Eine ganz besondere medizinische Studie ist dieser Tage zu Ende gegangen: Fünf Wochen lang waren Schöffel-Athlet Ralf Dujmovits und seine kanadische Partnerin Nancy Hansen den Möglichkeiten einer zukünftigen Herzinfarkt-Therapie auf der Spur. In den Forschungs-Räumlichkeiten des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln wurde dafür während zwei Wochen ein Sauerstoffdruck von 7.000 Metern simuliert – Ralf und Nancy haben wacker durchgehalten und konnten am 19. Juni das sogenannte :envihab gesund und munter verlassen.

Anlass für das Experiment war eine Studie mit Mäusen, bei denen in vergleichbarer Sauerstoffreduzierung eine Aktivierung von Herzmuskelzellen beobachtet werden konnte. „In der Studie mit uns wollte das DLR herausfinden, ob eine solche positive Veränderung grundsätzlich auch beim Menschen möglich wäre“, so Ralf.

  • Im ersten Teil dieser Serie gab Ralf bereits einen Einblick ins Labor und in die Hintergründe der Studie.
  • Im zweiten Teil führte er in den Tagesablauf der Studie und die Untersuchungen ein.
  • In diesem dritten Teil und letzten Teil gibt uns Ralf nun einen Überblick über die letzten Tage der Studie, erste Ergebnisse und einen supernetten Abschied.

Nicht nur Nancy und mir, sondern auch dem Projektleiter des DLR, Professor Jens Tank sowie dem ganzen, supernetten Team war die Freude aber auch die Erleichterung anzumerken, als wir mit einem Böllerschuss und Konfetti-Regen die Untersuchungen wie geplant nach fünf Wochen erfolgreich zu Ende bringen und das :envihab verlassen konnten.

 

Die letzten mühevollen Tage

© Ralf Dujmovits

Nancy und ich hatten gute und schlechte Tage. Zwar tat ich mich mit der Akklimatisation etwas leichter, es war aber die deutlich schlechter gewordene Schlafqualität, die mir letztlich zugesetzt hat. Auf quasi 7.000 m hat sich im Laufe der letzten zwei Wochen einiges an Müdigkeit angesammelt, was mich für’s tägliche Training reichlich antriebslos machte. Nancy ging es damit etwas besser. Dafür hatte sie einen grenzwertig hohen Blutdruck in der Arterie vom Herzen zur Lunge – weshalb wir letztlich die Höhe unseres Daueraufenthalts aus Gesundheitsgründen etwas reduzieren mussten.

 

Finale Abschluss-Tests und Untersuchungen

Vor allem die letzten vier Tage waren gefüllt mit zahllosen Abschluss-Tests und Untersuchungen: Computer-Tomografie-Aufnahmen (MRTs) von Kopf, Herz und der Beinmuskulatur, Ultraschallaufnahmen des Herzens und Muskelmessungen an den Waden… und jede Menge Blutuntersuchungen. Wobei besonders die MRTs des Herzen anstrengend waren: Bis zu zwei Stunden im Computer-Tomographen liegen und bei vielen der Aufnahmen zur besseren Bildgebung die Luft bis zu 21 Sekunden lang anhalten.

Überraschende Ergebnisse

Während unsere Körper -vor allem die Muskeln- unter den extremen Verhältnissen abbauten, brachten die täglichen Kognitionstest nicht erwartete Ergebnisse zutage: Unsere Hirnleistungen blieben während der ganzen Zeit nahezu gleich. „Das hat uns alle doch sehr überrascht.“

© Ralf Dujmovits

Eines hat sich herausgestellt:

„Unsere Herzen haben sich der schwierigen Situation angepasst.“

Ob tatsächlich ein Gewebezuwachs nachzuweisen ist, dass soll die jetzt beginnende Auswertung der medizinischen Messwerte aufzeigen. „Mit der Studie ist es gelungen, erstmals Daten von Menschen in dieser Extremsituation über einen solch langen Zeitraum zu sammeln“, so Projektleiter Professor Jens Tank.

 

Anruf aus dem Weltraum

Professor Jens Tank war es auch, der für uns übrigens noch eine besondere Überraschung eingefädelt hat: „Hier Alex“, meldete sich bei Nancy eine Stimme am Telefon, während ich noch auf dem Laufband trainierte. „Wie, Alex?“ Es war Alexander Gerst („Astro Alex“) von der Internationalen Raumstation ISS, der uns zu unserer Studie und unserem Befinden befragte und uns auch bereitwillig Auskunft zu seiner Mission gab.

Beeindruckt hat mich vor allem das Arbeitspensum des deutschen Geophysikers und Astronauten, der in der Raumstation täglich zwölf Stunden mit Experimenten beschäftigt ist – „Hut ab!“ Zum Vergleich: Nancy und ich mussten in der Kölner Hypoxiekammer für medizinische Untersuchungen zwischen drei und bis zu sechs Stunden pro Tag einplanen.

 

Unser Fazit?

Drei Kilogramm habe ich abgenommen, Nancy zwei. In erster Linie Muskelmasse. Das ist weniger als erwartet. Wir hatten aber auch Mega-Essen durch das DRL. Und überhaupt:

„Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen.“

Und der Kontakt wird nicht abreißen: in einem Monat sind wir schon wieder zu Nachuntersuchungen beim DLR in Köln, genauso in einem halben und einem ganzen Jahr nach Ende der Studie.

© DLR Felix Oprean

Dass der Abschied nach fünf Wochen enger Zusammenarbeit schwer fiel ist leicht nach zu vollziehen. Wir bekamen noch ein Gipfelkreuz mit der Gipfelhöhe von 7.112 m überreicht, gerahmte MRT-Bilder von unseren Herzen und natürlich jede Menge gute Wünsche mit auf den Heimweg.

Es waren spannende, auch für uns sehr lehrreiche und intensive Tage!
Eine gute, aber etwas andere Zeit als sonst unterwegs in den richtigen Bergen.

Ralf Dujmovits lebt mit seiner Partnerin Nancy Hansen im Schwarzwald und ist, wann immer es die Zeit zulässt, beim Expeditionsbergsteigen, unterwegs in den Alpen oder beim Sportklettern.

Er war zwischen Schule und Medizin-Studium ein Jahr auf Weltreise, bestieg später mit Kunden die höchsten Berge aller sieben Kontinente und stand als erster (und einziger) Deutscher auf den Gipfeln aller 14 8.000er.

Seit 1995 ist er Mitglied im Schöffel-Athleten-Team. Der Öffentlichkeit wurde er durch die 33-stündige Live-Übertragung einer Durchsteigung der Eiger-Nordwand bekannt. Er zählt mit über 50 Expeditionen zu den erfahrensten Höhenbergsteigern und Bergführern weltweit.

Von weiteren spannenden Abenteuern berichtet Dir Ralf Dujmovits in diesen Beiträgen:

Ralf Dujmovits unterwegs in Griechenland: Klettern bei Leonidio
» Komm mit nach Griechenland

Ralf Dujmovits besteigt mit seiner Partnerin Nancy Hansen den Cholatse in Nepal
» Cholatse und Everest: Zwei Bergträume und der Weg dahin (Teil I)
» Cholatse und Everest: Zwei Bergträume und der Weg dahin (Teil II)

Ralf Dujmovits in der früheren Heimat seiner Partnerin Nancy Hansen
» 6 Wochen unterwegs im Westen Kanadas und im Nordwesten der USA

Ralf Dujmovits unterwegs in Thailand, Laos und Kambodscha:
» 2 Monate reisend und kletternd durch Südost-Asien (Teil 1)
» 2 Monate reisend und kletternd durch Südost-Asien (Teil 2)

Ralf Dujmovits berichtet von seiner Pakistan Expedition:
» Vom Versuch, im zentralen Karakorum zwei 7.000er Erst zu besteigen (Teil 1)
» Vom Versuch, im zentralen Karakorum zwei 7.000er Erst zu besteigen (Teil 2)

Titelbild: © DLR Felix Oprean