Bei schlechter Vorbereitung, mangelnder Erfahrung, Selbstüberschätzung und ungünstigen Wetterverhältnissen kann ein Ausflug in die Berge schnell in einer Katastrophe enden. Wir haben für Dich zusammengetragen, wie Du im Notfall richtig reagierst und mit Erster Hilfe wichtige Schritte zur Rettung einleiten kannst. Wertvolle Tipps für alle, die auch in kritischen Momenten einen kühlen Kopf bewahren wollen.

INHALT
Warum Du immer für den Notfall gewappnet sein solltest
Checkliste Erste-Hilfe-Set: Das ist die wichtige Notfallausrüstung
Das ist wichtig für Erste-Hilfe in den Bergen
Erste Hilfe in den Bergen: So gehst Du im Notfall vor
Erste Hilfe in den Bergen: die häufigsten medizinischen Notfälle

Warum Du immer für den Notfall gewappnet sein solltest

Erste Hilfe in den bergen: Wanderschuh auf Stein
© Firma V / Fotolia.com

Die Berge sind immer mit Vorsicht zu genießen. Jede Deiner Touren sollte immer bestens geplant sein. Angefangen von der Routenauswahl, über den obligatorischen Wettercheck und der adäquaten Ausrüstung solltest Du immer Herr oder Herrin der Lage bleiben. Sollte Dir trotz aller Vorsicht und perfekter Vorbereitung dennoch etwas passieren oder wirst Du Zeuge eines Unfalls, solltest Du gewappnet sein.

Deine Führerscheinprüfung ist sicher schon ein wenig her. Der Erste-Hilfe-Kurs, den Du hierfür belegen musstest, bedarf einer steten Auffrischung. Zudem benötigst Du für einen Bergunfall gesondertes Wissen. Wir stellen Dir das wichtigste Know-How zusammen und bereiten Dich auf den Notfall vor. Natürlich immer mit der Hoffnung, dass er niemals eintritt.

Checkliste Erste-Hilfe-Set:
Das ist die wichtige Notfallausrüstung

Erste Hilfe in den Bergen: Erste Hilfe Set
Unverzichtbar: Ein vollständiges Erste Hilfe Set | © remar / Fotolia.com

Ganz wichtig: Du solltest niemals in die Berge aufbrechen, ohne ein Erste-Hilfe-Set inkl. Rettungsdecke einzupacken. Das ist Deine absolute Verpflichtung, weil Du im Notfall in der Lage sein solltest, Dir selbst und anderen helfen zu können. Fertige und vollständige Sets kannst Du in Outdoorgeschäften kaufen. Das gehört für eine Tagestour in Deinen Rucksack:

  • 1 steriles Verbandspäckchen
  • 2 sterile Kompressen
  • 2 Heftpflasterstreifen (breit und schmal)
  • 1 steril verpacktes Rundum-Pflaster
  • 1 Rolle Tapeverband
  • 3 sterile Klammer-Pflasterstreifen
  • 1 elastische, selbsthaftende Pflasterbinde
  • Desinfektionsmittel
  • Schmerztabletten
  • Arnika-Wundtuch
  • Dreieckstuch
  • Rettungsdecke
  • Einmal-Handschuhe
  • Trillerpfeife
  • Schere
  • Stirnlampe

Das ist wichtig für Erste-Hilfe in den Bergen

Erste Hilfe in den Bergen: lawinenhund
© Spidi1981 / Fotolia.com

Um im Notfall souverän und mit der nötigen Ruhe eingreifen zu können, ist es notwendig, dass Du Dir die wichtigsten Punkte der Notrettung gut einprägst. Nur so kannst Du im Notfall richtig eingreifen. Wichtig ist: Schrecke nicht davor zurück, Erste Hilfe zu leisten. Handle dabei immer im Rahmen Deiner Möglichkeiten und bringe Dich dabei nicht selbst in Gefahr.

Das solltest Du wissen

Versicherung

Zunächst einmal ist eine gute Versicherung Gold wert, wenn es zu einem Noteinsatz kommen sollte. Der DAV bietet eine solche an, die in der Jahresmitgliedschaft automatisch enthalten ist. Bist Du über den DAV versichert, erreichst Du die zuständige Notrufzentrale der Würzburger Versicherung (24 Stunden erreichbar) unter 089-306 570 91. Die Versicherung deckt Such-, Bergungs- und Rettungskosten bis 25.000 Euro ab.

Handy

Ein Handy sollte Dein ständiger Begleiter in den Bergen sein. Falls Du auf Deiner Tour ungestört bleiben möchtest, empfiehlt es sich, ein extra Telefon mitzunehmen. Ein altes Nokia leistet dabei einen guten Dienst und hat außerdem eine längere Akkulaufzeit als die aktuellen Smartphones. Willst Du nicht auf Dein Smartphone verzichten, achte darauf, es vor Deiner Tour aufzuladen und nimm zusätzlich eine Powerbank (ein tragbarer Akkulader) mit.

Empfang

Ein großes Problem meist bei der Rettung der mangelnde Handyempfang dar. Wenn Du kein Netz findest, hilft Dir folgender Trick. Schalte das Handy aus und wieder an. Tipp dann gleich statt der PIN den Euro-Notruf 112 ein. Dein Handy sucht dann automatisch den stärksten Netzbetreiber, um Deinen Notruf zu übermitteln. Steckst Du in einem Funkloch, dann kannst Du nur über ein Alpines Notsignal einen Notruf absetzen:

Alpines Notsignal

Das ist ein hör- oder sichtbares Zeichen/Rufen mit Trillerpfeife, Stirnlampe oder Kamerablitzen. Egal wie Du Dir Aufmerksamkeit verschaffst, wichtig ist, dass Du das Signal in der international bekannten Reihenfolge abgibst:

  • Zunächst sechs Mal innerhalb einer Minute.
  • Dann eine Minute Pause.
  • Dann wieder sechs Mal innerhalb einer Minute.

Wer diese Signale empfängt, hat umgehend die Bergrettung zu informieren. Mit dem Antwortzeichen: drei Mal pro Minute gibt man zu erkennen, dass das Notsignal angekommen ist.

Ruhe bewahren

In Stresssituationen hilft es, erst einmal Ruhe zu bewahren. Das wird auch dann wichtig, wenn Du Dich mit dem Rettungsdienst oder der Bergwacht in Verbindung setzt. Eine geordnete Informationsübermittlung hilft allen Beteiligten.

Das sind die länderspezifischen Notrufnummern:

  • Notruf in Deutschland 112;
  • Alpin-Notruf in Österreich 140;
  • die Bergrettung in der Schweiz 144
  • der zentrale Notruf in der Schweiz 1414;
  • der zentrale Notruf in Italien/Südtirol 118;
  • zentraler Notruf in Frankreich 15.
Erste Hilfe in den Bergen: Bergwacht Notarzt
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Bergwacht

Die Bergwacht kommt erst dann ins Spiel, wenn der oder die Verletzte nicht mit einem normalen Einsatzwagen erreichbar ist. Denn dann benötigen die Rettungskräfte entweder einen Hubschrauber oder ein geländefähiges Gefährt. Ist der Einsatzort aufgrund von Wetterverhältnissen und Abgeschiedenheit nicht motorisiert zu erreichen, bewegen sich die Rettungskräfte zu Fuß zum Unfallort.

Ortungsdienste einschalten (und das schon vor der Tour)

Mithilfe der Ortungsdienste kann die Bergwacht auf die Funktion der Koordinatenübertragung zurückgreifen. Außerdem sollte der Melder (unverletzter Begleiter) sein Handy immer griffbereit haben, weil sich die alarmierte Bergwacht telefonisch rückmeldet, um u.a. den Unfallort noch näher einzugrenzen.

Erste Hilfe in den Bergen:
So gehst Du im Notfall vor

Bergrettung Rettungshubschrauber
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Die W-Fragen

Zu Beginn einer jeden Rettungsaktion solltest Du Dir selbst die W-Fragen stellen. Wo? Was? Wann? Welche Verletzung? Wie viele? Damit verschaffst Du Dir einen Überblick über die Situation, kannst die nächsten Schritte planen und Hilfsmaßnahmen priorisieren.

Rettung herbeirufen

Hier benötigst Du möglichst präzise Antworten auf diese Fragen:
1. Was ist passiert?
2. Wo befindet man sich / wo hat sich der Unfall ereignet?
3. Wie viele Personen sind involviert?
4. Wann ist der Unfall geschehen?
5. Wer setzt den Notruf ab?
6. Wie ist die Wetterlage?

Lebensrettenden Sofortmaßnahmen

Das Ziel der Erste Hilfe-Maßnahmen ist, den Zustand des Opfers bis zum Eintreffen der Rettungskräfte so stabil als möglich zu halten.
1. Richtige Lagerung (stabile Seitenlage, das Opfer warm halten)
2. Schockbekämpfung
3. Versorgung von Verletzungen mittels Erste Hilfe-Set

Priorität hat der Verletzte

Nachdem ein Notruf abgesetzt worden ist, kümmere Dich umgehend wieder um den / die Verletzen. Erste-Hilfe ist das wichtigste Instrument zur Rettung eines Verletzten!

Selbstschutz beachten

Schau Dir das Gelände an und überprüfe Deine Sicherheitssituation. Droht Steinschlag oder Absturzgefahr?

Situation klären

Schau Dir den Verletzten an und überprüfe seine Kreislaufsituation. Das schließt unter anderem mit ein, ob er noch atmet (erkennt man am sich hebenden Brustkorb und am Atemgeräusch), ob er noch einen Puls hat (testest man am Hals oder am Handgelenk). Die Körperfunktionen solltest Du in regelmäßigen Abständen überprüfen, weil sich die Situation schnell ändern kann. Starke Blutungen solltest Du abbinden.

Wärme und Wärmeschutz

Um einer Unterkühlung der Verunfallten vorzubeugen, solltest Du eine wärmende Decke und falls möglich warmen Tee geben.

Reanimation

Sobald die Atmung UND Puls ausgesetzt haben, musst Du sofort mit der Reanimation beginnen. Dabei ist die Herzdruckmassage die wichtigste Maßnahme (ca. 100x / Minute, mindestens 5 cm Drucktiefe). Sie sollte durch eine Beatmung ergänzt werden, Rhythmus: 30x drücken, dann zweimal beatmen.

Hubschraubereinsatz

Falls es zu einer Rettung per Hubschrauber kommen sollte, bereite den Landeplatz entsprechend vor. Sichere Dinge, die herumfliegen könnten.

Unfallstelle

Versuch, die Unfallstelle möglichst gut zu markieren. Zu diesem Zweck kannst Du farbige Kleidung auslegen oder auch durch Zeichengebung entsprechende Hilfestellung an die Retter geben.

Erste Hilfe in den Bergen:
Das sind die häufigsten medizinischen Notfälle

Bergung mit Rettungshubschrauber
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Niemand ist per se in den Bergen vor Unfällen sicher. Und auch, wenn sich durch richtige Vorbereitung das Risiko minimieren lässt, kann natürlich ein Unglück nie ausgeschlossen werden.

Wir haben die häufigsten medizinischen Notfälle für Dich zusammengetragen:

Wunden

Wunden sollten oberflächlich gereinigt und steril verbunden werden. Mach vor dem Verbinden ein Foto bzw. präge Dir die Art der Verletzung genau ein, damit die Bergrettung den Verband nicht erst öffnen muss.

Brüche oder Auskugelungen

Bei dieser Art von Verletzung ist die schmerzfreie Lagerung eine erste Hilfemaßnahme. Ein Stabilisierung erreichst Du, wenn Du mit einem Ski- oder Tourenstock, Ast oder einer Armbandage mittels Pullover bandagierst.

Herzinfarkt

Der plötzliche Herztod ist mit mehr als einem Drittel aller Todesfälle die häufigste nicht verletzungsbedingte Todesursache beim Bergsport. Betroffen sind vor allem Männer mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Risikofaktoren sind ein vorangegangener Herzinfarkt, unbehandelter Bluthochdruck, hoher Blutcholesterinspiegel und Diabetes. Prävention sind regelmäßiger Sport, gesunde Ernährung und regelmäßige Pausen mit Flüssigkeitsaufnahme.

Anzeichen für einen Herzinfarkt sind starke Schmerzen, ein massives Engegefühl in der Brust, heftiges Brennen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch und Angstschweiß mit kalter, fahler Haut. Ein Herzinfarkt ist ein absoluter Notfall. Rettung sollte umgehend informiert werden. Lagere den Betroffenen mit etwas erhöhtem Oberkörper und achte darauf, dass er nicht friert. Öffne einengende Kleidung und versuche, Ruhe auszustrahlen.

Hitzschlag

Beim Hitzschlag kommt es zu einem Wärmestau im Körper. Durch starke Hitze und körperliche Belastung steigt die Körpertemperatur schnell auf über 39 Grad. Bei warmer und gleichzeitig feuchter Luft (zum Beispiel bei Gewitter) ist das Risiko besonders hoch, weil die überschüssige Wärme nicht durch kühlenden Schweiß abgeleitet werden kann.

Typische Symptome sind eine erhöhte Körpertemperatur, rote Haut, später zunehmende Blässe und aschfahles Aussehen. Zudem klagen Betroffene über Kopfschmerz, Schwindel oder müssen Erbrechen. Auch Blutdruckabfall und Bewusstseinsstörungen kommen vor. In einem solchen Fall sollte der Betroffene sofort an einen kühlen Ort gebracht, die Kleidung gelockert und ihm Luft zugefächelt werden. So kann sich die Körpertemperatur langsam senken. Ist die Person noch ansprechbar, sollte ihr Oberkörper höher gelagert werden. Einen bewusstlosen Patienten sollte man bis zur Ankunft des Notarztes in der stabilen Seitenlage halten.

Erschöpfung/ mentale Blockade

Bei mangelnder Fitness und schlechter Vorbereitung kann es schon mal zu Überforderung am Berg kommen. Mehr als ein Drittel der Rettungseinsätze gehen auf sogenannte Blockaden zurück. In einem solchen Fall wird häufig die Bergrettung benötigt. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte solltest Du beruhigend auf die Person einwirken und sie aus möglichen Gefahrenzonen herausbringen.

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