Nach langer Verletzungspause war es nun endlich soweit: ÖSV-Skistar Anna Veith hat Anfang Dezember beim Speed-Auftakt der Damen in Lake Louise (Kanada) ihr Comeback gefeiert. Wer ihr während der Verletzungszeit Kraft gegeben hat, was sie sich für diese Saison wünscht und wo ihr letzter „Ich bin raus.“- Moment war – das verrät sie uns im Interview.

1. Hallo Anna, wie geht es Dir aktuell?

Anna Veith: Mir geht es sehr gut. Das Training mit dem Speed Team in Copper Mountain lief super – so dass ich jetzt in Kanada wieder ins Renngeschehen eingreifen werde. Und das beste: anders als in der vergangenen Saison kann ich endlich wieder schmerzfrei skifahren. Das macht mich glücklich.

 

2. Wie sehen Deine Pläne für Dein Comeback aus? Was steht für Dich in dieser Saison im Vordergrund?

Anna Veith: Mein Comback wird es in Lake Louise geben. Über die Abfahrtstrainings werde ich mich rantasten, und dann will ich hier auch wieder meine ersten Rennen bestreiten, vor allem den Super G. Entscheidend bei allem ist: Mein Körper gibt das Tempo vor, nicht der Rennkalender. Und was ich mir wünsche, für diese Saison ist – dass ich einfach wieder so skifahren kann, wie ich mir das vorstelle. Und dann kommt alles andere von selbst.

 

3. Nach längerer Verletzungspause und abgebrochenem Comeback in der vergangenen Saison: Wie bist Du mit dem Rückschlag zurechtgekommen? Was hat Dir in der Zeit Kraft gegeben – wie konntest Du Dich motivieren, wieder an Deine alten Erfolge und Leistungen anzuknüpfen?

Anna Veith: Mein Umfeld hat mir schon sehr viel Kraft gegeben, Manuel, mein Mann und all die Menschen die mir nahestehen und mit denen ich arbeite. Mich zu dem Schritt durchzuringen – ja ich lasse mich jetzt am anderen Knie auch noch operieren war nicht leicht. Aber ab der OP war mir klar: der Schritt ist richtig. Ich will nicht aufgeben, ich will dafür kämpfen weiter das zu tun, was ich am meisten liebe: Skirennen fahren…

Anna Veith: Der lange Weg zurück

Anna Veith
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Am 21. Oktober 2015 begann die Verletzungsgeschichte der Athletin: Drei Tage vor Saisonbeginn stürzt sie beim Training in Sölden. Der Sturz war folgenschwer und führte dazu, dass Anna Veith die gesamte Saison 2015/16 ausfiel. Sie erlitt einen Kreuzband- und einen Innenbandriss sowie einen Riss der Patellasehne (entscheidend für die Übertragung der Kraft und Bewegung vom Oberschenkel auf den Unterschenkel) im rechten Knie.

Bei solch komplexen Knie-Verletzungen fallen ärztliche Prognosen nicht sonderlich optimistisch aus – sogar ein mögliches Karriereende stand im Raum. Doch Anna Veith kämpfte sich vergangene Saison (2016/17) zurück und erreichte im Januar 2017 im Super-G von Cortina d’Ampezzo den dritten Platz – die erste Podestplatzierung nach der Verletzung. Eine chronische Entzündung der Patellasehne am linken Knie bereitete ihrem Comeback einen Monat später ein vorzeitiges Ende: Ein operativer Eingriff wurde notwendig.

4. Dein Buch „Zwischenzeit“ erschien Ende Oktober 2016. Inwieweit hat Dir das Buch bei der Bewältigung Deiner Verletzungszeit geholfen?

Anna Veith: Das hat mir schon sehr geholfen. Ich habe so einfach meine Zwischenzeit perfekt nutzen können – all das aufzuarbeiten, was in so kurzer Zeit alles auf mich eingeprasselt ist. All die Erfolge im Eiltempo, all das was an einem so vorbeirauscht, was einen beschäftigt. Dieses Innehalten war perfekt, und die Zeit zum Nachdenken. Ich glaube dadurch bin ich auch ein stückweit reifer geworden.

 

5. Wie schaffst Du es, mal richtig abzuschalten? Welche Rolle spielen Meditation und Yoga?

Anna Veith: Abschalten kann ich sehr gut – denn das gehört auch dazu, zu meinem Job – Yoga und Meditation braucht es da weniger. Ich kann sehr gut ausspannen und abschalten wenn ich daheim bin und einfach mal nichts tue – und wenn ich schlafe. Das tue ich für mein Leben gern… 🙂

 

6. Die Entzündung der Patellasehne sowie Kreuzband- und Innenbandriss sind recht typische Sportverletzungen: Wie gelingt nach einem Sturz die Regeneration? Was hat Dir geholfen, wieder auf die Beine zu kommen?

Anna Veith: Ein ganz wichtiger Schritt ist lernen zu akzeptieren was passiert ist. Nicht hadern, sondern anfangen sich der Situation zu stellen und das Beste aus dieser Herausforderung zu machen. Was die Therapie und die Reha angeht: in der Anfangsphase nicht übertreiben – und dann unbedingt dranbleiben und sich durchbeißen.

 

7. Welche Trainings-Tipps kannst Du (Freizeit-) Sportlern geben – was sollte man unbedingt beim Wiederaufbau beachten? Wo liegen typische Fehler?

Anna Veith: Sich auf jeden Fall Zeit nehmen für den Wiederaufbau und sich kleine und erreichbare Teilziele setzen. Sich nicht überfordern – aber trotzdem kontinuierlich weiterarbeiten und nie aufhören an sich zu glauben.

Anna Veith: Ihre größten Erfolge

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Die größten Erfolge feierte die Österreicherin in den Saisonen 2013/14 und 2014/15, als sie zweimal in Folge den Gesamtweltcup gewann. Dazu wurde sie 2014 Olympiasiegerin im Super G in Sotschi und errang 2011 und 2015 insgesamt drei Weltmeistertitel. Im April 2016 heiratete die Athletin den ehemaligen Snowboarder Manuel Veith: Aus Anna Fenninger wurde Anna Veith.

8. Was macht eine Skifahrerin, wenn sie mal nicht im Schnee unterwegs ist – vor allem im Sommer? Auf Deinem Instagram-Account sieht man beispielsweise Bilder beim Klettern. Welche Sportarten betreibst Du am liebsten zum Ausgleich und wo bist du dann unterwegs?

Anna Veith: Das gute an unserem Sport ist – dass wir im Sommer eh schon sehr viel sportliche Abwechslung haben. Da ist beim Aufbau alles dabei – von Moutainbiken über Rennradfahren bis hin zum Bergsteigen oder Klettern. Also Ausgleichssportarten muss ich mir nicht wirklich suchen. Diesen Sommer habe ich zusätzlich noch den Segelschein gemacht – das war eine tolle Erfahrung.

 

09. Wann und wo war Dein letzter „Ich bin raus.“-Moment?

Anna Veith: Ich denke das war definitiv mein erster Skitag wieder, jetzt nach der 2. OP. Nichts los auf der Piste, fast allein am Gletscher bei herrlichem Sonnenschein und traumhaftem Panorama. Dieses Gefühl, endlich wieder auf Schnee zu sein, die Fliehkräfte spüren und zu merken – ich habe es nicht verlernt. Das war perfekt.

 

10. Skifahren ist Deine Leidenschaft: Wo gehst Du am liebsten in Deiner freien Zeit Skifahren? Hast Du einen besonderen Tipp für unsere Schöffel- Fans?

Anna Veith: Heli-Skiing in Kanada war ein Traum, das haben wir nach meinem 2. Gesamtweltcupsieg gemacht. Das ist Natur pur und Einsamkeit, hat mir sehr gefallen und kann ich nur empfehlen.

Vielen Dank, liebe Anna, für das Interview! Wir drücken Dir für Dein Comeback – und natürlich auch allen anderen ÖSV-Athleten in Lake Louise – ganz fest die Daumen.

ÖSV-Skistars: Mit Schöffel auf die Piste

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2017 gehen Anna Veith und ihre Kolleginnen und Kollegen des Team Austria bereits zum zehnten Mal mit uns als Ausstatter in die Rennen. Dabei führt der alpine Ski Weltcup die Athleten in der 52. Saison 2017/2018 zu über 80 Rennen auf drei Kontinenten.

Am kommenden Wochenende sind die ÖSV-Damen im kanadischen Ski-Gebiet Lake Louise am Start, auf dem Programm stehen zwei Abfahrten und ein Super-G. Neben Anna Veith sind in Lake Louise unter anderem auch ihre beiden Kolleginnen Cornelia Hütter und Eva-Maria Brem wieder auf der Piste. Beide hatten ebenfalls mit langen Verletzungspausen zu kämpfen.

Erfolgreiche ÖSV-Herren

Bereits vergangenes Wochenende zeigten in Lake Louise die Weltcup-Herren bei der Abfahrt und im Super G ihr Können. Bei der ersten Abfahrt der Saison freute sich der Kärntner Matthias Mayer über einen zweiten Platz, ihn trennten nur 0,09 Sek vom Sieger, dem Schweizer Beat Feuz. Und im Super-G folgten gleich zwei weitere Podestplätze für die ÖSV-Herren: Hinter dem Norweger Kjetil Jansrud fuhren Max Franz (+0,28) und Hannes Reichelt (+0,32) auf die Ränge zwei und drei.

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