Viele Hüttenwirte wissen ein Lied davon zu singen: Von Müllbergen und niedergetrampelten Pflanzen. Vom allzu sorglosen Umgang mit der Natur und den knappen Ressourcen am Berg.

Oftmals verbirgt sich hinter diesem Verhalten zwar keine böse Absicht, sondern Gedankenlosigkeit. Rücksicht ist am Berg aber von uns allen gefragt. Und so schwierig ist es auch gar nicht: Wir stellen Dir ein paar einfache Regeln vor, die es in den Bergen zu beachten gilt. So bist Du naturverträglich in den Bergen unterwegs: Damit wir alle noch lange unsere Freude an der Natur und am Miteinander in den Bergen haben.

INHALT
Müll am Berg: Keine Macht den Müllbergen
Abkürzen nicht erlaubt: Auf dem (rechten) Weg bleiben
Kein Mitbringsel: Alpenblumen bitte stehen lassen
So geht’s: Durchqueren von Almweiden
Verhalten auf der Hütte: Kleiner Hütten-Knigge

Müll am Berg: Keine Macht den Müllbergen

© Hanoi Photography / Fotolia

„Flaschen, Dosen und Papier
sind den Bergen keine Zier.
Trägst du sie gefüllt hierher,
trägst sie heimzu auch nicht schwer!“

Manch einer mag sich angesichts dieses antiquiert anmutenden Spruches nur ein müdes Lächeln abringen. Aber er sollte uns doch ins Bewusstsein rufen: Müll mitnehmen ist tatsächlich nicht schwer. Und enorm wichtig. Denn anders als im Tal kommt in den Bergen keine Müllabfuhr. Was weggeworfen wird, bleibt lange liegen. Sehr lange.

Verrottet Plastik irgendwann?

Die korrekte Antwort wäre wahrscheinlich: Vielleicht. Denn man geht davon aus, dass Plastik rund 300 Jahre benötigt, um zu verrotten. Dosen bis zu 500 Jahre.

Die meisten wissen um diese Zahlen – und sind trotzdem zu bequem, um danach zu handeln: „Ist ja nur eine Ausnahme“, sagt sich schnell daher, oder auch: „Ich habe keinen passenden Behälter dabei.“ Und schon bleibt die Kippe, gut versteckt, liegen. (Die braucht übrigens rund zwei bis sieben Jahre, bis sie verrottet – dazu kommen die umweltschädlichen Chemikalien und Schwermetalle.)

Müll mitnehmen – ohne Ausnahme!

Aber „nur eine Ausnahme“, das zählt eben nicht. Die Alpen sind weltweit die meistbesuchte Sehenswürdigkeit! Zugegeben, die Fläche ist sehr groß, aber der Zulauf an Wanderern und Touristen ist enorm. Da kommt es auf jeden Einzelnen an, auf seine Haltung und Einstellung dem schönsten Bauwerk gegenüber, das die Natur geschaffen hat.

Deswegen gilt ausnahmslos: Müll wieder mitnehmen! Und zwar im besten Falle nicht nur den eigenen. Sondern auch die Dose, die irgendein anderer unvorsichtiger Wanderer hat liegen lassen. Viele Hütten bieten für den Transport auch Müllsäckchen an, wenn man die eigenen vergessen hat.

Übrigens: Auch kompostierbare Speisereste gehören nicht in die Berge! Denn unter den Bedingungen, die im (Hoch)gebirge herrschen, geht auch hier der biologische Abbau nur sehr sehr langsam voran.

Und wenn man mal hinter’n Busch muss? Klopapier oder Taschentücher entweder gar nicht benutzen oder eben – genau, einstecken. Damit tust Du der Natur schon einen großen Gefallen. Denn auch ein Taschentuch benötigt bis zu fünf Jahre, bis es verrottet.

Abkürzen nicht erlaubt: Auf dem (rechten) Weg bleiben

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Generell gilt in den Alpen in der Regel das Betretungsrecht der freien Landschaft. Das heißt, dass „zum Zweck der Erholung das Betreten der Flur jedermann auf eigene Gefahr gestattet ist.“

Dieses Betretungsrecht kann allerdings mit einem Wegegebot in Schutzgebieten eingeschränkt werden! Zu Schutzgebieten zählen zum Beispiel Nationalparks, Naturschutzgebiete, Wildschutzgebiete, Ruhegebiete (Österreich) und Wald-Wild-Schongebieten (Schweiz). Und auch Wiesen und Felder dürfen in der Nutzzeit nur auf Wegen betreten werden.

Dann gibt es da noch diese Schilder, meist aufgestellt vom Alpenverein:

„Abschneider zerstören die Vegetation“

Gerade an den schönsten Stellen, die zum Abkürzen einladen, weil ja eh schon ein Trampelpfad vorhanden ist. Aber genau darin liegt das Problem: Erst werden die Pflanzen niedergetrampelt, die sich dort angesiedelt haben und das Erdreich zusammenhalten. Dann bildet sich durch die vielen Tritte eine Vertiefung, durch die das Wasser abläuft und die Erosionsrinne noch tiefer macht. Und schlimmstenfalls rutscht irgendwann der ganze Hang dadurch ab.

Schade um die Natur, die uns ja in die Berge gelockt hat. Und schade auch um den gut angelegten Wanderweg, der dadurch eventuell sogar zerstört wird. Hierfür haben sich zahlreiche Ehrenamtliche große Mühen gemacht.

Das Fazit: Einfach auf dem Weg bleiben, dann kann man die Blümchen links und rechts davon viel besser genießen.

Kein Mitbringsel: Alpenblumen bitte stehen lassen

Edelweiß in den Bergen
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A propos Blümchen: So ein Edelweiß ist doch ein super Mitbringsel – oder etwa nicht? Wer sich einen Erinnerungsstrauß pflücken möchte, sollte vorher genau überlegen: Sind die Pflanzenarten auch wirklich nicht geschützt? Zahlreiche Alpenblumen, darunter auch das Edelweiß, stehen nämlich auf der so genannten Roten Liste des Bundesamts für Naturschutz. Sie dürfen unter keinen Umständen mitgenommen werden.

Kennst Du diese Alpenblumen? Klick Dich durch unsere Galerie:

Außerdem überstehen frisch gepflückte Blumen eine Wanderung sowieso selten unbeschadet – oft landen sie dann doch im Müll, weil sie nicht „lebend“ bis nach Hause transportiert werden konnten. Deshalb lieber zum Fotoapparat oder Smartphone greifen und sich so eine bleibende Erinnerung schaffen!

So geht’s: Durchqueren von Almweiden

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Oftmals führen Wanderwege mitten durch eine beweidete Alm. Gibt es Weidegatter, so sollte es selbstverständlich sein, dass das Weidegatter immer wieder ordnungsgemäß geschlossen wird. Ein offen gelassenes Gatter verstimmt nicht nur den Weidebauern, sondern kann die Tiere unter Umständen auch in ernste Gefahr bringen.

Begegnungen mit Kühen? Kein Problem!

Beim Queren einer Weidealm ist es wichtig, sich ruhig zu verhalten und die Tiere nicht aufzuschrecken. Rinder gehen in der Regel nur zum Angriff über, wenn sie sich in die Enge getrieben oder bedroht fühlen. An einer Rinderherde solltest Du immer seitlich, bestenfalls oberhalb vorbeigehen, nicht mittendurch. Grundsätzlich sollte jegliche Hektik oder Lärm vermieden werden.

Im Falle eines Angriffs auf keinen Fall weglaufen, sondern langsam und ohne Hektik den Rückzug antreten. Drohgebärden mit dem Stock und lautes Rufen können zur Abwehr aggressiver Tiere nützlich sein – Schläge, schnelle, hektische Bewegungen und Gekreische sind jedoch unbedingt zu vermeiden!

Besondere Vorsicht ist bei Rinder-Familien und Kühen mit Kälbern geboten. Letzteren sollte man niemals zu Nahe kommen, um den Beschützerinstinkt der Mutter nicht zu reizen.

Hunde und Kühe

Du bist mit Deinem Hund unterwegs? Dann solltest Du Deinen Hund immer an der Leine führen (wie übrigens auch in den meisten Schutzgebieten) und nach Möglichkeit bei der Überquerung einer Kuhweide immer in die Mitte der Gruppe nehmen. Der Hund sollte sich unbedingt ruhig verhalten. Ist ein Angriff unvermeidbar, dann solltest Du Deinen Hund sofort von der Leine lassen. Er ist normalerweise schnell genug, um dem Angriff auszuweichen und wendet ihn damit auch von Dir ab.

Verhalten auf der Hütte: Kleiner Hütten-Knigge

Hütte in den Bergen: Kleiner Hütten-Knigge
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Alpine Hütten sind Orte der Erholung, der Einkehr, des Schutzes und des geselligen Beisammenseins. Hier kommen auf engem Raum und in ganz besonderer Umgebung viele Menschen zusammen. Wer in luftiger Höhe in einer Hütte übernachten will, sollte ein paar einfache Grundsätze beherzigen.

Die meisten dieser Hütten-Regeln liegen in der Natur eines so hoch gelegenen Hauses. Zum Beispiel:

    • Wasser sparen: Nicht alle Hütten haben das Glück, neben einem Bach oder Gletscher zu liegen. Deswegen muss jeder Tropfen Wasser oft mühsam hinaufgepumpt werden. Als Gast wertschätzt Du dies durch möglichst geringen Wasserverbrauch.
    • Wir müssen draußen bleiben: Auch der Platz in der Gaststube ist oft nicht üppig bemessen. Deshalb heißt es: Rucksäcke und Wanderstecken draußen lassen. Ohne Gepäck ist es ohnehin viel kuscheliger in der Stube. Das gleiche gilt natürlich auch für Wanderschuhe und schweißnasse Socken.
    • Umsichtig mit Strom umgehen: Genauso ist Strom im hochalpinen Raum ein kostbares Gut: Eine Kilowattstunde kostet hier durchschnittlich 4€ (und damit rund zehnmal mehr als im Tal). Also Reserve-Akku einpacken und Handy nur im Notfall einschalten. Oder wie wäre es mit einer ökologischen Alternative, einem kleinen Solarladegerät?
    • Rauchen einstellen: Nicht nur aufgrund der Wasserknappheit und der Abwesenheit einer Feuerwehr sollte klar sein: Auf der Hütte herrscht ein striktes Rauchverbot.
    • Geschirr wegbringen: Auf vielen Almen und Hütten ist Selbstbedienung angesagt. Manchmal auch nur zeitweise, wenn das Personal sehr beschäftigt ist. Eine schöne Geste ist es da, sein Geschirr anschließend wieder zurückzubringen. Für besonders fleißige Gäste gibt’s dafür sogar manchmal einen Schnaps!
    • Zu Fuß auf die Hütte: Je nachdem, wo die Hütte liegt, gibt es Hüttenversorgungswege: Diese sind jedoch tatsächlich für die Hüttenversorgung gedacht – und nicht für (faule) Wanderer.
Weitere Infos:  

Titelbild: © by paul / Fotolia