Die endlose Stille vom Trattenbachtal

Zwei Schwestern auf der Suche nach 48 Stunden Auszeit und guten Pulverabfahrten. Hier berichten Euch zwei Schöffel Fans, was sie im Trattenbachtal diesen Winter gefunden haben:

Wohin fährt man zum Skitourengehen, wenn ein perfektes Skitourenwochenende bevorsteht und sich auf den Bergen die Leute tummeln? Ins hinterste Eck des Pinzgaus, nach Neukirchen am Großvenediger, genauer: ins Trattenbachtal. Und was uns hier erwartete, sprengte unsere Vorstellung.

Schon die Hinfahrt durch das Zillertal und über den Gerlospass war der erste Schritt zur Ruhe – von geschäftigen Tourismusorten über lokale Resorts am Gerlospass hinein in eine beschauliche Ruhe. Die Mautstelle am Gerlos war nicht mehr besetzt, wir waren alleine auf der Bundesstraße und schlängelten uns die Straße an Pensionen mit ähnlichen Namen (Großvenediger-Blick) empor.

3 Zutaten für ein ruhiges Wochenende:
  • Das Auto abgestellt – was wir nicht wussten, wir brauchten es auch die nächsten 48h nicht mehr.
  • Ein Blick aufs Handy – äußerst schwacher Empfang.
  • Die Pension – ruhig, ein Familienzimmer mit 6 Betten, in dem wir es uns gleich mal gemütlich machten.
Foto: alpinonline
Foto: alpinonline
Das Trattenbachtal – Ruhe für die Seele

Der Tourentipp eines Einheimischen: „Geht ins Trattenbachtal, da seht ihr eh die Berge!“ Aha. Wird schon passen, dachten wir uns und marschierten los. 20 Kilometer bis ans Ende des Trattenbachtals – aber so weit werden wir ja wohl nicht gehen müssen. Falsch gedacht! Viele einsame Kilometer später erreichten wir die wunderschöne Trattenbachalm. Unbewirtschaftet. In schier unerreichbarer Entfernung sahen wir die „die Berge“ am Ende des Tales ruhen. Sie hatten auch die Möglichkeit zu ruhen, störte sie doch niemand.

Weiter geht’s schweigend, jede hängt ihren Gedanken nach, links hinauf und den Bergrücken entlang bis ganz hinten, ein letzter Anstieg auf den Sonnwendkogel. Eine Umarmung und abwärts geht’s, wissen wir doch, dass uns die Einsamkeit des Tales auch beim Auswärtsfahren bevorsteht. In den klirrenden Kristallen des Pulvers müssen wir vor Freude schreien.

Foto: alpinonline
Foto: alpinonline
Gastfreundschaft auf pinz’gerisch

„Nette Leute, gute Lage!“, war die Kurzinfo zu unserer Unterkunft, Pension Sonneck – ein bisschen mehr muss man schon dazu sagen: Familienzimmer mit bis zu 6 Betten und Balkon zu einem super Preis, ein wunderbares Frühstück und absolute Gemütlichkeit.

Wohin man essen geht – natürlich zum Nachbargasthaus, dem Alpengasthof Rechtegg, sagt uns die Pensionsbesitzerin. Und hier erlebten wir, dass es Gastfreundschaft noch gibt. Abwechselnd kamen der junge Wirt oder sein Vater vorbei. Sie erkundigten sich, woher wir kamen, auf welchem Berg wir waren und was wir für morgen so geplant hätten. Auf unsere Erzählung hin, dass das Tal ja recht schön, aber doch ein bisschen abgelegen sei, wurde entschieden, dass wir am nächsten Tag ein Stück taleinwärts gefahren werden. Denn den Kröndlberg mit seiner Kapelle am Gipfel müssten wir noch unbedingt sehen.

Der nächste Tag startete mit einem Sonnenaufgang über dem Großvenediger.

Foto: alpinonline
Spiritualität am Berg

Die Sonne begleitete uns abermals – wieder als einzige Tourengeher. Denn das Trattenbachtal zeigte sich auch am zweiten Tag einsam und verlassen. Diese Ruhe wollten wir auch nicht durchbrechen und „schlichen“ uns vorbei an der oberen Alm, durch das Becken zum Gipfel des Kröndlhorns.

Die Kapelle am Gipfel war nicht nur schön, sondern stimmte uns auch traurig, da sie eine Gedenkstätte für Verstorbene und mit kleinen Sterbebildchen versehen ist.

Eiskalter, klirrender Pulver

Eine Umarmung und abwärts geht’s, ebenfalls wie gestern durch Pulver und über von der Sonne schon leicht aufgefirnte Hänge, vorbei an den Almen und wieder raus aus dem Tal. Ohne jemanden zu treffen.

Foto: alpinonline
Foto: alpinonline
Foto: alpinonline
Wie ein Film – retour in die laute Welt

Wie in einem Film spielt sich unsere Reise rückblickend ab. Zuerst verlassen wir diesen sonnigen Platz am Berg, wo Pension und Gasthof stehen. Handyempfang. Der erste Stress beginnt – Whatsapp-Nachrichten beantworten, Postings lesen, wer hat angerufen. Am Gerlos erwartet uns der Skifahrer-Rückreise-Verkehr und begleitet uns retour durchs Zillertal bis über die Inntalautobahn nach Innsbruck. Geplant war sie nicht, die Stille des Wochenendes, aber gut hat sie uns getan.

Fazit

Einsamkeit, so unerwartet und unverhofft sie einen auch treffen mag, lehrt uns Entschleunigung. Sie gibt Raum, um innezuhalten und zu sich zurückzukommen. Sie rückt das Wesentliche wieder ins Blickfeld: Es braucht keine permanente Erreichbarkeit, Ablenkung und Zerstreuung. Allein das Gehen, begleitet von der Sonne, das Knirschen des Schnees, der Wind im Haar, all das ruft uns unmittelbar in Erinnerung, worauf es wirklich ankommt im Leben.

Ihr wollt noch mehr Facts, Wissen und interessante Storys rund ums Raus sein und Berge erfahren?
Dann werft einen Blick in unsere „Ich bin raus.“-Kategorie!