Einen Kompass richtig lesen – So verliert Ihr Euer Ziel nicht aus den Augen

Was nutzt Ihr: Smartphone oder Karte & Kompass? Der Anteil der Wanderer, die inzwischen spezielle Apps oder heruntergeladene GPS-Daten zur Orientierung im Gelände nutzen, wird immer größer. Wieso auch nicht – schließlich ist das Navigieren mit deren Hilfe meist ganz easy. Und zugegebenermaßen: Wir nutzen sie auch. 🙂

Bequem am Vorabend die gewünschte Tour herausgesucht. Noch schnell heruntergeladen, damit sie auch ohne Netz abrufbar ist. Schon kann’s am Morgen darauf losgehen. Die Sonne scheint, keine Wolke am Himmel – nichts wie hinauf den Berg. Navigieren ist auch null Problem mit der App, eine wunderbare Tour, entspannte Momente am Gipfel mit atemberaubender Aussicht, einfach ein herrlicher Tag… bis der Smartphone Akku unerwartet leer ist. „Mist, wieder mal vergessen die Hintergrund Anwendungen zu schließen! Und jetzt?“ „Müssen wir da vorne eher rechts oder doch links? Und in welcher Himmelsrichtung war nochmal der Parkplatz? Und wo sind eigentlich Norden, Süden, Osten und Westen?“

Wer jetzt die passende Wanderkarte zur Orientierung zücken kann ist der große Gewinner des Tages. Dafür lassen Eure Begleiter bestimmt die nächste Hütten-Brotzeit springen. 😉 Denn dank der Karte, den guten Beschilderungen und Wegen in den Alpen sollte eine Fortsetzung der Tour kein Problem sein.
In manchen Situationen, anderen Wander-Gebieten oder Trekking-Touren reicht eine Karte aber nicht aus. Dann schaut Ihr, wie man in Bayern so schön sagt, mit dem Ofenrohr ins Gebirge. 🙂 Jetzt kommt der Kompass mit seiner Magnetnadel zum Einsatz. Der braucht weder Satelliten noch Batterien und ist immer einsatzbereit. Aber könnt Ihr ihn auch lesen?

Falls nicht, haben wir nachfolgend ein paar nützliche Infos für Euch:
Die Basics – Himmelsrichtungen Nord, Ost, Süd und West sind bekannt. Die Kompassnadel zeigt immer in Richtung magnetischer Norden. Doch hier ist Vorsicht geboten, der magnetische Nordpol entspricht nicht immer dem geografischen Nordpol. Je nach Position und Magnetfeld können die Werte hier bis zu 180° abweichen. In den Alpen liegt die Abweichung jedoch nur zwischen 2-5° und kann deshalb vernachlässigt werden.

Möchtet Ihr sie dennoch berücksichtigen, gibt es spezielle Karten oder Formeln mit denen Ihr die Missweisungen beheben könnt. Aber nun Schritt für Schritt zum Ziel. In unserem Beispiel verwenden wir einen linseatischen Kompass (Marschkompass, Touringkompass). Eine Karte mit dem Maßstab 1:50 000, ein Lineal und einen Bleistift.

  • Zu Beginn nehmt Ihr Eure Karte zu Hand. Alle Wanderkarten sind genordet. Das bedeutet, dass sich beim normalen Betrachten der Karte der Norden oben befindet. Ihr legt Euren Kompass an den Gitterlinien der Karte an und dreht die Karte solange bis der Nordpfeil des Kompasses auch nach Norden (oben) auf der Karte zeigt. Diese Vorgang nennt man einnorden. Falls Euch Euer Standort bekannt ist, könnt Ihr Euch nun orientieren und Euren weiteren Weg planen.
  • Falls Euch Euer Standort nicht bekannt ist, findet die sogenannte Kreuzpeilung Anwendung: Ihr sucht Euch zwei markante Punkte in der Landschaft (Fernsehturm, Kirche, Gipfelkreuz, Aussichtstürme, Straßen, usw.). Danach markiert Ihr die zwei Punkte auf Eurer Karte.
  • Als nächstes sucht Ihr durch den Peilschlitz das anvisierte Objekt. Nachdem sich der Kompass eingependelt hat könnt Ihr die Peilzahl (im unteren Bild: 21) ablesen. Nun wiederholt Ihr den Vorgang für den zweiten Punkt. Wichtig ist, dass Ihr Eure Position nicht verändert.
  • Danach könnt Ihr auf der eingenordeten Karte den Kompass am anvisierten Objekt anlegen. Manche Kompasse haben ein integriertes Lineal, welches Ihr an den Gitterlinien der Karte anlegen könnt. In unserem Beispiel müsst Ihr das Lineal manuell anlegen. Dreht den Kompass solange, bis die im vorherigen Schritt ermittelte Peilzahl erreicht ist. Zieht hier einen geraden Strich auf der Karte. Wiederholt den Vorgang für das zweite Objekt. Euer Standort befindet sich an der Stelle, an der sich die zwei eingezeichneten Linien schneiden.

Nun könnt Ihr mit Hilfe der Karte den geplanten Weg fortsetzen. Zur Sicherheit könnt Ihr etwa alle 300 Meter die Messung wiederholen, um zu prüfen ob Ihr noch auf dem richtigen Weg seid.

Das solltet Ihr für Eure erste Hüttenübernachtung wissen.

Für Mehrtagestouren gilt: Der Akku Eures Smartphone oder GPS-Gerätes kann schnell mal leer sein. Steckt als Alternative doch einfach eine Karte inklusive Kompass mit ein. 😉 Wir wünschen Euch weiterhin schöne Wanderungen und viel Spaß und Erfolg beim Navigieren mit Kompass & Karte.