-Membran in Jacken zu integrieren. Hubert Schöffel kann sich noch sehr genau an die ersten Zeiten erinnern, und auch daran, dass die Membrantechnologie noch einige Schwachstellen hatte, die die Entwicklung fast zum Erliegen brachte. Hubert Schöffel glaubte an die Technologie und sorgte 1983 für den Durchbruch von GORE-TEX® in Europa.

Überhaupt glaubte Hubert Schöffel als einer der ersten in der Bekleidungsindustrie an den Trend „Bergsport“ und stellt bereits 1967 von Straßenhosen auf Freizeit und Sport um – erfolgreich.

Von den Bergen in die Stadt

Während zu Beginn die Bergsteiger und Wanderer in ihrer städtischen Alltagskleidung auf die Gipfel kletterten, erobert jetzt Funktionsbekleidung die Städte. Und was für unsere Großeltern damals wahrscheinlich unvorstellbar gewesen wäre, ist heute Alltag: Outdoor ist salonfähig geworden. Outdoor-Bekleidung ist stylish und inzwischen schon ganz selbstverständlich im alltäglichen Leben verankert. Urban Outdoor eben, oder: Der Ausdruck von Bergliebe auch im urbanen Umfeld. Schließlich ist Outdoor kein Ort, sondern ein Lebensgefühl. » Jetzt Outleisure entdecken

Titelbild: © lyosha_nazarenko / Fotolia

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