Frühlingshaft im Tal starten und hochwinterliche Verhältnisse am Berg erleben: Das ist bei Frühjahrs-Skitouren möglich. Wir stellen Dir die schönsten Gebiete vor und versorgen Dich mit wichtigem Know-how: Denn auch im Frühling warten Wetterphänomene auf Dich, die Du nicht unterschätzen darfst.

Die Skitouren-Saison nimmt im Frühjahr nochmal richtig Fahrt auf, denn die Bedingungen im April und Mai eröffnen neues Tourenpotential: Touren werden durch geöffnete Passstraßen und Hütten zugänglich, steile Rinnen und Nordhänge werden fahrbar. Erfahrungsgemäß fällt im April eine letzte Ladung Schnee vom Himmel, der bei moderateren Temperaturen die schönsten Firn-Abfahrten ermöglicht.

INHALT
Früher Start für schönsten Firn: Was Du bei Frühjahrs-Skitouren beachten musst
Steigeisen, Fellwachs und viel Wasser: Wichtige Ausrüstung
Frühjahrs-Skitour im Karwendel: Hochglückkar in Hinterriss
Frühjahrs-Skitour in den Kitzbüheler Alpen: Torhelm
Frühjahrs-Skitour im Rofangebirge: Seekarlspitze
Die richtige Bekleidung für Deine Frühjahrs-Skitour

So wirklich einschätzen lassen sich die hiesigen Winter nicht: Gefühlt findet eine Verschiebung hin zum Frühling statt. Vor zehn Jahren erlebten wir noch mit schöner Regelmäßigkeit weiße Weihnachten, inzwischen suchen wir unsere Ostereier gern auch mal im Schnee. Ob gefühlte Wahrheit oder statistisch bestätigte Realität: Wer den Winter liebt, nutzt jede Wetterlage zu seinen Gunsten – und weiß Bescheid, wann sich welche Touren-Optionen eröffnen.

Lass Dir gesagt sein: Der Frühling lädt zu ungeahntem Tourenglück ein, weil Wetterlage und Schneesituation meist stabiler sind. Wir geben Dir essentielle Tipps und stellen Dir die schönsten Frühlings-Skitouren im Karwendel, in den Kitzbüheler Alpen und im Rofangebirge vor.

Früher Start für schönsten Firn: Was Du bei Frühjahrs-Skitouren beachten musst

Frühling oder Winter? Auf Frühjahrs-Skitouren bewegst Du Dich zwischen den Jahreszeiten. | © jacf5244 / Fotolia

Firn* ist das Zauberwort! Während im Hochwinter vor allem der Pulverschnee ganz hoch im Kurs steht, verspricht ein unverspurter Nordhang mit feinster Firnauflage neue Hochgefühle. Ein früher Start ist aber unabdingbar. Und das nicht nur, um als erster in die schönsten Hänge fahren zu können. Auch im Frühjahr besteht akute Lawinengefahr. Nur stehen nun neben Neuschnee und Wind noch andere Faktoren im Mittelpunkt Deines Sicherheitsinteresses: Sonneneinstrahlung und Regen. Hohe Temperaturen weichen den Schnee von oben auf, das Regenwasser dringt in tiefere Schneeschichten ein und bildet zum Beispiel auf Wiesengrund einen Schmierfilm, auf dem Lawinen abrutschen können. Die Gefahr der Selbstauslösung von Nassschneelawinen und Schneebrettern ist sehr groß.

* Unter Firn versteht man Schnee, der mindestens eine Ablationsperiode, also ein Jahr überstanden hat. Echten Firn gibt es nur im vergletscherten Gelände oder auf permanenten Schneefeldern. Umgangssprachlich und unter Skitourengehern wird Firn jedoch auch als Synonym für den sogenannten „Sulzschnee“ verwendet: Ein tragfähiger, oberflächlicher Schmelzharschdeckel, der im Laufe des Tages mit zunehmender Erwärmung wieder weich und feucht wird.

Unbedingt früh starten

Faustregel ist: Früh starten, damit Du gegen Mittag wieder unten bist. Am Berg können die Temperaturen am späten Vormittag auf bis zu 20 Grad und mehr klettern. Die Schneebeschaffenheit ändert sich in wenigen Stunden von einer gefrorenen Hartschneedecke am frühen Morgen über leichten hin zu schwerem Firn und schließlich zu Sulz. Im Lawinenlagebericht kannst Du das gut herauslesen, weil im Frühjahr die Tagesübersicht zweigeteilt wird: in Vormittag und Nachmittag – wobei in der Mittagshitze die Lawinengefahr stark ansteigt. Falls eine Abfahrt aufgrund der Länge der Tour nicht möglich ist, warte die kühleren Stunden am Nachmittag bzw. Abend ab.

Harsch- und Steigeisen, Fellwachs und viel Wasser: Diese Ausrüstung benötigst Du

Unten grün, oben weiß: Frühjahrs-Skitouren sind vielseitig. | © ARochau / Fotolia

Eine Frühjahrs-Skitour hat ihre ganz eigene Faszination: Im Tal herrscht Frühling, hoch im Gebirge noch Winter. Mit jedem Höhenmeter verändern sich die Bedingungen um Dich herum. Zu Beginn wirst Du vielleicht mit dem Fahrrad ins Tal fahren. Vögel zwitschern am Wegesrand, Frühblüher säumen die Wiesen. Später wirst Du mit Deinen Skischuhen über unwegsames, schneefreies Gelände marschieren, die schwere Ausrüstung auf dem Rücken. Falls es sich um einen längeren Zustieg handelt, kannst Du auch auf Turnschuhe ausweichen, die Du später wieder im Rucksack verstaust.

Nicht selten wirst Du Dich fragen: „Was tue ich hier eigentlich?“ Du kommst ins Schwitzen, bis endlich die ersten zusammenhängenden Schneefelder in Dein Sichtfeld geraten und Du Dich bereit machst zum Ski anfellen.

Wichtig: Harscheisen einpacken

Harscheisen sind dabei unabdingbar, weil die Auflage am frühen Morgen noch bretthart und von Skitouren vom Vortag zerfurcht ist. Deine Felle allein erzeugen nicht genügend Reibung. Die Harscheisen bringst Du unterhalb Deiner Bindung an. Die Zacken verhaken sich mit jedem Schritt im Boden und ermöglichen einen guten Halt.

Gipfel sind im Frühjahr teilweise nur noch zu Fuß erreichbar. Zu diesem Zweck solltest Du Steigeisen dabei haben, um den notwendigen Halt zu bekommen. Deine Ski verstaust Du im Skidepot unterhalb des Gipfels. Aber sei Dir vor dem Aufstieg im Klaren, ob Du auf selbigem Weg auch den Abstieg schaffst!

Auf Frühjahrs-Skitouren ist auch mal der Bergsteiger in Dir gefordert. | © derboris / Fotolia

Die hohen Temperaturen bringen den Schnee zum Schmelzen. Stapfst Du mal durch schattige Abschnitte, beginnen Deine Felle zu stollen. Riesige Schneepakete sammeln sich mit jedem Schritt an Deinen Fellen und Du musst ein immenses Gewicht den Berg hinaufwuchten. Vorbeugend kannst Du hier Fellwachs an Deinen Fellen anbringen – das macht sie wasserresistenter.

In Deinen Rucksack gehören neben der regulären Ausrüstung unbedingt genügend Wasser, mindestens eineinhalb Liter. Eine Trinkblase bietet sich hier an, weil Du nicht ständig die Flasche aus dem Rucksack holen musst.

Tipp: Wenn Du diese Saison erst mit dem Skitouren angefangen hast und Dich noch nicht auf Gipfel traust, dann bieten sich für Dich auch Pistentouren an. Speziell die Gletscher-Skigebiete wie der Stubaier Gletscher, das Gebiet am Kitzsteinhorn oder der Hintertuxer Gletscher haben teilweise noch bis in den Sommer hinein geöffnet. In gesichertem Gelände steigst Du auf und fährst ab. Beachte dabei unbedingt die Regeln für sichere Pistentouren.

Wichtig ist auch, dass Du Dich selbst richtig einschätzt. Selbstüberschätzung ist einer der größten Gefahrenfaktoren in den Bergen.

Frühjahrs-Skitour im Karwendel: Hochglückkar in Hinterriss

Frühlingshafter Ahornboden in Hinterriss, Karwendel. | © karamba2106 / Fotolia

Eine Frühjahrs-Skitour auf das Hochglückkar und die Hochglückscharte (2.387 m) trägt schon all Deine Erwartungen im Namen: Pure Hochgefühle, wenn Du endlich oben angekommen bist und wohlverdient die makellosen, steilen Nordhänge mit bestem Firn abfahren darfst. Ein Geheimtipp ist die Tour nicht mehr, aber reizvoll ist sie allemal. Ab Mai öffnet die Zufahrtsstraße und sorgt für einen großen Ansturm. Zuvor kannst Du mit dem Mountainbike (12 km) von Hinterriss zum Gasthof Alpenhof (Mautstelle) über die Mautstraße (3,50 €) in die Eng fahren. Mehr Informationen über den Zustand der Straße erfährst Du entweder im Fremdenverkehrsamt oder im Gasthaus Post in Vomp.

Bis zur Hochglückscharte handelt es sich um eine mittelschwere Skitour. Willst Du einen Gipfelerfolg verbuchen und fühlst Dich sicher mit Steigeisen und Pickel, dann kannst Du die enge und steile Rinne in die Scharte hochsteigen. Für die Tour benötigst Du etwa drei Stunden und überwindest 1.100 Höhenmeter. Einkehrmöglichkeiten gibt es vor Ort keine.

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Frühjahrs-Skitour in den Kitzbüheler Alpen: Torhelm

Während im Tal schon Frühling herrscht, zeigen sich die Kitzbüheler Alpen (im Hintergrund das Kitzbüheler Horn) noch winterlich. | © Fabian / Fotolia

Eine Skitour auf den Torhelm (2.494 m) in den Kitzbüheler Alpen ist den ganzen Winter über eine schöne Unternehmung, aber im Frühjahr sparst Du Dir den langen Hatscher durch den langen Grund zur Tiefentalalm (1.441m), weil die Forststraße ab Ostern geräumt ist. Den Abzweig Langer und Kurzer Grund erreichst Du über Kelchsau.

Deine Frühjahrs-Skitour startest Du somit an der Tiefentalalm, steigst weiter über die Öfeleralm teilweise steil auf den Öfelersattel und von dort unschwierig zum Gipfel. Deine Abfahrt über den Gipfelaufbau führt Dich in Richtung Ost. Nach einem kurzen Fußmarsch über den Grat in Richtung „Schwarzer Bär“ fährst Du entlang des Süd-Nord verlaufenden Tales ab. Über die Oberkaralm gelangst Du zurück zum Ausgangspunkt an der Tiefentalalm. Rechne für die anspruchsvolle Tour etwa drei Stunden Gehzeit ein. Du überwindest insgesamt 1.000 Höhenmeter.

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Frühjahrs-Skitour im Rofangebirge: Seekarlspitze

Frühjahrs-Skitour im Rofan mit Seilbahnunterstützung. | © Hans und Christa Ede / Fotolia

Das Rofangebirge am Achsensee in Tirol ist eines der landschaftlich reizvollsten Gebiete der Alpen. Wohingegen die Rofanspitze eine viel begangene Tour ist, bietet sich ein Ausflug auf die Seekarlspitze an. Du startest von der Bergstation an der Erfurter Hütte, die auch eine schöne Einkehrmöglichkeit mit Sonnenterrasse darstellt. Von dort geht es kurz entlang der Piste abwärts und aufwärts bis oberhalb der Mauritzalm. In schütterem Wald geht es durch gestuftes Gelände etwas steiler weiter. Unter der Haidachstellwand musst Du links, also gen Norden, abbiegen. Entlang der lawinengefährdeten Osthänge des Spieljochs in der gleichen Richtung gering ansteigend weiter, bis Du dann in den makellosen Gipfelhang einsteigst.

Bei der Abfahrt orientierst Du Dich entweder am Aufstieg oder Du fährst nach dem Gipfelhang am Rücken weiter südwärts, um eine Geländekuppe herum und rechts haltend in eine Steilrinne östlich vom Südrücken, der zum Spieljoch hinaufzieht. Achte darauf, dass die Verhältnisse eine solche Abfahrt zulassen.

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Die richtige Bekleidung für die Frühjahrs-Skitour: Luftig und atmungsaktiv

Nach einem langen Winter wird es nun endlich wieder richtig warm. Klar, bei großer Anstrengung kann das unangenehm werden, weil man schnell ins Schwitzen kommt. Frischt der Wind auf oder tourt man durch schattiges Gelände, ist eine Gänsehaut vorprogrammiert.

Atmungsaktive und gleichzeitig winddichte Kleidung ist daher unerlässlich, denn nur so kann Dein Körper problemlos seine Temperatur regulieren. Für ein gutes Klima sorgen zum Beispiel diese beiden Modelle:

» Softshell Ljubljana2 für Damen 
» WS Jacket Keylong für Herren 

Sie halten Dich warm, bieten aber dennoch durch die Unterarmventilation eine gute Atmungsaktivität. Der Windchilleffekt kann Dir nichts anhaben.

Außerdem benötigst Du eine Regenjacke
» ZipIn! Jacket Meran1 für Damen 
» ZipIn! Jacket Edmonton1 für Herren 

und – falls es mal kühler wird – eine gemütliche Weste, zum Beispiel
» Ventloft Vest Adachi1 für Damen
» Ventloft Vest Baku1 für Herren

Die Sonneneinstrahlung ist im Frühjahr um ein vielfaches höher, was eine erhöhte Sonnenbrandgefahr bedeutet. Zur Standardausrüstung gehören deshalb ein gutes Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenstift, eine Gletscherbrille und ggf. Sonnenhut/ Schirmmütze.

Packe Dir außerdem Wechselwäsche ein. Der Aufstieg wird anstrengend – am Gipfel solltest Du ein frisches T-Shirt anziehen, um nicht auszukühlen:
» T Shirt Kinshasa1 für Damen
» T Shirt Austin1 für Herren 

Titelbild: © smilinglina / Fotolia