Den Monat April und Mai verbrachte Schöffel-Athlet Ralf Dujmovits mit einer 6.000er-Besteigung und seinem 8. Versuch, den Mt. Everest ohne Zusatz-Sauerstoff zu besteigen. Im 1. Teil seines Blogs berichtet er vom Akklimatisationstrekking im Everest Gebiet und der gelungenen Besteigung des 6.000ers Cholatse gemeinsam mit seiner Partnerin Nancy Hansen. Folge ihm von Kathmandu aus ins Basislager des Cholatse und hinauf auf den Gipfel: 

Teil 1:  Akklimatisations-Trekking im Everest Gebiet und Besteigung des Cholatse (6.440 m)

Schon beim ersten Besuch der Innenstadt von Kathmandu war ich froh eine Brille zu tragen: es waren Freudentränen, die mir in die Augen stiegen als ich sah, dass seit meinem letzten Besuch in Nepal die Spuren des verheerenden Erdbebens doch weitestgehend abgetragen werden konnten. Und damit wieder der tägliche Wahnsinn im positiven Sinn in den engen Gassen des Touristenzentrum Thamel eingekehrt war.

Unterwegs mit Schöffel Athelt Ralf Dujmovits
Chaos beim Packen im Hotelzimmer im Kathmandu. Ein Teil des Gepäcks geht voraus zum Mt. Everest, ein Teil geht mit zum Cholatse. | © Nancy Hansen

 

Auf ins Everest Gebiet

Zwei Tage später starten wir wie so oft mit einem Kleinflugzeug ins Everest Gebiet. Wir: das sind zwei Freunde aus Kanada – Michelle und Don Havens, der amerikanische Journalist Chip Brown, meine Partnerin Nancy Hansen und ich. Chip arbeitet für das amerikanische Magazin Men’s Journal an einem Artikel über mich und hat darum gebeten einige Erlebnisse direkt aus erster Hand zu hören und niederschreiben zu können. Und wo geht das besser als beim gemeinsamen Unterwegs-Sein?

Unterwegs mit Schöffel Athlet Ralf Dujmovits: Aufstieg nach Namche Bazar,
Im Aufstieg nach Namche Bazar, der Träger rechts (nicht einer von unseren) befördert knapp 100 Kilogramm. | © Nancy Hansen

Wie so oft war unser erster Anlauf-Punkt Namche Bazar, wo wir wie immer im Namche Hotel bei Maya und Dorjee Sherpa für zwei Nächte eine Bleibe finden. Auch im sechs Gehstunden entfernt liegenden Thame verbringen wir zwei Nächte, eine vernünftige Akklimatisation – wir sind inzwischen auf 3.800 m angekommen – steht an erster Stelle.

 

In Gyoko

Mit unseren beiden Trägern Bhuwan und Yogendra geht es zunächst weiter in Richtung tibetischer Grenze und damit – wieder zwei Tage später – allmählich hinauf zum ersten Höhepunkt unseres Trekkings, dem Passüberhang Renjo La (5.360 m). Wie erhofft haben wir fantastisches Wetter und genießen die Aussicht in Richtung Mt. Everest, Makalu und unserem ersten Ziel, dem 6.000er Cholatse und dem benachbarten Taboche. Weit unten im Tal bei der Siedlung Gokyo der gleichnamige, teilweise noch zugefrorene Gokyo-See.

Nancy und Ralf freuen sich über eine gewaltige Aussicht vom 5.000er-Passüberhang Renjo La mit Blick zu Mt. Everest, Nuptse und Lhotse. | © Ralf Dujmovits

In Gokyo verbringen wir insgesamt drei Nächte; die Höhe hat unseren beiden Kanadischen Freunden, die zum ersten Mal oberhalb 5.000 m sind, doch etwas zugesetzt. Es gibt jede Menge Ausflugsziele von diesem kleinen Ort aus – an erster Stelle natürlich der Aufstieg zum Parade-Aussichtsgipfel Gokyo Kang (5.360 m).

Unterwegs mit Ralf Dujmovits zum Mount Everest
Gewaltiger Blick zum Fast-Achttausender Gyachung Kang vom Gipfel des Gokyo Kang. | © Ralf Dujmovits

Einem jedem, der entweder das Gokyo Tal hinaufwandert oder – wie wir – über den Renjo La zu dieser kleinen Siedlung kommt, würde ich unbedingt empfehlen, diesen unschwierigen Aussichtsgipfel zu besteigen. Besser geht es kaum.

 

Abschied im Basislager des Cholatse

Gemeinsam mit unseren Freunden wandern wir noch ein Stück weit das Gokyo Tal hinunter. Im Weiler Nala trennen sich dann unsere Wege: Michelle und Don wollen über zwei weitere 5.000 m hohe Pässe und uns dann später in Namche Bazar wieder treffen. Chip möchte eine halbe Tagesetappe das Tal hinunter wandern und in Machermo auf uns warten, bis wir vom Cholatse zurück sind. Zuvor begleiten sie uns alle noch ins Basislager des Cholatse, wo wir uns etwas traurig und trotzdem voller Vorfreude auf unsere Besteigung voneinander verabschieden.

Abschied am Basislager des Cholatse
Abschied von unseren Freunden im Basislager (4.900 m) des Cholatse. | © Ralf Dujmovits

Noch am gleichen Nachmittag beginnen wir, einen Teil unserer Ausrüstung und der Verpflegung das erste Teilstück nach oben zu bringen. Wir wollen den Berg ohne die Unterstützung von Hochträgern und ohne das Anbringen von Fixseilen besteigen. Und wir möchten uns trotzdem 7 Tage Zeit lassen, da es mir ja auch um eine gute Vorakklimatisation für den Mt. Everest geht. Und damit sind doch einige Kilogramm an Proviant und Ausrüstung zusammen gekommen. Alles auf einmal zu tragen wäre vor allem zu Beginn zu schwer. Und so gehen wir die ersten Etappen jeweils immer zwei Mal.

 

Die abenteuerliche Besteigung des Cholatse

Für die Besteigung lasse ich am besten die folgenden Bilder sprechen. Nur so viel: wir hatten am Berg eine super Zeit. Und außer am Gipfeltag hervorragendes Wetter und gute bis brauchbare Verhältnisse. Aber überzeuge Dich selbst:

Wiedersehen und Gipfelfeier

Nach acht Tagen waren wir wie geplant zurück bei Chip – der wirklich wie verabredet die gesamte Zeit in Machhermo in einer kleinen Lodge auf uns gewartet hatte. Gemeinsam mit ihm ging es das Gokyo Tal hinaus und nach einer Nacht am Mong La (3.900 m) trafen wir – kurz vor Namche Bazar – Michelle und Don wieder.

Ralf Dujmovits Abstieg vom Cholatse
Am letzten Wegstück zurück nach Namche Bazar. Mit wunderbarem Blick zur Ama Dablam (rechts im Bild) und Mt. Everest mit Nuptse und Lhotse (Bildmitte) | © Ralf Dujmovits

Auch bei ihnen hatte ihre Drei-Pässe-Tour bestens geklappt. In Namche Bazar waren wir natürlich wieder bei Maya und Dorjee (ich kenne sie seit 1992!) im Namche Hotel und so stand einer zünftigen Gipfelfeier nichts mehr im Weg.

Rald Dujmovits nach der Besteigung des Cholatse
© Nancy Hansen

Mehr von Schöffel-Athlet Ralf Dujmovits

Wie es für Ralf Dujmovits weitergeht und ob er es schafft, im 8. Anlauf den höchsten Berg der Erde ohne künstlichen Sauerstoff zu besteigen – das erfährst Du hier im 2. Teil: 

» Bergträume: Schafft Ralf Dujmovits die Everest Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff?

Und schau auch mal bei seinen anderen Abenteuern vorbei:

Ralf Dujmovits in der früheren Heimat seiner Partnerin Nancy Hansen
» 6 Wochen unterwegs im Westen Kanadas und im Nordwesten der USA

Ralf Dujmovits unterwegs in Thailand, Laos und Kambodscha:
» 2 Monate reisend und kletternd durch Südost-Asien (Teil 1)
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Ralf Dujmovits berichtet von seiner Pakistan Expedition:
» Vom Versuch, im zentralen Karakorum zwei 7.000er Erst zu besteigen (Teil 1)
» Vom Versuch, im zentralen Karakorum zwei 7.000er Erst zu besteigen (Teil 2)