Ein Ausflug in die Berge soll in erster Linie Spaß machen. Bei Unachtsamkeit kann Deine Wanderung oder Deine Klettersteigtour aber schnell mit einem Unglück enden. Wir haben für Dich die wichtigsten Punkte zum Thema Bergsicherheit im Sommer zusammengetragen: So erkennst, vermeidest oder reagierst Du im Notfall auf Gefahren wie Blitzschlag, Wetterumschwung, Steinschlag, Selbstüberschätzung und falsche Ausrüstung.

INHALT
Unterschätze niemals die Natur
Alpine Gefahren: Plötzliche Wetterumschwünge
Alpine Gefahren: Selbstüberschätzung in Bezug auf Kondition und Können
Alpine Gefahren: Falsche Ausrüstung und Kleidung
Alpine Gefahren: Steinschlag und Felsstürze

Sicherheit in den Bergen: Unterschätze niemals die Natur

Der Blick aus dem Fenster in München verspricht Sonnenschein und einen tollen Tag in den Bergen. Was er aber nicht verrät, ist die Entwicklung des Wetters über den Tag, mögliche Temperaturstürze und Schlechtwetterfronten. Einen kritischen und sachkundigen Blick in den Wetterbericht solltest Du vor jeder Tour werfen.

Auch wenn die Alpen und Mittelgebirge als gut erschlossen gelten, bleiben die Berge Natur pur und dadurch unberechenbar. Auch die beste Tourenbeschreibung kann nicht vor allen Gefahren warnen und Orientierungsschwächen ausgleichen. Vorsicht sollte genau wie Freude Dein ständiger Begleiter auf all Deinen Touren sein.

Unfallursachen in den Bergen: Gründe

Unfallursachen lassen sich leicht auf zwei Gefahrenquellen zurückführen: subjektive und objektive Gefahren.

Subjektive Gefahren entstehen, wenn mangelnde Selbsteinschätzung und fehlendes Können zusammentreffen. Bergsteiger, die sich zu viel abverlangen, die Touren nicht entsprechend ihrer Leistung auswählen, sondern deutlich anspruchsvoller, überfordern sich und stellen eine Gefahr für sich selbst und womöglich andere Menschen dar.

Objektive Gefahren sind Gefahren, auf die der Mensch nur wenig Einfluss hat, weil sie ihre Ursache im Naturgeschehen haben wie etwa Kälteeinbrüche oder Nebel. Dieser Art von Gefahr kann man ebenso wie subjektiven Gefahren mit richtigem Verhalten begegnen. Wie das geht, erklären wir Dir in vier Schritten.

Alpine Gefahren: plötzliche Wetterumschwünge

Gefahren in den Bergen: Wetterumschwünge, Ambosswolke
Ambosswolke | © C@rsten / Fotolia

Das Wetter mit all seinen Kapriolen gehört in die Kategorie objektive Gefahren. Diese sind durch absolut sorgfältige Planung zumindest teilweise vermeidbar, weil Du Dir mit dem Blick in den Wetterbericht einen Informationsvorsprung einholen kannst.

Doch welche Wetterphänomene sind wirklich gefährlich?

Eine kurze Übersicht:

  • Kaltfront: Auf eine Kaltfront folgt allgemein eine Abkühlung, die ganz empfindlich kalt ausfallen kann. Schnee im Sommer ist keine Seltenheit. Eine Kaltfront geht im Sommer häufig mit einer kräftigen Labilisierung des Wetters einher. Sie kündigt sich durch starke Quellbewölkung, Regen mit Gewittern und teilweise heftige Böen an; außerdem sinkt der Luftdruck. Wer unvorbereitet in eine Kaltfront gerät und nicht entsprechend ausgerüstet ist, riskiert sein Leben. Auf der Wetterkarte ist sie an einer blauen Linie mit dreieckigen Spitzen zu erkennen.
  • Warmfront: Eine Warmfront entsteht, weil tropische Luft auf kalte Polarluft trifft. Bei einer heranziehenden Warmfront erhöht sich die Temperatur. Eine Warmfront wird in der Wetterkarte mit kleinen runden Noppen auf der oft rot eingefärbten Frontlinie gekennzeichnet. Die Warmfront macht sich zuerst durch hohe Cirrusbewölkung, dann von Altocumulus (hohe Haufenwolken) und Stratus (Schichtwolken) sowie schließlich durch Nimbostratus (typische Regenwolken, Wolkendecke) bemerkbar. Es kann sich kräftiger, oft auch länger andauernder Niederschlag (Landregen) entwickeln. Die Warmfront ist von einem Hochdruckgebiet zu unterscheiden, weil hier der Luftdruck sogar abfällt.
  • Gewitter: Wärmegewitter entstehen im Sommer über den Landmassen. Wärmegewitter sind örtliche Ereignisse, die nachmittags und abends auftreten und am späten Abend wieder zerfallen. Am nächsten Tag herrscht meist wieder schönes und warmes Wetter. Kaltfrontgewitter fallen in der Regel heftiger aus. Im Bereich der Front entstehen Ambosswolken, aus denen besonders im Sommer heftige Gewitter niedergehen. Häufig sind die Gewitterwolken aber nicht zu sehen, da sie in die frontale mittelhohe Bewölkung eingebettet sind. Nur ein Dunklerwerden des Horizontes in westlicher Richtung weist auf das Herannahen eines Cumulonimbus hin.
  • Nebel: Nebel wird dann zum Risiko, wenn die Sicht stark eingeschränkt wird. Du hast kaum mehr Orientierungspunkte für Augen und Ohren. Gefährlich wird es dann, wenn Du in unwegsamem Gelände unterwegs bist.
  • Sturm: Starke Winde in den Bergen stellen ein großes Sicherheitsrisiko dar, weil Du in exponiertem Gelände einfach weggeblasen werden kannst. Die Absturzgefahr ist hoch. Außerdem gehen mit Stürmen meist andere Wetterphänomene einher, wie Gewitter und Regen. Auch Föhnstürme stellen eine Gefahr dar, weil sie von teils heftigen Böen gekennzeichnet sind.
  • Hitze und extreme Sonneneinstrahlung: Eigentlich sind Sonne und warme Temperaturen angenehm, aber im Hochsommer kann das ins Extrem gehen. Plane Touren mit viel Schatten und einer Abkühlung am Ende (See oder Gumpe).

Und wie kannst Du die Gefahren vermeiden?

Gefahren in den Bergen:Nebel
Nebel | © xangai / Fotolia

Oberstes Gebot: Studiere ausgiebig den Wetterbericht und brich bei unsicherer Wetterlage gar nicht erst zu einer Tour auf. Das solltest Du IMMER in Betracht ziehen, weil Deine und die Sicherheit Deiner Tourenpartner IMMER vorgeht. Durch zurückhaltende Tourenplanung kannst Du aber auch bei schwierigeren Verhältnissen eine Tour wagen. Ist für den Nachmittag ein Wärmegewitter angekündigt, dann wähle eine kurze Tour und starte möglichst früh, um zeitnah wieder am Auto zu sein.

Zuverlässige Wetterberichte findest Du hier:

Zieht eine Kaltfront auf, wähle entweder eine sehr kurze Tour mit guten Umkehrmöglichkeiten oder bleibe einfach im Flachland und dreh zum Beispiel eine schöne Runde um den See. Solltest Du dennoch in ein brenzlige Situation geraten, suche Dir einen geschützten Ort, an dem Du in Deckung gehen kannst. Eine Berghütte, eine Höhle oder ein Vorsprung schirmen Dich vom niederprasselnden Regen ab.

Wie Du bei Gewitter richtig reagierst, erklären wir Dir in diesem Beitrag:  6 Sätze, die ein Wanderer nie sagen würde

Auch Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle. Mehr hierzu im dritten Punkt weiter unten.

Selbstüberschätzung in Bezug auf Kondition und Können

Frau auf Klettersteig
Gefahren in den Bergen: Überschätze nie Dein Können | © Lunghammer / Fotolia

Du weißt es selbst: Manchmal klaffen Wunsch und Realität weit auseinander. Dein Traum ist das Matterhorn, Dein Können und Deine Erfahrung reichen aber gerade mal für eine Wanderung im Alpenvorland. Aber mal ehrlich: Was soll’s? Hauptsache draußen sein, Deine Kondition und Trittsicherheit verbessern und vor allem: den Tag genießen. Leider geben sich aber nicht alle Berggeher damit zufrieden.

Selbstüberschätzung ist in den Bergen die Unfallursache Nummer eins. Mehr als ein Drittel aller Rettungseinsätze ereignen sich, weil Menschen in Klettersteigen oder ausgesetzten Passagen auf einmal eine Blockierung erleben. Nichts geht mehr vor, und nichts mehr zurück.

Und wie kannst Du die Gefahren vermeiden?

Ausdauer-Training als Vorbereitung
Bereite Dich auf Deine Bergtouren vor. | © nickshot / Fotolia

Vorbeugung ist bei diesen auch als subjektive Gefahren bezeichneten Risiken die beste Maßnahme.

  • Achte auf eine gute Ausbildung: Wanderer, die schon von Kind auf in den Bergen unterwegs sind, erlangen mit der Zeit eine gewisse Bergsteiger-Intuition. Alle anderen müssen sich das Bergwissen sehr hart erarbeiten.
    – Der Deutsche Alpenverein bietet verschiedenste Kurse in allen Bereichen an. Angefangen von Wetterkunde, über Wander- und  Klettersteigkurse bis hin zu Kletter-Knowhow: Wenn es um Bergwissen geht, bist Du beim DAV bestens aufgehoben.
    – Auch wir haben einen kleinen Vorrat an wichtigem Bergwissen. Schau Dich doch mal hier um: » Wissen & Tipps
    – Außerdem gibt es einschlägige Literatur zu jedem erdenklichen Aspekt im Bergsteigen. Lies Dich schlau!
  • Erfahrung sammeln auf einfachen Touren oder auf geführten DAV-Touren: Neben Wissen ist Erfahrung essentiell, denn auf Touren, die Deinem Niveau entsprechen, kannst Du das zuvor theoretisch erlernte in der Praxis anwenden. Ein Lerneffekt ist Dir garantiert! Aber achte darauf, niemals Touren über Deinem Können zu unternehmen. Frag Dich selbst: Wo fühlst Du Dich richtig wohl? Was kannst Du ohne fremde Hilfe bewerkstelligen?
  • Körperliche Fitness trainieren auch außerhalb der Berge: Ein gesunder und fitter Körper ist auf jeden Fall ein großer Vorteil auf Bergtouren. Kondition ist essentiell, wenn Du auch mal längere Touren wagen möchtest. Pirsche Dich langsam an die Höhenmeter ran. Zum Einstieg reichen auch 500, bald kannst Du auf 800 steigen bis Du nach ein wenig Training auch 1.000 Höhenmeter spielend schaffst. Tipp: Treppensteigen ist das perfekte Bergsteigertraining.
Vermeide Gefahren in den Bergen: Lerne Karten lesen
Orientierung und Kartenkunde | © Clouseu / Fotolia
  • Wissen aneignen in Bezug auf Orientierung und Kartenkunde: Plötzlich Nebel und die Sicht ist weg? In diesem Fall hilft womöglich nicht mal mehr eine Karte. Aber ein GPS-Gerät, das Du auch gut bedienen kannst, hilft Dir, nicht vom Weg abzukommen. Basics in Wegfindung, Kartenlesen und Kompassarbeit sind trotzdem absolut empfehlenswert. Auch hierzu gibt es Kurse beim Alpenverein.
  • Touren immer ausführlich vorbereiten: Das ist eigentlich die Essenz für eine sichere Tour.
  • Kenne Dich in Erster Hilfe aus: Sollte es trotz guter Planung zu einem Zwischenfall kommen, solltest Du wissen, wie Du in einem Notfall reagierst. In unserem Beitrag zu Erster Hilfe am Berg erfährst Du, was wirklich wichtig ist: » Sicherheit in den Bergen: Das solltest Du über Erste Hilfe wissen

Gefahren in den Bergen: falsche Ausrüstung, Kleidung und Verpflegung

Wanderer im Regen: Richtige Bekleidung ist wichtig in den Bergen
Wanderer im Regen | © Lichtmaler111 / Fotolia

Klingt simpel, ist aber gar nicht so selbstverständlich. Wie Du oben bereits erfahren hast, kann das Wetter schlagartig umschlagen. In einem solchen Fall solltest Du die richtige Kleidung bei Dir tragen. Außerdem musst Du wissen, für was und wie Du Deine Ausrüstung richtig anwendest. Was nützen Dir Steigeisen zum Überqueren des Höllentalgletschers unterhalb der Zugspitze, wenn Du keine Ahnung hast, wie Du sie anlegen musst. Eben, rein gar nichts. Setze Dich vor Deiner Tour mit Deiner Ausrüstung auseinander.

Und wie kannst Du die Gefahren vermeiden?

  • Ziehe Dich entsprechend der Witterung an: Eine Regenjacke ist ein Muss. Sie hält Feuchtigkeit von außen von Dir ab und sorgt innen für ein angenehmes Klima. Unsere Venturi Stretch ZipIn! Jacken erfüllen höchste Ansprüche für jedes Wetter:
    » ZipIn! Jacket Skopje1 für Damen
    » ZipIn! Jacket Vancouver1 für Herren
    Ebenso essentiell ist eine warme Jacke, die Du bei plötzlicher Kälte anziehen kannst. Unsere Ventloft Jacken sind superleicht und doch hochfunktionell, da sie für einen angenehmen Wärmehaushalt sorgen:
    » Ventloft Jacket Spa1 für Damen
    » Ventloft Jacket Jasper für Herren
  • Trage festes Schuhwerk für den optimalen Halt: Knöchelhohe Wanderschuhe und Wanderstöcke sind essentielle Begleiter für Dich. Achte für langen Touren darauf, dass die Schuhe bereits eingetragen sind und Du Blasenpflaster dabei hast.
  • Nimm genügend Wasser und Nahrung mit: Denn regelmäßige Trink- und Esspausen sind Pflicht vor allem bei großer Hitze. Sonst riskierst Du einen Hitzeschlag!
  • Trage Notfallausrüstung bei Dir: Ein Erste Hilfe Set, ein Nottelefon und eine Rettungsdecke sind Pflicht in Deinem Gepäck. Warum liest Du in diesem Beitrag.
  • Eine Stirnlampe gehört ins Gepäck: Wenn Du mal die Zeit vergisst, weil der Sonnenuntergang von der Hütte aus besonders schön aussah, brauchst Du für den Runterweg eine externe Lichtquelle!
  • Achte auf ausreichend Sonnenschutz wie Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme: In der Höhe ist die Sonneneinstrahlung noch intensiver!

Alpine Gefahren: Steinschlag, Felsstürze und Murenabgänge

Alpine Gefahren: Schild Achtung, Steinschlag
Achtung, Steinschlag | © Bildwerk / Fotolia

Es lauern noch andere objektive Gefahren auf Dich: Steinschlag und Felsstürze, wobei Steinschlag vor allem durch Fremdauslösung geschieht. Ob Steinbock oder unachtsamer Wanderer vor Dir: Ein Steinschlag kann immer und überall passieren!

Durch den zunehmenden Klimawandel kommt es auch gehäuft zu Felsstürzen und Murenabgängen. Ersteres wird ausgelöst durch das Auftauen des Permafrosts, der den Fels in sich stabilisiert. Durch die ansteigende Durchschnittstemperatur werden Felsstürze häufiger auftreten.

Weitere Auslöser für dieses Phänomen sind beispielsweise

  • Erdbeben
  • extreme Wetterereignisse (heftige Niederschläge oder Temperaturschwankungen)
  • ein Gletscher, der abschmilzt und dessen Gegendruck fehlt
  • Eingriffe des Menschen in die Natur wie Hangrodung

Zunehmende Steinschlagaktivität kann ein Hinweis auf einen bevorstehenden Felssturz sein. Fels- und Bergstürze stellen neben Muren und Lawinen die Hauptgefahr natürlicher Phänomene im Gebirge dar. Muren sind riesige Schlammlawinen, die sich vom Berg ins Tal hinunter erstrecken können. Sie sorgen für massive Zerstörung und haben schon ganze Dörfer unter sich begraben.

Und wie kannst Du die Gefahren vermeiden?

  • Ruf beim Hüttenwirt an und informiere Dich über die Bedingungen: Die Wirte wissen zumeist am Besten Bescheid, was in ihrem Gebiet so vor sich geht. Teilweise stellen sie auch neue Entwicklungen online.
  • Achte auf Tourenberichte anderer: Ein beliebtes Portal für Tourenberichte findest Du zum Beispiel beim Alpenverein. Andere Wanderer melden hier Unregelmäßigkeiten, die sie während ihrer Tour erlebt haben: » Link
  • Abstand zu vorsteigenden Wanderern: Wenn Du im brüchigen Gelände unterwegs bist, nimm gebührenden Abstand von Wandergruppen vor Dir. In Serpentinen solltest Du darauf achten, nicht direkt unter anderen Wandergruppen zu laufen. Innerhalb Deiner eigenen Wandergruppe bleibt ihr in steinschlaggefährdetem Gelände eng zusammen.
    Löst Du selbst mal Steinschlag aus, warne Wanderer unter Dir. Wichtig ist, bei einer Warnung nicht nach oben zu schauen, sondern die Hände über dem Kopf zusammenzufalten, den gesamten Körper dicht an die Felswand zu drücken und auf den Boden zu schauen.
  • Trage im gefährdeten Gelände einen Helm!

Titelbild: © Michael Cohn / Fotolia