Skitourengehen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. in Deutschland und Österreich gibt es nach Schätzungen rund 850.000 Skitourengeher. Abseits überfüllter Pisten suchen sie die unberührte Natur – doch es gibt einige Dinge, die auch erfahrene Skitourengeher noch nicht wissen. Wir haben die zehn spannendsten Fakten für Dich zusammengetragen.

Mit Fellen unter den Skiern mit eigener Kraft auf einen Berg steigen: Skitourengehen oder Skibergsteigen ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Inzwischen gibt es rund 500.000 Skitourengehern in Österreich und 350.000 in Deutschland. Das Skifahren kehrt also zu seinen Anfängen zurück, als es noch keine Lifte und Pisten gab. Wer sich abseits geräumter und planierter Strecken ins Gebirge begibt, muss gerade als Anfänger vorab viel lernen und recherchieren. Aber einige der folgenden zehn Fakten dürften selbst für erfahrene Tourengeher neu sein!

1. Skitouren: Wer hat’s erfunden? Die Norweger!

Der Forstangestellte Karl Otto meisterte die erste Skitour im deutschen Raum: Er ließ sich nach norwegischem Vorbild Latten anfertigen, band sie sich mit Lederriemen an die Schuhe und Zweige unter die Skier, um beim Aufstieg nicht abzurutschen. So schleppte er sich im Jahr 1890 den 1.791 Meter hohen Heimgarten über dem bayerischen Walchensee hinauf. Und auch der Schweizer Skitouren-Pionier Josef Lochmatter, der Anfang des 20. Jahrhunderts als Erster das Weisshorn (4.505 m) und das Matterhorn (4.478 m) im Winter bestieg, hatte sich die Technik in Norwegen angeeignet. Denn die älteste Erwähnung von Tourenskiern mit Fellen stammt von hier – aus dem Jahre 1555. Aus prähistorischer Zeit (ca. 5.000 v. Chr.) gibt es hier sogar Skier auf Stein gemalt.

Mehr zu Norwegen findest du übrigens hier: » Komm mit ins Skitourenparadies Norwegen

2. Höher, weiter, länger: Das sind die Skitour-Rekorde

Mit Tourenskiern auf den Mount Everest

Noch heute ist es in den Alpen eher selten, in über 4.000 Höhenmetern noch Skier dabei zu haben. Mit seinen Brettern stand jedoch schon vor 120 Jahren der deutsche Arzt Oscar Schuster auf der Dufourspitze (4.643 Meter) in den Walliser Alpen. Der Südtiroler Hans Kammerlander schleppte 1996 sogar seine Skier ohne Sauerstoffgerät auf den Mount Everest, um als erster aus einer Höhe von 8.848 Metern abzufahren.

Fast 800.000 Höhenmeter in einem Jahr

216 Mal den Everest vom Basislager bis auf den Gipfel ist Aaron Rice gestiegen – natürlich nicht wirklich, aber in Relation. Denn stolze 762.000 Höhenmeter machte der Amerikaner innerhalb eines Jahres. Weltrekord – auf Englisch klingt die Zahl mit 2,5 Millionen Fuß noch viel beeindruckender.

In 36 Tagen über den Alpenhauptkamm

Die längste Skitour der Welt ging ein fünfköpfiges Sportlerteam aus verschiedenen Nationen im Frühjahr 2018: Stolze 1.721 Kilometer und 89.644 Höhenmeter von Wien nach Nizza legten der Schweizer Bernhard Hug, der Österreicher David Wallmann, der Deutsche Philipp Reiter sowie Janelle und Mark Smiley aus den USA in nur 36 Tagen zurück – und damit in vier Tagen weniger als vier Österreicher, die 1971 mit dem Gewaltmarsch von Ost nach West vorgelegt hatten.

3. Auch nachts kann man Skitouren gehen

In der Regel wird bei jeder Skitour zum frühen Aufbruch geraten – wegen steigender Lawinengefahr bei zunehmender Temperatur. Ein riesiger Spaß sind jedoch die ganz späten Starts mit Abfahrt bei Dunkelheit im Schein der Stirnlampe. Doch auch wenn Geräusch und Optik die nächtliche Abfahrt durch Tiefschnee zu einem einzigartigen Erlebnis machen, ist von der Nachtskitour im freien Gelände eher abzuraten. Außer du kennst das Gebiet und die Schutzzone für Tiere wie deine Skihosentasche. Aber es gibt zum Glück eine ganze Menge Hütten im Alpenraum, die zu Skitouren-Abenden einladen. Nach einer zünftigen Mahlzeit fährst du anschließend über Piste oder Gelände downhill, ohne dass dich die Pistenraupe erwischt.

4. Fichtenzweige können Felle ersetzen

Die Skitouren-Ausrüstung ist technisches Gerät, das hart beansprucht wird und auch mal unterwegs schlapp macht. Natürlich kannst du auch einen Werkzeugkasten und Ersatzteile mit auf Tour nehmen. Doch wirst du eher Gewicht sparen wollen. Dann reicht auch ein bisschen Improvisation und eine Rolle Tape, Kabelbinder, ein wenig Draht und ein Multi-Tool (inkl. Inbusschlüssel). Damit kannst du Schuhschnallen und Bindung reparieren oder Felle notdürftig befestigen. Zur Not könntest du sogar à la Karl Otto Fichtenzweige auf dem Belag fixieren, wenn du deine Felle vergessen hast.

5. Mit „Gipferlsockerl“ bändigst Du die Felle

 

Für den Aufstieg sind die Felle unter den Skiern unverzichtbar, doch spätestens am Ziel wirst du sie verfluchen. Denn eigentlich muss man die Felle nach Gebrauch auf Trägerfolien kleben, um sie problemlos im Rucksack zu verstauen und auch dauerhaft wiederverwenden zu können. Doch klamme Finger und der Wind auf dem Berggipfel machen das Aufkleben zur Sisyphusarbeit. Erfahrene Skitouren-Fexe nehmen daher in Kauf, dass der Kleber nach einer Saison runter ist und heften die Felle einfach zusammen. Trendsetter setzen auf Adhäsionsfelle, die ohne Kleber funktionieren sollen – aber oft eben leider auch nicht. Findige Skitourengeher benutzen spezielle Stoffsäckchen, mit Hilfe derer die Felle aufgeklebt und verpackt werden können (z.B. „Skinny“ oder „Gipfelsockerl“). Hier im Video siehst du, wie die funktionieren.

6. Das Handy ist für Skitourengeher kein Lebensretter

Vor ein paar Jahren waren noch eine Handvoll Smartphone-Apps auf dem Markt, die das Handy zu einem Gerät für die Suche nach Lawinenverschütteten machen sollten. Keine davon ist mehr auf dem deutschen Markt – und das nicht ohne Grund: Sie setzten auf GPS, Bluetooth oder WLAN. All diese Funkstandards haben aber viel weniger Reichweite und sind zudem viel ungenauer als die Signale der herkömmlichen LVS-Geräte. Ein weiterer Vorteil der klassischen Lawinenverschüttetensuchgeräte: Sie halten auch extremen Temperaturen von bis zu -30 Grad stand. Aktuelle Geräte haben einen Sende- und einen Suchbetrieb und können dank dreier Antennen auch mehrere Verschüttete gleichzeitig orten. Ein Display und Audio-Signale helfen bei der Suche. Selten waren also die 200-400 Euro besser investiert. Bei potenzieller Lebensgefahr solltest du nicht unbedingt auf einen vollen Akku hoffen und einer 1,99 Euro teuren App vertrauen müssen.

7. Skitourenstiefel gibt es erst ab Größe 35

Ob Mountainbiking, Klettern oder Skitour – Eltern nehmen ihre Kinder immer früher mit zu ihrem (Berg-)Sport. Das jeweilige Risiko der Tour sowie körperliches und mentales Durchhaltevermögen des Kindes musst du dabei natürlich auf alle Fälle beachten. Wenige Hersteller bieten Skier (ab 125 cm), Felle und Bindungen für die Kleinsten an. Tourenskistiefel gibt es erst ab Größe 35, also für Kinder ab etwa neun Jahren. Darunter tut‘s auch noch der normale Stiefel. Es gibt außerdem Toureneinsätze, die du in eine normale Bindung einklicken kannst (z.B. Contour startUp).

8. Wetterprognose: Mit dem Taupunkt kann man die Wolkenhöhe berechnen

Die sichere Tour hat auch viel mit dem Wissen um Wetter und Lawinenlage zu tun. Dafür gibt es viele Bücher und Tools mit den unterschiedlichsten Risikomodellen und Tests. Ein Wert, der dabei oft unter den Tisch fällt, ist der so genannte Taupunkt. Er bezeichnet die Temperatur, bei der die Luft keinen Wasserdampf mehr aufnehmen kann und kondensiert, also Tröpfchen, Nebel oder Wolken bildet. Er ist ein Maß dafür, wie feucht die Luft ist und viel relevanter als die Luftfeuchtigkeit. Aus dem Unterschied zwischen Taupunkt und Lufttemperatur lässt sich sogar die Untergrenze der Wolken berechnen – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, auf dem Gipfel den Weitblick genießen zu können oder nur den Blick auf die eigene Hand.

9. Werden bald Drohnen Verschüttete retten?

Der Lawinenrucksack und der Lawinenball sind Entwicklungen, die das Tourengehen in den letzten Jahren deutlich sicherer gemacht haben. Aber leider auch manchen Fahrer eher bereit, noch mehr Risiko einzugehen. In den USA und Europa wird auch schon mit Drohnen experimentiert, die es ermöglichen sollen, verschüttete Tourengeher schneller aufzuspüren. Während der „Airborne Avalanche Rescue Assistant“ bislang nur eine Designstudie ist, gibt es schon wissenschaftliche Projekte, die die Technik von Drohnen und LVS erfolgreich verknüpft haben.

10. Bekleidung: Lieber vielschichtig

Aufgrund des Gewichts und der Funktion ist es nicht nur für Einsteiger absolut wichtig, beim Equipment (Ski, Bindung, Schuhe, Stöcke) auf spezielles Tourenmaterial zu achten. Dies gilt natürlich auch für die Bekleidung, weil sich der Tourengeher mehr bewegt und intensiver dem Wetter ausgesetzt ist als der klassische Pisten-Wintersportler: Die Hose sollte eher eine dünne Überhose mit Reißverschluss an der Seite und aus einer atmenden Membran sein als eine gefütterte Skihose. Für den Oberköper gilt: Leicht fröstelnd loslaufen und dann eventuell noch etwas überziehen. Viele dünnere Schichten aus Funktionswäsche, Softshell/Fleece/Windbreaker und Jacke mit atmender Membran solltest du einer einzigen Jacke vorziehen. Optimal geeignet sind z.B. unsere 3L Keylong-Modelle für Herren: 3L Jacket Keylong1 und 3L Pants Keylong1.

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