Das Gehen von Skitouren – Skitourengehen, auch Skiwandern oder Skibergsteigen – findet immer mehr Anhänger. Der Deutsche Alpenverein (DAV) schätzt, dass es allein in Deutschland 300.000 Skitourengeher gibt. Zum Vergleich: Dem stehen 14,61 Millionen Alpinskifahrer gegenüber (Quelle: Statista). Das macht das Skiwandern zwar nicht zum Massenphänomen, zeigt jedoch, dass es auch keine exotische Randsportart für Einzelgänger ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. Tipps für Skitour-Einsteiger: Das musst Du wissen – und solltest Du können
    – Mehr Sicherheit durch einen Lawinenkurs
  2. Die richtige Ausrüstung
    – Die Hardware: Die Ski-Ausrüstung für das Tourengehen
    Die perfekte Bekleidung für Deine Skitour
  3. Die schönsten Skitouren
  4. Praktische Tipps für Deine nächste Tour
    Wie checke ich mein Tourenski-Equipment?
    Was ist die richtige Verpflegung auf einer Skitour?
    Wie spare ich Gewicht beim Tourengehen?

Der Reiz des Skiwanderns

Beim Skibergsteigen machst Du eine Wanderung mit Ski bergauf auf einen Gipfel mit anschließender Abfahrt im unpräparierten Gelände, fernab vom turbulenten Skizirkus.

Während beim Alpinskifahren vor allem die Abfahrt den Reiz ausmacht, ist beim Tourengehen bereits der Weg nach oben Teil des eigentlichen Ziels. Abseits von Pisten und Liftanlagen erleben Skitourengeher Stille, idyllische Einsamkeit und unberührte Natur, kombiniert mit der sportlichen Herausforderung des Bergsteigens mit Ski.

 


1. Tipps für Skitouren-Einsteiger: Das musst Du wissen – und solltest Du können

Du möchtest eine Skitour durch malerische Gebirgslandschaften und jungfräulichen Pulverschnee  machen? Dieses Naturerlebnis musst Du Dir erst einmal verdienen. Denn auch wenn bei diesen Touren keine rasanten Abfahrten im  Vordergrund stehen, sind sie nichts für Gelegenheits-Skifahrer.

Für das Skiwandern brauchst Du

  • mindestens gute Fahrkenntnisse im Skifahren– und zwar auch abseits der Piste im Tiefschnee. Eine Abfahrt auf einer gespurten Piste ist nicht mit einer Abfahrt im Gelände, an vereisten Hängen oder im Tiefschnee zu vergleichen.
  • sehr viel Kondition: Der Aufstieg mit den langen Brettern an den Füßen durch den Tiefschnee ist kraftraubend – und für die Abfahrt brauchst Du dann nochmal viel Kraft in den Beinen. Wer hier schon ausgepowert ist, fährt gefährlich!

Doch keine Sorge: Mit dem richtigen Training steht der ersten Skitour nichts im Weg. Das kannst Du tun:

Einsteiger beginnen am besten schon vor der Wintersaison mit Konditionstraining. Besonders Deine Beinmuskulatur solltest Du stärken. Hierfür eignen sich Sportarten wie Bergwandern, Mountainbiken, Rennradfahren in bergigem Gelände, aber auch Schwimmen und Nordic Walking. Ergänzend dazu ist Krafttraining sinnvoll, insbesondere Übungen zur Stärkung der Bein- und Rumpfmuskulatur sowie der Arme.

Das eigentliche Skiwandern übst Du am besten erst einmal auf einer Piste. Auch hier geht es darum, Kondition aufzubauen. Darüber hinaus lernst Du die wichtigsten Grundlagen des Skiwanderns:

  • die Steighilfe je nach Steilheit des Geländes einzusetzen,
  • Spitzkehren für den Richtungswechsel und um extrem steiles Gelände zu meistern, sowie
  • Querungen an (eisigen) Hängen.


Mehr Sicherheit durch einen Lawinenkurs

Neben der richtigen Technik und Kondition musst Du Dich unbedingt mit dem Thema Sicherheit beschäftigen. Da Du abseits der Piste unterwegs bist, ist vor Deiner ersten Skitour ein Lawinenkurs sehr wichtig. Sie werden von vielen Skischulen und vom Deutschen Alpenverein angeboten. Darin lernst Du unter anderem die Interpretation des Lawinenlageberichts, das richtige Verhalten bei einem Lawinenunfall und das Bedienen von LVS-Geräten (Lawinenverschüttetensuchgerät) kennen.

» Tipps für Skitouren-Einsteiger
» Sport im Winter: Das solltest Du beachten

 


2. Die richtige Ausrüstung

Keine Sportart ohne passendes Equipment: Zum Tourengehen brauchst Du einerseits die passende Ski-Ausrüstung, andererseits die entsprechende Bekleidung:

Die Hardware: Die Ski-Ausrüstung für das Tourengehen

  • Tourenski: Sie haben weniger Gewicht als normale Abfahrtsski, um den Aufstieg leichter zu machen. Darüber hinaus sind sie – ähnlich den modernen Carving-Ski – relativ kurz, um bei der Abfahrt möglichst wendig zu sein.
  • Tourenbindung: Das A und O beim Tourengehen. Anders als bei herkömmlichen Skibindungen ist während des Aufstiegs der Skistiefel nur vorne befestigt, die Ferse nicht. Dadurch erlangst Du die nötige Bewegungsfreiheit für das Bergaufschieben des Skis. Für die Abfahrt befestigst Du dann den kompletten Schuh, ganz wie beim normalen Skifahren. Für steile Aufstiege gibt es noch sogenannte Steighilfen, mit denen sich die Bindung stufenweise einstellen lässt.
  • Felle für die Ski: Die sogenannten Skifelle sind an der Unterseite der Ski montiert und verhindern, dass Du beim Aufstieg am Hang immer wieder zurückrutschst. In der Pionierzeit des Skifahrens wurden tatsächlich Tierfelle verwendet, moderne Skifelle bestehen meist aus einer Mischung von Mohair, dem Naturhaar der Angora-Ziege, und Synthetik.
  • Stöcke: Die Skistöcke verhelfen Dir sowohl bei Aufstieg als auch bei der Abfahrt zu genügend Halt. Am sinnvollsten sind variabel einstellbare Teleskopstöcke mit großen Tellern, die das Einsinken im Tiefschnee verhindern.
  • Harscheisen: Diese metallenen Beschläge werden bei größeren Steigungen und vereisten Stellen in die Skibindung eingesetzt. Sie wirken wie Widerhaken und verhindern ein Abrutschen nach hinten oder seitwärts.
  • Rucksack: Beim Tourengehen ist ein Rucksack ein absolutes Muss! Zum einen bedeutet eine Tour in unberührter Natur, dass Du tatsächlich auf reine Bergwelt statt Hüttengaudi triffst, und daher ausreichend Proviant dabei haben solltest.  Außerdem bringst Du darin Deine Sicherheitsausrüstung unter (Lawinensonde und Schaufel). Dein Rucksack sollte wetterfest, leicht zugänglich und auch mit Handschuhen bedienbar sein
    » Eine Packliste für Deinen Rucksack findest Du hier: So packst Du Deinen Rucksack für eine Skitour
    » So wählst Du die richtigen Tourenski für Dich aus 

 

Die perfekte Bekleidung für Deine Skitour

Skitourengehen macht Spaß – aber nur mit der richtigen Bekleidung. Ein ganz wichtiger Punkt: Sie muss atmungsaktiv sein!

Der Aufstieg ist anstrengend und dadurch schweißtreibend, die Abfahrt hingegen zugig. Dazu kann es windig sein, schneien oder beides zugleich. Deine Bekleidung muss daher für alle diese Anforderungen passen: Sie muss die Feuchtigkeit nach außen transportieren, Dich wärmen und winddicht sein.

Für Deine Bekleidung gilt das Zwiebelprinzip. Hierbei trägst Du mehrere Kleidungsschichten übereinander. Je nach Temperatur ziehst Du einzelne Schichten an oder aus. Diese Kleidungsstücke brauchst Du für Deine Skitour:

  • Tourenjacke: Hier gibt es verschiedene Modelle, z.B. Soft- und/oder Hardshell. Gerade für Tourengeher empfehlen sich ungefütterte Modelle, in die sich bei Bedarf Daunenjacken ein „zippen“ lassen.
  • Warme Tourenhose: Auch diese sollte wind- und wasserabweisend sein.
  • Funktionsskiunterwäsche: Die Funktionsunterwäsche liegt als erste Schicht des „Zwiebelprinzips“ direkt auf der Haut und unterstützt diese bei ihrer Arbeit, die Körpertemperatur zu regulieren. Die funktionalen Fasern transportieren den Schweiß nach draußen, so dass die Haut immer schön trocken ist.
  • Fleecejacke: Auch Fleece transportiert Nässe nach außen. Die Fleecejacke ist die mittlere Schicht beim „Zwiebelprinzip“.
  • Skisocken: Auch hier gilt, dass dieses Kleidungsstück wärmend und funktional sein soll. Dabei achte auf Qualität, denn mit guten Strümpfen vermeidest Du Blasen an den Füßen.
  • Dicke und dünne Handschuhe: Auch an den Händen ist das Zwiebelprinzip sinnvoll.
  • Stirnband und Mütze: Deine Ohren solltest Du immer vor Kälte oder Wind schützen.
  • Sonnenbrille: Eine Sonnenbrille ist gerade im Winter sehr wichtig, da Schnee das Sonnenlicht reflektiert und dadurch noch verstärkt.
  • Skischuhe: Skistiefel für das Tourengehen unterscheiden sich durch ihren anderen Einsatz von denen für den Abfahrtslauf. Um der Blasenbildung vorzubeugen, die die Tour zur Tortur macht, dürfen hinsichtlich der Passform keine Kompromisse eingegangen werden!

So ausgestattet steht der ersten Skitour nichts mehr im Weg!

» Nicht nur für Tourengeher: Welche Skijacke ist die Richtige? 

» Das sind unsere liebsten Winter Accssoires

 


3. Die schönsten Skitouren

In den Alpen gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Skitouren in allen Schwierigkeitsklassen und Dauer. Von mehrtägigen Skidurchquerungen bis hin zu Feierabendtouren an der Piste oder der Erkundung Deines Hausbergs zu Ski: es gibt für jeden die passende Tour. Hier eine Auswahl:

Deutschland

  • In Deutschland gibt es am Hirschberg im Skigebiet Tegernseer Tal eine gute Tour für Einsteiger.
  • Ein wenig anspruchsvoller sind die Skiwanderungen im Allgäu im Skigebiet Oberstaufen und die Region rund um die Zugspitze.

Österreich

  • Höher hinaus geht es in Österreich: Das Skigebiet Stubaital (bis über 3.000 m) ist ein Eldorado für alpine Skitouren, die allerdings auch recht anspruchsvoll sind. Echte Tourenski-Fans kommen hier mit mehrtägigen Hüttentouren voll auf ihre Kosten.
  • Einsteiger hingegen finden rund um den Achensee gute Bedingungen für erste Skitouren in herrlicher Landschaft. Auch der Dachstein und die Bielerhöhe sind wunderschön.

Südtirol

  • In Südtirol locken moderate nordseitige Hänge mit gutem Pulverschnee, wie beispielsweise in Ratschings.

Pistentouren

  • Neben dem Aufstieg durch die unberührte Natur hat sich eine weitere Form des Skitourengehens entwickelt: Pistentouren.
    Hierbei erfolgt der Aufstieg am Pistenrand eines erschlossenen Skigebiets. Die Vorteile dabei sind die Lawinensicherheit und die einfach Orientierung. Allerdings sind die Pistengeher nicht überall beliebt: Die Liftbetreiber und anderen Skifahrer fühlen sich manchmal von Tourengehern gestört. Deswegen gibt es in einigen Skigebieten gekennzeichnete Aufstiegsrouten und/ oder Benutzungsgebühren. Orientiere Dich bei Pistentouren auch unbedingt an den Geboten für Skitouren, die der DAV in Zusammenarbeit mit allen Interessenvertretern aufgeschrieben hat:
    » Pistentouren: Das solltest Du beachten

In diesen Beiträgen nehmen wir Dich mit auf unterschiedliche Skitouren:

» Unterwegs im Trattenbachtal

» Lampsenspitze: Die Skitour, die immer geht

 


4. Praktische Tipps für Deine nächste Tour

Egal ob Du Deine erste oder Deine nächste Tour planst – hier sind einige praktische Tipps:

Check Dein Tourenski-Equipment

Auch ein Tourenski muss regelmäßig zum Skiservice. Gerade im freien Gelänge wäre es fatal, wenn die Ausrüstung schlapp macht. Doch sollte sich der Wintercheck nicht nur auf die Ski beschränken: Dein Helm muss ebenfalls regelmäßig überprüft und nach drei bis fünf Jahren ausgetauscht werden. Und auch Deine Outdoor-Jacke solltest Du regelmäßig auf ihre Funktion überprüfen. Ist die Membran noch dicht? Wenn nicht, wird es höchste Zeit für eine neue Skijacke.

Sorge mit dem richtigen Proviant für ausreichende Energie

Eine Skitour ist anstrengend und verbraucht viel Energie. Leider findest Du in der unberührten Natur selten eine Hütte für einen Einkehrschwung. Deshalb musst Du Deinen Proviant mitführen.

Hierbei gilt: Bei einer kurzen Tour reicht die gewohnte Verpflegung aus. Bei einer längeren Skitour solltest Du Nahrungsmittel mit vielen leicht verdaulichen Kohlenhydraten mitnehmen, damit Du fit bleibst. Geeignet sind hochwertige Sportriegel oder Fruchtschnitten. Weniger geeignet ist Frischobst – dieses ist zum einen sehr schwer, zum anderen kann es Dir einfrieren.

Ganz wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Am besten nimmst Du dazu ausreichend  Wasser oder heißen Tee mit.

» Noch mehr Tipps zur Skitour-Verpflegung 

Weniger ist mehr – so sparst Du Gewicht beim Tourengehen

Ausreichend Getränke mitzuführen bedeutet einiges an Gewicht im Rucksack – zumindest am Anfang der Tour. Doch je länger sie dauert, desto mehr reduziert sich dieses Gewicht. Darüber hinaus kannst Du noch weiter versuchen, Gewicht einzusparen.

Das fängt bereits beim Rucksack selber an. Moderne Touren-Rucksäcke sind echte Leichtgewichte, genauso wie Funktionsjacken. Mit einigen Hundert Gramm weniger fällt der Aufstieg deutlich leichter!

Auch bei den Ski kannst Du bis zu 400 g Gewicht vermeiden. Deinen Rucksack-Inhalt solltest Du ebenfalls regelmäßig ausmisten und alles zu Hause lassen, was Du nicht regelmäßig nutzt. Doch Achtung, das gilt nicht für die Notfallausrüstung – also Schaufel, Sonde, LVS-Gerät, Erste Hilfe-Set und Biwaksack. Diese Dinge musst Du immer mitnehmen – auch wenn sie hoffentlich nie zum Einsatz kommen.

Und nun: Viel Spaß bei Deiner Skitour!