Rauf auf die Lampsenspitze

Den Winter ausklingen lassen – Schöffel Fans bei einer Tour auf die Lampsenspitze: „Die Lampsen geht immer“, meint Riki, „Treffpunkt morgen um 8 Uhr im Sellrain“. Die Worte klingen irgendwie final, aber das ist auch gut so: Hinter uns liegen gefühlte drei Stunden hin- und herüberlegen, Skitourenführer durchwälzen, aktuelle Schneebedingungen checken, Insider-Tipps abholen. Wir spielen das leidige Spiel des Winters, die unergründliche Suche nach dem perfekten Skitourenziel für den nächsten Tag. Wo finden wir noch unverspurte Hänge, wo liegt der Schnee, wo war der Wind drinnen? 2017 war eine herausfordernde Prüfung: Die Bedingungen im Hochwinter wollten einfach nicht so richtig gut werden, zu gering die Unterlage, zu groß die Lawinengefahr. Also: Lampsenspitze, die geht immer.

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Anreise

Die „Lampsen“, wie die Tiroler ihre wohl am häufigsten begangene Skitour nennen, ist ein 2.875 Meter hoher Gipfel im Sellraintal. Das „Sellrain“ wiederum ist relativ schnell von Innsbruck aus zu erreichen: Bei Kematen fahren wir am nächsten Tag also von der A12 ab und folgen den Schildern Richtung Kühtai, ein Skigebiet auf über 2.000 Metern. In Gries im Sellrain biegt man vom Weg ins Skigebiet ab und fährt ins nur 10 Kilometer lange Lüsenstal, direkt auf den imposanten Lüsener Fernerkogel zu. Als das „Matterhorn Tirols“ wird dieser unnahbare Felskoloss manchmal bezeichnet, aber tatsächlich geht auch hier eine lohnende Skitour hinauf: Nur nicht heute, zu prekär die Verhältnisse.

Über das alte Skigebiet geht es gemütlich nach oben. Foto: Simon Schöpf
Riki und Ina im oberen Teil der Tour: Langsam kommt auch die Sonne hervor! Foto: Simon Schöpf

Und warum geht die Lampsenspitze immer, fragen wir Riki dann am Parkplatz in Praxmar? „Weil hier vom ersten Schnee weg jeden Tag Leute raufspringen, das präpariert die Tour oft pistenartig“, meint unsere Innsbrucker Lokalmatadorin. „Außerdem ist das Gelände nicht zu steil und die Tour ganz einfach schön!“, zitiert Ina die Tourenbeschreibung mit einem Lächeln. Wer, wie sie, auf der Suche nach Schnee extra aus Wien anreist, der hat eben besonders hohe Erwartungen.

Stimmt aber – auch wenn man hier schon öfter war, das Lüsenertal verliert nie seinen ganz eigenen Charme. Das verschlafene Alpinnestchen Praxmar scheint aus nicht viel mehr als dem urigen Gasthof und dem alten Schlepplift zu bestehen, der alte Golden Retriever vom Hof kommt beim Auffellen zu uns herüber und beschnuppert freundlich unsere Ausrüstung; die Lampsengeher, er kennt (und liebt) sie alle.

Bald ist man über der Baumgrenze und genießt die Ausblicke ganz besonders. Foto: Simon Schöpf
Aufstieg

Los geht’s: Vorbei an den ersten Schildern des Tourenlehrpfades und dem LVS-Check (grün!) überwinden wir die ersten Höhenmeter auf der Rodelpiste. Auch das ein Vorteil der Lampsenspitze: Wenn’s unten wenig Schnee hat, kann man trotzdem gut und steinfrei abfahren. Nach einer guten Stunde kommen wir in offenes Gelände und werden überrascht: 10 Zentimeter feiner Pulver hier oben, Frau Holle war gnädig mit uns! Und der Föhn ist es heute auch: Die Wolken reißen auf, plötzlich erwachen die hochalpinen Lebensgefühle in uns und wir sind schon voller Motivation, ein paar feine Schwünge in den frischen Schnee zu zeichnen.

Kurz vor dem Skidepot „zieht“ es sich nochmal ganz ordentlich. Foto: Simon Schöpf
Ina auf den letzten Metern vor dem Gipfel. Foto: Simon Schöpf

Doch auch wenn die Lampsenspitze eine Modeskitour ist, kurz ist sie dann doch nicht: 1.200 Höhenmeter, das merkt man dann schon in den Oberschenkeln. Und die alten Hasen wissen es bereits, die Lampsen versucht einen im Aufstieg oft auszutricksen: „Nein, das da oben ist noch nicht der Gipfel, der kommt erst dahinter“, lächelt Ina und stapft munter weiter. Macht aber nichts – die Landschaft hier ist so schön, man könnte sie ewig durchwandern. Nach guten drei Stunden sind wir auf der Scharte, dem Skidepot. Es eröffnen sich Tiefblicke hinunter ins verlassene Gleirschtal und hinüber zu den hohen Bergen des Kühtai. Besser ist nur noch der Ausblick von ganz oben. Also nochmals alle Kraft zusammenraufen und die steilen 15 Minuten zum Gipfel stapfen. Weitblick, hallo! Ein beherzter Jauchzer in die Ferne und ab geht’s wieder runter Richtung Skidepot und Pulvertraum.

Am Kreuz blickt man hinunter ins einsame Gleirschtal. Foto: Simon Schöpf

Die Lampsenspitze offeriert uns bergab viele Varianten, „rechts drüben schaut’s am besten aus“, hat Riki schon im Aufstieg erspäht. Und tatsächlich: Unverspurte Hänge, wir ziehen unsere Schwünge voller Freude, im Spiel des Winters doch noch ein Ass ausgespielt zu haben. Denn manchmal sind die einfachsten Antworten wirklich die besten: Die Lampsen geht immer.

Lampsenspitze Facts
  • Dauer: 3,5 h
  • Höhenmeter: 1.200
  • Maximale Höhe: 2.875 m
  • Anfahrt: Auf der Inntalautobahn A12 bis zur Ausfahrt Zirl Ost. Weiter nach Kematen und über die L13 ins Sellraintal bis in den Ortskern von Gries im Sellrain. Dort nach links ins Untertal (=Lisenstal) abbiegen – beschildert mit „Gletschertal Lüsens-Praxmar“. Fahrt bis zum großen Parkplatz am Ortsende von Praxmar.

Anbei findet Ihr noch einige der herrlichen Impressionen, die bei unserer Tour entstanden sind.

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