Für viele sind sie die Königsdisziplin des Bergsteigens: Hochtouren, also Bergtouren auf hohe, vergletscherte Berge. Abseits grüner Almwiesen und bequemer Wanderwege erwartet Dich hier die faszinierende Welt des ewigen Eises.

Dich reizt einmal eine Tour auf einen hochalpinen Drei- oder gar Viertausender? Vielleicht ist auch der Großglockner, Österreichs höchster Berg, Dein heimlicher Traum? Du hast Dich aber bisher noch nicht rangetraut, weil Du nicht weißt, welche Kenntnisse Du benötigst, was es zu beachten gibt und wie die richtige Ausrüstung für eine Hochtour aussieht? Wir haben für Dich bei Profibergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner nachgefragt!

Faszination Hochtouren
Faszination Hochtouren | © Bergwelten/Simon Schöpf

Der Großglockner hat gerufen – und sie sind seinem Ruf gefolgt: Ende August machten sich 15 Bergbegeisterte aus Deutschland und Österreich auf zum Gipfel des Großglockners. Bei dieser ganz besonderen Bergwelten-Tour wurden sie nicht nur mit Schöffel-Jacken ausgestattet, sondern auch von einer außergewöhnlichen Bergsportlerin begleitet: Mit dabei war die Profi-Bergsteigerin und Schöffel Profi-Partnerin Gerlinde Kaltenbrunner. Und wir haben für Dich nicht nur atemberaubende Bilder der Großglockner-Besteigung, sondern auch Tipps für Hochtouren-Einsteiger von Gerlinde Kaltenbrunner höchstpersönlich:

Sie ist eine der erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen der Welt: Die Österreicherin und Schöffel Profi-Partnerin Gerlinde Kaltenbrunner. Als erste Frau hat sie alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff bestiegen.
Mehr zu Gerlinde Kaltenbrunner: http://www.gerlinde-kaltenbrunner.at/de/

Schöffel: Gerlinde, kannst Du Dich an Deine eigene erste Hochtour erinnern? Was war das für ein Gefühl?

Gerlinde Kaltenbrunner: Meine erste richtige Hochtour führte damals auf dem Normalweg über die Kürsinger Hütte zum Großvenediger. Ein wunderschönes Erlebnis mit Freunden.

 

Was macht für Dich persönlich den Reiz von Hochtouren aus?

Gerlinde Kaltenbrunner: Eisbedeckte Berge faszinierten mich von klein auf sehr. In einer Seilschaft am Gletscher unterwegs zu sein, Rücksicht nehmend auf die Seilpartner und in einem gemeinsamen Rhythmus aufsteigend – das bereitet mir große Freude.

 

Welche Erfahrungen und Kenntnisse benötigt man für die erste Hochtour?

Gerlinde Kaltenbrunner: Neben der körperlichen Fitness sollte unbedingt Basiswissen über Gletscher vorhanden sein. Auch Hochtouren-Einsteiger sollten mit den Grundlagen der Seiltechnik, der Spaltenbergung, dem Umgang mit Steigeisen und Pickel vertraut sein. Dazu kommen weitere wichtige Voraussetzungen wie Kenntnisse über Lawinengefahr, die Fähigkeit Karten zu lesen und Wetterkunde. Bei weniger erfahrenen Menschen rate ich, unbedingt einen Bergführer zu engagieren und/oder einen Gletscher Grundkurs zu absolvieren.

 

Worauf sollten Hochtouren-Anfänger besonders achten?

Atemberaubende Ausblicke auf die umgebenden Dreitausender beim Aufstieg zum Großglockner. | © Bergwelten/Simon Schöpf

Gerlinde Kaltenbrunner: Am Gletscher herrscht oft Spaltensturzgefahr, über die sich jeder bewusst sein sollte. Deshalb muss auf schneebedeckten Gletschern immer angeseilt als Seilschaft gegangen werden. Die Risiken hängen dann natürlich von verschiedenen Faktoren ab: Von den Schneeverhältnissen am Gletscher, der Tragfähigkeiten von Spaltenübergängen, der Temperatur, den Sichtverhältnissen, usw.

 

Welche typischen Fehler begegnen Dir am Berg, insbesondere bei Hochtouren-Einsteigern?

Gerlinde Kaltenbrunner: Am häufigsten fallen mir die nicht korrekten Seilabstände und „Schlappseil“ bei den Seilschaften auf. Immer wieder sind sehr unerfahrene Seilschaften unterwegs, die mit Gletscher- und Seiltechnik nicht vertraut sind! Noch einmal rate ich unbedingt, am Beginn mit sehr erfahrenen Leuten (z.B. Bergführer) aufzubrechen.

 

Wie wichtig ist die mentale Vorbereitung?

Gerlinde Kaltenbrunner: Die mentale Vorbereitung spielt für mich eine sehr wichtige Rolle. Ich versuche mich im Vorfeld immer intensiv mit meinem Vorhaben vertraut zu machen, mich mit der Route zu verbinden und natürlich auch mit meinen Teamkollegen.

Im Vorfeld gehe ich mental den gesamten Auf- und Abstieg durch. Dabei stelle ich mir alle nur denkbaren Situationen vor. Sowohl die größten Anstrengungen –  wie z.B. tiefe Spurarbeit, starke Stürme, enorme Kälte – als auch die vielen wunderschönen Momente: Die unendlichen Ausblicke, traumhaft schöne Sonnenauf- und untergänge,… bis hin zu den letzten Schritte zum Gipfel.

Genauso gehe ich den Abstieg im Detail durch. Erst wenn ich bei meiner mentalen Reise wieder gesund ganz unten angekommen bin, bin ich bereit für meinen wirklichen Aufstieg.

 

Welche Ausrüstung benötigt man für eine Hochtour?

Gerlinde Kaltenbrunner: Auf jeden Fall benötigen man für eine Hochtour:

  • steigeisenfeste Schuhe
  • Steigeisen
  • Klettergurt
  • Seil
  • Pickel
  • bei Steinschlaggefahr Helm
  • Ausrüstung für Spaltenbergung

Zusätzlich die üblichen Bergutensilien, wie Erste Hilfe Set, Sonnenbrille, Sonnencreme, angepasste Bekleidung, usw.

 

Stichwort Bekleidung: Wie sieht sie aus, die ideale Bekleidung für eine Hochtour?

Gerlinde Kaltenbrunner und Teilnehmerin auf dem Weg zum Großglockner. Mit dabei: Die Schöffel-Jacken. | © Bergwelten/Simon Schöpf

Gerlinde Kaltenbrunner: Mit meiner Berghose habe ich eine optimale Bewegungsfreiheit, die mir sehr wichtig ist. Eine leichte wasserdichte Überhose habe ich im Rucksack mit dabei.

Am Oberkörper trage ich über meinem Funktionsshirt eine mittlere Zwischenschicht „mit durchgängigem Zip“. Zudem darf im Sommer wie im Winter meine Ventloft Jacke nicht fehlen.

Außerdem natürlich dünne Handschuhe + wärmere Handschuhe im Rucksack, eine dünne Mütze (soll unter dem Helm passen) und ein Schlauchtuch.

In Deiner Bekleidung sollst Du Dich wohl fühlen und perfekte Bewegungsfreiheit haben. Sie soll Dich wärmen und gleichzeitig den Schweiß nach außen transportieren.

Bei der Hochtour auf den Großglockner trugen die Teilnehmer wie auch Gerlinde Kaltenbrunner unsere technische ZipIn! Jacke. Die abriebfeste 2-Lagen Gore-Tex® Jacke erfüllt alle Ansprüche an eine fordernde Hochtour:

  • Sie ist atmungsaktiv,
  • wasserdicht (Wassersäule >28.000),
  • winddicht,
  • besitzt einen wasserabweisenden Reißverschluss und
  • eine komfortable Unterarmbelüftung.

Und dank unserer praktischen ZipIn! Funktion kann sie mit allen anderen ZipIn! Modellen kombiniert werden – für jeden Anspruch und jedes Wetter:

Hochtour ist ja nicht gleich Hochtour: Welche Hochtouren empfiehlst Du für Einsteiger?

Gerlinde Kaltenbrunner: Hmmm, es gibt so viele sehr schöne Hochtouren. Jedoch sollten auch die „technisch einfachen“ Hochtouren nicht unterschätzt werden. Für Hochtouren-Einsteiger in den Ostalpen bietet sich z.B. der Similaun oder auch der Großvenediger an. Zu den einfacheren Viertausendern, schon in den Westalpen, zählt sicher das Breithorn im Wallis.

 

Viele lockt es natürlich auch auf Österreichs höchsten Berg: Ist der Großglockner eine geeignete Tour für Einsteiger?

Gerlinde Kaltenbrunner: Den Großglockner würde ich wenig erfahrenen Bergsteigern unbedingt nur mit Bergführer empfehlen!! Ein für mich immer wieder wunderschöner Gipfel mit verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten.

 

Vielen Dank, liebe Gerlinde, für das Interview!

Vorgestellt: Seine Majestät, der Großglockner

Blick auf den Großglockner, 3.798 m. Links der Stüdlgrat, rechts der Normalweg. | © Bergwelten/Simon Schöpf

„Der Großglockner ist für viele ein Traum, wie für mich die 8.000er.“
Gerlinde Kaltenbrunner

Geheimnisumwittert, sagenumwoben und mit enormer Anziehungskraft: Der Großglockner. Mit 3.798 Metern ist er nicht nur Österreichs höchster Berg, sondern für viele auch der schönste Berg der Alpenrepublik. Wie ein mächtiger König wacht der Großglockner über sein Reich: Mitten im Nationalpark Hohe Tauern gelegen und umgeben von 300 Dreitausendern bietet er beeindruckende Ausblicke bis weit über die Ostalpen hinaus.

Auf seinen Schultern trägt das Wahrzeichen Österreichs 180 km² Gletschereis – und im Inneren angeblich einen pechschwarzen Kristall, welcher die besondere Energie des Berges bündelt. Ob Wahrheit oder Sage – Anziehungskraft besitzt er jedenfalls, der „schwarze Berg“ im Herzen Europas. Sein Mantel aus Schiefergestein ist es, der dem Großglockner sein imposantes Aussehen und die schwarze Farbe verleiht.

Herausforderung Großglockner: Die Besteigung

Seit seiner Erstbesteigung im Jahre 1800 ist er der Traum vieler Bergsportler – und solcher, die es werden wollen. Sein prachtvolles goldverziertes Gipfelkreuz lockt Bergsteiger aus dem In- und Ausland. Nicht alle jedoch sind gut genug auf seine anspruchsvolle Besteigung vorbereitet.

Über 90 Prozent aller Besteigungen erfolgen in den Sommermonaten, eine der beliebtesten Routen führt von der Salmhütte und Stüdlhütte über den Normalweg zur Erzherzog-Johann-Hütte (3.454 m) auf der Adlersruhe. Von dort aus führt das Glocknerleitl auf den Gipfel. Auch der Anstieg über den Stüdlgrat ist eine beliebte Variante, er führt direkt auf den Gipfel.

Insgesamt gibt es – mit Varianten – rund 30 Routen auf den Großglockner. Aber auch, wenn es Anstiege in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt (von der vermeintlich einfachsten Besteigung von Salmhütte oder Stüdlhütte über Erzherzog-Johann-Hütte zum Gipfel bis zu extremen Eisanstiegen wie bspw. der Palavicinirinne ) – der Großglockner wird leider immer noch zu oft von seinen Besteigern unterschätzt. Er erfordert von Hochtourengehern alpinistische Erfahrung und einen korrekten Umgang mit der Seil- und Sicherungstechnik.

Weitere Eindrücke der atemberaubenden Bergwelten-Tour findest Du in unserer Bildergalerie:

Titelbild: © Bergwelten/Simon Schöpf