Ein Klettersteig kann ganz schön herausfordernd sein – vor allem, wenn Du auf selbsternannte „Profis“ triffst. Diese wissen meistens gaaaanz genau, wo der Hase lang läuft – oder eher lang klettert. Erfahrung, Vorbereitung, Umsicht? Fehlanzeige! Dafür brüsten sie sich mit (zweifelhaftem) Fachwissen, unerschöpflicher Kraft und einer (ungesunden) Portion Unbekümmertheit. Wir betrachten fünf „Profi“-Sprüche genauer, die sich Klettersteiggeher allzu oft anhören müssen – und erklären, wie viel Unwissen sich dahinter verbirgt.

Klettersteige versprechen ein aufregendes Bergerlebnis mit Felskontakt, das einem jedoch oftmals nicht so viel abverlangt wie freies Seilklettern. Mit Drahtseilen versicherte Kletterpassagen in einer Bergtour können der Einstieg sein. Anspruchsvoller wird es dann in schwierigen, durchwegs abgesicherten Klettersteigen in steilem Gelände. Mit dem richtigen Know-How verspricht das richtig viel Spaß.

Wenn nicht diese nervigen Kollegen wären, die mit ihren dummen Sprüchen gerade Anfänger verunsichern – und im schlimmsten Fall in Gefahr bringen. Es wird Zeit, dass wir fünf dieser verhassten Sätze mal auseinandernehmen – und Unwissenheit entlarven.

INHALT
1. „Jede Oma kann einen Klettersteig gehen“
2. „Die Tour wird selten begangen“
3. „Bei Gewitter bist Du am Klettersteig sicher“
4. „Helm und Klettersteig-Set? Vollkommen übertrieben – eine Bandschlinge tut’s auch“
5. „Nur Seilklettern ist richtiges Klettern“
Outfit-Tipps für Deinen perfekten Klettersteig-Tag

1. „Jede Oma kann einen Klettersteig gehen“

Foto: Würde Deine Oma das machen? | © Jakub Cejpek / Fotolia

Klar, wenn die Oma jung geblieben, durchtrainiert und für ihr wahrscheinlich doch recht hohes Alter erstaunlich fit geblieben ist. Das will der selbsternannte Profi damit aber garantiert nicht ausdrücken…

Ein Klettersteig ist – wie jede Bergsportart – eine ernstzunehmende Unternehmung. Natürlich gibt es auch Touren, die für Anfänger (jeden Alters) geeignet sind. Aber den Anspruch eines Klettersteigs per se als einen Sonntagsspaziergang abzutun, kann verdammt schnell gefährlich werden. Das führt gerade bei weniger erfahrenen Klettersteiggehern zu totaler Selbstüberschätzung. Und diese erleben dann nicht selten mitten in der Tour eine Blockierung. Nichts geht mehr. Kein Vor und kein Zurück. Die Kräfte sind aufgezehrt, Körper und Geist ausgelaugt, der Anruf bei der Bergrettung der letzte Ausweg.

Bergrettung
Bergrettung ist ja easy organisiert? | © Spidi1981 / Fotolia

Tatsächlich sind Blockierungen Notfallursache Nummer eins beim Klettersteiggehen. Klettersteige suggerieren mit ihren installierten Drahtseilen eine trügerische Sicherheit. Aber ein Klettersteig ist nun mal kein Lift nach oben.

Klettersteige: Schwierigkeitsgrade

Eine hohe (Arm-)Kraft, Technik, Ausdauer, Schwindelfreiheit und auch ein Quäntchen Mut sind wichtige Voraussetzungen. Eine besonnene Auswahl Deiner Tour ist somit Deine Lebensversicherung. Welche Tour entspricht Deinen Fähigkeiten, wie vielen Höhenmetern fühlst Du Dich absolut gewachsen? Wirf einen Blick in die Bewertungsskala von Klettersteigen. Sie reicht von A wie „wenig schwierig“ und mit ein wenig Bergerfahrung gut zu bewältigen bis F wie „mehr als extrem schwierig“ und nur mit sehr guter Klettertechnik, Ausdauer und Erfahrung zu meistern.

Im Alpenraum gibt es übrigens nur zwei bekannte F-Steige: der Bürgeralm-Klettersteig mit Arenavariante und der Postalm-Klettersteig mit F-Variante in Österreich. Anfänger sollten sich zu Beginn maximal in B-Klettersteige wagen. Der Sprung von B auf C und von C auf D ist gewaltig. Eine ausgefeilte Technik und eine gewisse Armkraft sind unbedingt notwendig, weil längere senkrechte bis überhängende Stellen auftreten können.

2. „Die Tour wird selten begangen“

Stau am Klettersteig ist keine Seltenheit
Stau am Klettersteig ist keine Seltenheit | © Franz / Fotolia

Darauf solltest Du Dich nicht verlassen. Nicht, ohne es selbst nochmals überprüft zu haben. Klettersteigen wird immer beliebter. Einschlägige Touren wie der Höllentalklettersteig auf die Zugspitze oder der Grünsteinklettersteig am Königsee sind im Sommer sehr frequent begangen, ebenso sind Tajakante und Tajakopf in der Tiroler Zugspitzarena überaus beliebt. Wartezeiten sind vorprogrammiert.

Nichts ist unangenehmer, als auf einem Klettersteig in einen Stau zu geraten. Nicht nur, dass Du aus Deinem Trott herausgerissen wirst und Dein verschwitzter Körper mit zunehmender Wartezeit auskühlt. Weitaus gefährlicher ist die Tatsache, dass Du durch den erzwungenen Stillstand Steinschlag komplett ausgeliefert bist. Bewegt sich über Dir eine Gruppe von Kletterern, prasselt alles auf Dich herab. Mehr Menschen bedeutet mehr Steinschlaggefahr.

Klettersteige: Tourenplanung und Vorbereitung

Hier ist somit eine sorgfältige Planung angebracht. Überleg’, ob Du Deine Tour nicht unter der Woche machen kannst. Wähl’ nicht den Klettersteig aus, der in der Tourenbeschreibung als „besonders beliebt“ beschrieben wird. Sondern lieber wenig begangene Touren. Höre Dich in Deinem Freundeskreis um oder frag beim Deutschen Alpenverein nach Tipps. Und vergiss dabei nie, dass Du einen Klettersteig aussuchen solltest, der Deinen Fähigkeiten entspricht.

3. „Bei Gewitter bist Du am Klettersteig sicher“

Bei Gewitter hast Du nix im Klettersteig verloren
Geröstet vom Blitz? Bei Gewitter hast Du nix im Klettersteig verloren!| © costadelsol / Fotolia

Plötzliche Wetterumschwünge und Gewitter stellen eine der größten Gefahren beim Klettersteigen dar. Diese Gefahr sollte niemals leichtfertig in Kauf genommen werden! In den Bergen bist Du dem Wetter so gut wie schutzlos ausgeliefert.

Aber im Klettersteig ist das noch einmal eine ganz andere Nummer. Exponierter als hier kannst Du überhaupt nicht unterwegs sein. Mach Dir das bewusst: Du kletterst auf einem Klettersteig ständig an einem riesigen, ziemlich effektiv arbeitenden Blitzableiter! Schlimmer noch: Du bist mit Deinem Klettersteigset wie über eine Nabelschnur mit dem Steig verbunden. Diese Verbindung garantiert Dir ein Minimum an Sicherheit, weil Du nicht tödlich abstürzen kannst, aber bei Gewitter wird über dieses Band der Strom in Deinen Körper geleitet. Keine schöne Vorstellung.

Tourenplanung: Unbedingt den Wetterbericht prüfen

Verlass’ das Haus nicht, ohne einen Blick in den Wetterbericht geworfen zu haben! Es gibt zwei Gewitterarten: Luftmassengewitter, dazu zählen Wärmegewitter im Sommer und Wintergewitter, sowie Frontgewitter, die bei einem Frontdurchzug entstehen. Frontgewitter fallen in der Regel heftiger aus und gehen mit einem Kältesturz einher. Was alle Gewitter gemeinsam haben: Sie können Dich elektrisieren.

Am Klettersteig: Was tun bei Gewitter?

Wirst Du wider Erwarten doch von einem Gewitter überrascht, achte auf Folgendes: Dank der Ausgesetztheit siehst Du das Gewitter zumindest heranziehen, wenn es sich nicht auf der anderen Seite des Berges aufbaut. Was Du tun kannst? Entferne Dich schnellstmöglich von der Gipfelregion und ausgesetzten Graten. Sichere Dich nicht am Drahtseil, sondern an freistehenden Einzelpunkten, die mindestens drei Meter vom Drahtseil entfernt sind. Als Sicherungspunkt kann eine Felszacke oder Baum dienen, an dem Du Dich mit einer Bandschlinge (60 oder 90 cm lang inklusive Karabiner: dient zur Kurzfixierung oder als Ausruhseil) sicherst. Der Abstand beugt Spannungsüberschlägen durch den Blitz vor.

Halte Dich von Wasserläufen fern, weil auch sie blitzleitend wirken. Kauere Dich am Boden möglichst klein zusammen und platziere Dich auf einer isolierenden Unterlage wie zum Beispiel Deinem Rucksack. Befindest Du Dich in Gehgelände, kannst Du auch nach Höhlen und Felsvorsprüngen Ausschau halten und Schutz suchen. Aber nochmal zum Anfang zurück: Stell’ sicher, dass Du niemals in eine solch missliche Lage gerätst!

4. „Helm und Klettersteig-Set? Vollkommen übertrieben – eine Bandschlinge tut’s auch“

Ein Klettersteigset ist Pflicht
Ein Klettersteigset ist Pflicht! | © Andreas P / Fotolia

Wie bitte? Um eins klar zu stellen: Ein Klettersteigset ist lediglich eine Lebensversicherung, weil es Dich beim Unfall zumindest vor dem Total-Absturz bewahrt. Meist enden jedoch Stürze im Klettersteig auch mit kompletter Klettersteigausrüstung mit teils schweren Verletzungen. Ein Klettersteigset kann lediglich den finalen Absturz und einen zu harten Fangstoß verhindern. Aber: Eine Bandschlinge tut noch nicht einmal das, denn sie ist statisch und nicht in der Lage, einen Sturz abzufedern. Ein Sturz ist also keine Option: Selbstüberschätzung im Zweifel tödlich!

Ein Helm ist beimm Klettersteg Pflicht - nicht nur für Anfänger!
Ebenso der Helm! | © Matze / Fotolia

Ebenso oft unterschätzt wird die Bedeutung eines Helmes! Das Thema Helm ist ja beim Fahrradfahren schon total verpönt. Aber im Klettersteig – was soll da schon passieren…?

Die Gefahr von oben: Steinschlag

Da kann verdammt viel passieren, und zwar Steinschlag! Steinschlag kann von vorausgehenden Wanderern, Gämsen, vom Wind und von magischer Hand ausgelöst werden. Steinschlag kann jeden treffen, niemand ist davor gefeit. Deswegen solltest Du am Klettersteig auf jeden Fall immer einen Helm aufsetzen.

Am Klettersteig: Was tun bei Steinschlag?

Hängst Du gerade in der Wand und Steine kommen von oben geflogen, schau nicht verdutzt in die Luft, sondern richte den Blick nach unten und versuch’, Dich so dicht wie möglich an die Wand zu drücken oder Dich unter einen Felsvorsprung zu retten. Außerdem achte darauf, nicht selbst Steinschlag auszulösen. Falls es doch passiert, warne andere Kletterer mit dem Ausruf „Vorsicht, Steinschlag“ vor der drohenden Gefahr.

5. „Nur Seilklettern ist richtiges Klettern“

Klettersteig vs Seilklettern
Was ist die beste Variante, um die Felswand zu erklimmen? | © Remains / Fotolia

Seilkletterer sind oftmals skeptisch, was das Klettersteigen angeht. Sie fühlen sich in ihrer Ehre gekränkt. Was sie sich mühsam mit Seil und Sicherung erarbeiten müssen, erklimmt ein starker Klettersteiger in Windeseile. Aber genau hier liegt der Unterschied: Für Seilkletterer macht oftmals gerade die technische Herausforderung den besonderen Reiz aus. Eine Route ist erst dann erfolgreich begangen, wenn sie zuvor auch mit eigenen Mitteln und Fertigkeiten gangbar gemacht worden ist.

Klettersteiger verlassen sich da schon mehr auf die Vorarbeit versierter Routeneinrichter, die gern auch mal Treppen in den Fels schlagen. Ein Klettersteiger ist zufrieden, wenn seine Arme den kräfteraubenden Strapazen standgehalten haben und er atemberaubende Blicke ins Umland genießen kann, ohne sich zu überlegen, wie er zum nächsten Sicherungspunkt gelangt. Seine Route wird vom Drahtseil vorgegeben.

Klettersteige gibt es mittlerweile in vielen bekannten Bergregionen
Klettersteige gibt es mittlerweile in vielen bekannten Bergregionen. | © marako85 / Fotolia

In der Regel kommen sich Seilkletterer und Klettersteiger nicht in die Quere. Und wie bei allem ist natürlich auch hier Toleranz angesagt. Jedem das Seine! Am Ende zählt schließlich der Spaß und das unvergleichliche Naturerlebnis – und das kann einem niemand nehmen. Es sei denn, man ist vorher an seiner Selbstüberschätzung gescheitert.

Hier findest Du unsere Outfit-Tipps für Deinen perfekten Klettersteig-Tag:

Hose:
Damen: Pants Tessin2 oder Pants Engadin
Herren: Pants Bergen2 oder Pants Koper

Shirt:
Damen: T-Shirt Kashgar oder Top Namur2
Herren: T-Shirt Austin

Leichter Windschutz:
Damen: Windbreaker Jacket L1
Herren: Windbreaker Jacket M
Wind- und Regenschutz:
Damen: 3L Jacket Falun1
Herren: 3L Jacket Calgary1

Wärmeisolierende Schicht:
Damen: ZipIn! Jacket Adelaide1
Herren: ZipIn! Jacket Baker City

Hier findest Du unsere Outfit-Tipps für Deinen perfekten Klettersteig-Tag:

 


Hose:
Damen: Pants Tessin2 oder Pants Engadin
Herren: Pants Bergen2 oder Pants Koper

 


Shirt:
Damen: T-Shirt Kashgar oder Top Namur2
Herren: T-Shirt Austin1

 


Fleece:
Damen: ZipIn! Fleece Tiflis1
Herren: Fleece Jacket Monaco1

 


Leichter Windschutz:
Damen: Windbreaker Jacket L1
Herren: Windbreaker Jacket M1
Wind- und Regenschutz:
Damen: 3L Jacket Falun1
Herren: 3L Jacket Calgary1

 


Wärmeisolierende Schicht:
Damen: ZipIn! Jacket Adelaide1
Herren: ZipIn! Jacket Baker City

Titelbild: © wallixx / Fotolia