Wer immer tut, was er schon kann,
bleibt immer das, was er schon ist.

(Henry Ford)

Seit mehr als 20 Jahren ist Schöffel-Athlet Ralf Dujmovits über die Weihnachts- und Neujahrs-Tage entweder in der Antarktis oder beim Sportklettern in Kombination mit ungewöhnlichen Lauftrainings-Möglichkeiten. Den vergangenen Jahreswechsel verbrachte er in Griechenland am Peleponnes.

Die kleine Ortschaft Leonidio macht seit wenigen Jahren Furore bei Sportkletterbegeisterten aus der ganzen Welt und hat sich inzwischen zu einem DER der Highend-Sportklettergebiete in Europa gemausert.

Aber auch die Möglichkeit, bis zu 1200 Höhenmeter von den Stränden des Mittelmeers bis hinauf zu den steil über Leonidio aufragenden Bergen zu laufen haben Ralf und seine Lebensgefährtin Nancy Hansen begeistert.

Begleite die beiden beim Sportklettern und Berglaufen in Griechenland und lass dich von ihrer Begeisterung anstecken:

Anreise über Athen und Mykene

© Ralf Dujmovits

Problemlos waren Nancy und ich gemeinsam mit unseren Freunden Vera und Michael nach Athen angereist. Umgehend ging es per Mietauto weiter in Richtung Westen – Google Maps wies uns unproblematisch den Weg. Südlich von Korinth am Übergang zum Peleponnes fuhren wir nach einer Stunde von der Autobahn ab, um uns am Nachmittag noch das UNESCO-Weltkulturerbe Mykene anzusehen. Unser windig-kalter Abstecher in diese ehemals bedeutende Stadt aus vorklassischer Zeit lohnte unbedingt. Neben den Ruinen der mykenischen Oberstadt mit seiner Ringmauer und dem berühmten Löwentor ist auch der exponierte Ausblick in Richtung Peleponnes den Besuch unbedingt wert.

Nach zwei weiteren Stunden in Richtung Süden, teilweise entlang der kurvenreichen Küste erreichten wir Poulithra, wo wir unsere Ferienwohnungen – etwas außerhalb von Leonidio – beziehen konnten. Schon am ersten Abend entdeckten wir in Poulithra ein kleines Fisch- und Spezialitäten-Restaurant direkt am Meer, wo wir uns fortan auch öfters zum Abendessen trafen.

© Ralf Dujmovits
© Michael Hummel

Erster Klettertag in Leonidio: völlige Begeisterung

Dunkelblauer Himmel versprach einen perfekten ersten Tag und so starteten wir zügig durch die Felder und zwischen den Gewächshäusern von Leonidio hindurch zum Parkplatz unter dem Klettersektor Madwall. In zwanzig Minuten – zunächst viel zu warm angezogen – erreichen wir die Klettersektoren Theos und Theos Cave. Die Klettereien sind so klasse, dass wir uns zwei Tage hintereinander hier aufhalten.

© Nancy Hansen

Neben senkrechten, eher leistigen Routen auch stark überhängende mit Tufas, Sintern und großen Griffen gepflasterte Ausdauerouten. Und alles mit super Aussicht aufs Mittelmeer hinaus. In der Sonne ist es am Nachmittag fast zu warm zu klettern und so flüchten wir am zweiten Tag gegen später doch noch zum schattigen Sektor Sabaton inmitten eines idyllischen Olivenhains.

© Ralf Dujmovits
© Ralf Dujmovits

Abends treffen sich die meisten Kletterer in Leonidio in einer der beiden Kletterkneipen – uns zieht es mehr in ein uriges Restaurant, in dem einheimische ältere Herren sich zum ‚Ratschen‘ und Kartenspielen treffen. Ab dem zweiten Tag sind wir fast zu jedem Tagesabschluss auf ein Bier oder Uzo dort eingekehrt – bald grüßten uns die betagten Herren wie alte Freunde. Und die supernetten Wirtsleute luden uns beständig zu griechischen Spezialitäten zum Essen ein.

© Ralf Dujmovits

Ausflug hinauf nach Kosmas

Ein ruhiger Ruhetag sollte es werden: erst einen Lauf durch die Olivenhaine entlang der Küste in Richtung ‚Ag Georgios‘-Kapelle, dann ein entspannter Besuch des Bergdorfs Kosmas in der Abgeschiedenheit des Parnon-Gebirges.

© Nancy Hansen

Nach dem frühmorgendlichen Lauftraining kam es aber anders: um auf dem Weg nach Kosmas etwas mehr von Land und Leuten zu sehen, entschieden wir uns für eine Nebenstrecke, die es in sich haben sollte. Der vor unserer Reise gefallene Schnee wurde immer mehr, die ungeteerte Straße immer eisiger und ehe wir uns versahen, schlitterten wir auf einem besseren Waldweg bergabwärts und es war schnell klar, dass wir auf der gleichen Strecke nicht mehr zurück kämen.

Plötzlich ging es aber auch nach Kosmas nochmal kräftig bergauf, was für die Sommerreifen unseres Mietautos nicht machbar war. Der zweite „Berglauf“ an diesem Tag stand bevor und tatsächlich konnte ich oben im Dorf zwei Männer gewinnen, uns zu helfen das Auto nach oben zu bringen. Ufffff! Bei einem späten Mittagessen feierten wir an diesem denkwürdigen Ruhetag das Erreichen des Dorfs wie einen großen Gipfel.

© Nancy Hansen
© Ralf Dujmovits

Klettern am Mars

© Ralf Dujmovits

Eine der Hauptattraktionen im neuen Klettermekka Leonidio ist der Sektor Mars. Unglaubliche Sinterstrukturen, Tufas, die zum Teil zwanzig Meter die Wand herunter ziehen und stark überhängendes Gelände, was sich im mittleren Bereich der Schwierigkeitsskala gut bewältigen lässt.

Entsprechend groß ist auch der Andrang an den Weihnachtstagen: Kletterer aus aller Herren Länder rings um den Planeten treffen sich hier zu Klettereien von herausragender Qualität.

© Ralf Dujmovits

Nachdem ‚am‘ Mars auch den ganzen Vormittag die Sonne scheint, ist der Fels besonders am Nachmittag im Schatten noch angenehm temperiert und so können wir mehrere Projekte bei unserem zweiten Aufenthalt im Sektor Mars ein paar Tage später auch „rotpunkt“ klettern (=freies Durchsteigen ohne Belastung der Sicherungskette). Im Rückblick können wir sagen, dass wir hier auf einen besonderen Juwel der gesamteuropäischen Sportklettermöglichkeiten gestoßen sind.

Besuch des Klosters Elona

© Ralf Dujmovits

An einem weiteren Ruhetag besuchen wir das griechisch-orthodoxe Kloster ‚Elona‘ – 17 Kilometer von Leonidio oberhalb der Dafnona Schlucht. Das Kloster, südseitig an ausgesetzter Stelle in die Felsen gebaut, ist ein besonderer Ort der Stille und Zurückgezogenheit. Wir genießen einige Minuten völliger Ruhe mit fantastischen Ausblicken auf die steilen Felsabbrüche des Parnon-Gebirges – die gleichzeitig viele andere Klettersektoren beheimaten.

© Nancy Hansen

Am Nachmittag dieses Ruhetags finde ich noch die Zeit mein bisheriges Laufpensum aufzubessern. Vom Meer weg geht es in langen Serpentinen zur einsamen Antennenstation über Poulithra hinauf – was für ein grandioser Ausblick von über 800m auf den Argolischen Golf hinaus!

Kletterausflug nach Kyparissi

© Nancy Hansen

Eine Stunde südlich von Leonidio liegt das Highend Klettergebiet „Kyparissi“. Eine nagelneue Strasse führt entlang der Küste zu diesem einsamen Ort, der erst Anfang der 70er Jahre an das Strassennetz angeschlossen wurde. Obwohl dort schon vor über 10 Jahren die ersten Kletterrouten eingerichtet wurden, dauerte es bis 2015, als das „Kyparissi Project“ ins Leben gerufen wurde. Seither wurden mit Hilfe der Gemeinde Kyparissi, unter Einhaltung hoher Sicherheitsstandards, zahlreiche neue Kletterrouten erschlossen – der Ort soll auch zukünftig für starke Kletterer attraktiv (und sicher) gehalten werden.

Wir wurden nicht enttäuscht; die Qualität der Routen – wir kletterten in den Sektoren Watermill und Kastraki – zählt zum Besten, was wir bisher in Griechenland geklettert sind.

© Ralf Dujmovits
© Ralf Dujmovits

Neujahres Mehrseillängen Route

Was gibt es besseres als am Neujahrstag bei prallem Sonnenschein aufzuwachen. Und so beschließen wir – zur Feier dieses prachtvollen Tages – eine der zahlreichen Mehrseillängenrouten am Kokkinovrachos hoch über Leonidio zu klettern: Die Legende Claude Remy, einer der beiden Schweizer Remy-Brüder, hat hier gemeinsam mit Giannis Metaxotos 2016 die acht Seillängen lange ‚Aghios Lemmy’ eröffnet. Die hochgelobte Route im siebten Grad soll an Lemmy Kilmister, Frontman der Britischen Hardrockband Motörhead erinnern. Eine Gedenktafel für Lemmy + ein WANDBUCH findet sich am Ende der 7. Seillänge.

© Nancy Hansen

Und auch hier wurden unsere Erwartungen übertroffen: eher feine, nicht ganz so kräftige Kletterei, teilweise an kleinen, versteckten Leisten, war spannend und wohltuend anders. In den letzten Sonnenstrahlen seilen wir ab – und sitzen kurze Zeit später wieder bei ‚unseren‘ alten Herren unsrer Stammkneipe.

Viel zu schneller Abschied

Die restlichen Tage vergehen wie im Flug. Zwei weitere Male kommen wir noch zu ausgiebigem Lauftraining – mit zunehmender Dauer vor Ort weiß man besser, wo es ein Durchkommen gibt oder wo Pfade eher in den oftmals dornigen Hecken enden. Vor allem die Berglaufrunde hinauf nach Pirgudi, weiter über Tsitalia und wieder hinunter nach Leonidio hat es mir angetan.

© Nancy Hansen

Kletternd lernen wir die letzten Tage noch die Sektoren ‚Skiadianiko‘ und ‚Rockspot‘ kennen und kehren nochmals zum ‚Mars‘ zurück. Wir sind die letzten zwei Wochen im super gastfreundlichen Leonidio bei nur einem halben Tag Regen voll auf unsere Kosten gekommen. Die Fingerspitzen sind fast durchgeklettert, als wir am frühen Morgen des 5. Januar unsere Siebensachen packen und in Richtung Hauptstadt zurück fahren.

Wir wollen zumindest noch dem Stadtteil Psyri und der Akropolis von Athen einen Besuch abstatten. Und genießen tatsächlich nochmal das Megaglück am Nachmittag bei Sonnenschein diesen weltberühmten Burgberg fast für uns alleine zu haben. Als Krönung finden wir abends am Fuß der Akroplois in Monastiraki ein Restaurant, von dem wir bis lange in die Nacht bei griechischer Livemusik den Blick auf die beleuchtete Stadtfestung des antiken Griechenlands genießen können.

© Michael Hummel
© Ralf Dujmovits

Text: © Ralf Dujmovits
Titelbild: © Nancy Hansen

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