Seit über 50 Jahren schreibt der Alpine Ski-Weltcup immer neue, spannende Geschichten. Wir stellen euch zehn der verrücktesten Storys vor.

INHALT

1. Drohnen-Absturz hinter Marcel Hirscher

Madonna, was das knapp! Ausnahme-Skistar Marcel Hirscher rast beim Nachtslalom am 22. Dezember 2015 im italienischen Madonna di Campiglio im zweiten Durchgang den Hang herunter, als direkt hinter ihm eine Drohne einschlägt.

Der Austria-Seriensieger reagiert nach der ersten Aufregung („Eine Frechheit“) cool und postet auf den sozialen Medien ein Foto mit dem Text „Dichter Flugverkehr über Italien“.

Schuld an dem Zwischenfall ist die TV-Produktionsfirma, die besonders spektakuläre Bilder liefern wollte. Das ist unfreiwillig gelungen, aber völlig anders als erhofft. Begründet wird der Absturz übrigens mit „unerwarteten starken Frequenzstörungen, weshalb der Pilot das Fluggerät nicht mehr habe steuern können. Deshalb habe er einen „kontrollierten Absturz versucht“. Was für ein Glück, dass dabei nicht mehr passiert. Ach ja: Hirscher belegt im Schöffel-Rennanzug („All meine Erfolge verbinde ich mit nur einer Bekleidungsmarke: Schöffel.“) übrigens trotz Drohnen-Absturz Platz zwei.


2. Metall-BH‘s als Siegerpreis

Zwischen Weihnachten und Neujahr 2012 sorgt das österreichische Semmering mit seiner Premiere von „Siegerpokalen zum Anziehen“ im Damen-Ski-Weltcup für Schlagzeilen. Eigentlich zeigt der von Metalldesigner Markus Schöngrundner gestaltete Siegerpreis ganz brav eine von Skiern gehaltene Schale. Der Mittelteil lässt sich jedoch mit Zierketten zum Büstenhalter umbauen.  „Über dem Shirt getragen betont er die Figur, wenn’s erotisch werden soll, wird er auf nackter Haut getragen“, heißt es in der dazugehörigen Pressemitteilung frech.

Bei der Siegerehrung im Bierzelt posieren dann die fünf Erstplatzierten Anna Fenninger vom erfolgreichen ÖSV-Team, Tina Maze (Slowenien), Tessa Worley (Frankreich), Maria Höfl-Riesch und Viktoria Rebensburg (alle Deutschland) mit den Metall-BH’s über ihrer Kleidung. Was glaubt ihr: Ob solch ein Preis in Zeiten von #MeToo noch möglich wäre?

Dieser Metall-BH bildete 2012 im Damen-Ski-Weltcup den Siegerpreis | © Wilfried Scherzer

3. Bode Miller: Trotz Sturz zum Sieg und auf einem Ski ins Ziel

Bode Miller gehört wegen seiner Kombination aus skifahrerischem Können, Risikobereitschaft und Lockerheit abseits der Piste zu den Allzeit-Lieblingen der Skifans weltweit. Die Liste der besonderen Momente ist lang: Im Ski-Weltcup siegt er am 13. Januar 2007 bei der legendären Lauberhorn-Abfahrt trotz eines Sturzes im Zielhang. Danach überrascht der US-Amerikaner mit der Aussage, dass der Sturz quasi einkalkuliert gewesen sei: „Ich habe mich gegen den Sturz gar nicht mehr gewehrt, habe mich einfach über die Zielsprung-Kante fliegen lassen. Wenn ich mich gewehrt hätte, hätte ich in der Luft entweder Vorlage oder Rücklage bekommen. Das wäre gefährlich gewesen.“

Bei einem Weltcup im bulgarischen Bansko fährt Miller nach einem Sturz einmal rückwärts über die Ziellinie. Noch legendärer ist allerdings seine Fahrt auf einem Ski bei der Alpinen Ski-WM 2005. In der Kombinations-Abfahrt verliert Miller nach 15 Sekunden einen Ski. Doch statt abzuschwingen, fährt der verrückte US-Boy auf einem Ski noch reichlich eineinhalb Minuten weiter, ehe er doch noch ausrutscht und stürzt. Die Fans feiern ihn frenetisch, die Trainer kritisieren seine Zirkus-Aktion wegen der Übersäuerung der Muskeln. Miller ist’s egal: Zwei Tage später wird er Abfahrts-Weltmeister. Auf zwei Ski.


4. Esther Ledecka: Eine Snowboarderin erobert die Ski-Welt

Am ersten Februar-Wochenende 2016 kommt es beim alpinen Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen größtenteils unbemerkt zu einer Premiere. Die Snowboard-Weltmeisterin Ester Ledecka startet erstmals im Topwettbewerb der Alpin-Spezialisten. Platz 24 in der Abfahrt und Rang 25 im Super-G klingen nicht spektakulär, aber sie sind der Auftakt zu einer der unglaublichsten Geschichten der Ski-Historie.

Bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang gewinnt sie binnen einer Woche Gold im alpinen Super-G und im Parallelslalom der Snowboarder. In Zeiten der Hochspezialisierung von Profis hat die Leistung eine einmalige Dimension, zudem die Bewegungsabläufe im Snowboard und Alpinski unterschiedlich sind. Ledecka kehrt als  Sport-Weltstar in ihre Heimat Tschechien zurück, wo ihr Familienname schon zuvor bestens bekannt war. Ihr Vater Jan Ledecky ist ein bekannter Rockstar und internationaler Hit-Komponist. Seine auf Shakespeares Hamlet basierende Rockoper haben weltweit 1,3 Millionen Fans gesehen. Das sportliche Talent hat Ester wohl von ihrem Opa Jan Klapac geerbt. Der Eishockeyspieler holte zwei Olympiamedaillen und gehörte zum tschechoslowakischen Weltmeister-Team von 1969. Skistar Lindsey Vonn bezeichnete die doppelte Goldfahrt als „unglaubliche Leistung“.

> Zur Historie des Ski-Rennanzugs

Die Ski- und Snowboard-Anzüge von Ester Ledecka hat übrigens ihr Bruder Jonas designt, der ein bekannter Künstler ist. Ihr Vater schreibt sogar einen Song für die Doppel-Olympiasiegerin: „Wir sind die Mafia. Wir machen alles selbst.“


5. Ein Reh wird zum Star im Ski-Weltcup

Als Kristian Ghedina am 18. Dezember 2004 auf der Saslong-Abfahrt im italienischen Gröden mit mindestens 100 Sachen Richtung Ziel rast, taucht neben ihm auf der Piste urplötzlich ein kleines Reh auf. Für kurze Zeit scheint sich das Tier im Zielhang einen Sprint-Wettbewerb mit dem schnellen Italiener liefern zu wollen, dann rennt es in einen Fangzaun und verheddert sich.

Ghedina nimmt den gefährlichen Zwischenfall im Interview ganz locker: „Ich habe ihm gesagt: ‚Hey, was machst denn du hier?‘ Schließlich haben nicht alle die Möglichkeit, in einem Weltcup-Rennen neben einem Tier Ski zu fahren.“ Für das berühmte Reh endet der Zwischenfall übrigens auch glimpflich: Es wird eingefangen und in einem Wald wieder freigelassen.


6. Fritz Strobl und der Stock zwischen den Beinen

Selbst Ski-Superstars wie Olympiasieger Fritz Strobl erleben im Ski-Weltcup manchmal peinliche Szenen. Dem Österreicher ergeht es so beim Weltcup 2005 im italienischen Gröden, als er kurz nach dem Start wegen eines lustigen Missgeschicks stürzt. „Ich bekam beim ersten Schlittschuhschritt den Stock zwischen die Beine, das ist mir noch nie passiert“, erzählt Strobl: „Ich habe kurz überlegt, was ich tun sollte und mich dazu entschieden eine Trainingsfahrt zu machen.“ Am Ende belegt der mehrmalige Weltcupsieger Rang 60 mit einem Rückstand von 9,38 Sekunden.

> Alles über Ski Wachs

Nach seiner Karriere probiert sich Stobl übrigens gemeinsam mit seinen ÖSV-Teamkollegen Werner Franz, Klaus Kröll, Hans Grugger, Andreas Buder und Christoph Kornberger als Sänger. Mit dem Titel „Genie auf Ski“ für einen Werbespot eines Sponsors des ÖSV schaffen es „Fritz & The Downhill Gang“ auf Platz 2 der österreichischen Charts.


7. Mit einem Salto auf die Strecke

Apropos peinlich: Noch verrückter ist die Ski-Weltcup-Startgeschichte von Julien Lizeroux. Beim Weltcup-Finale 2015 vor heimischer Kulisse in Meribel bleibt der Franzose hängen, stürzt mit einem Salto aus dem Starthaus und fädelt anschließend auch noch am ersten Tor ein. Das Missgeschick macht den Slalom-Spezialisten unfreiwillig zum Klick-Millionär bei Youtube.

Trotzdem kann der zweimalige WM-Medaillengewinner und Sieger bei drei Weltcups über sein größtes Missgeschick schmunzeln: „Ich habe schon an jenem Tag, an dem es passierte, über das Missgeschick gelacht. Ich machte eine sehr unglückliche Figur, aber in der Zwischenzeit ist sie ein Teil meiner Skigeschichte. Wenn es jemand anderen passiert wäre, hätte ich sich auch gelacht. Aber es ist wichtig, dass man auch über sich selbst lachen kann“, sagt er im Interview mit skiweltcup.tv.


8. Auch Superman ist im Ski-Weltcup dabei

Kurz vor Silvester 2015 feiert Superman seine Premiere im alpinen Ski-Weltcup. Bei der Abfahrt in Santa Caterina rammt Topfavorit Christof Innerhofer mit mindestens 130 Stundenkilometer ein Tor und reist das Gestänge aus der Verankerung. Fortan schleppt er ein um Helm und Hals gewickeltes Tuch in Signalfarbe und eine Stange auf seiner rasenden Fahrt mit ins Tal. Die Stange wird er irgendwann los, aber das wild im Fahrtwind flatternde Superman-Tuch bleibt bis ins Ziel an seinem Körper.

Glücklicherweise bleibt sein Ausflug in die Welt der Superhelden bis auf eine kaputte Brille und lädierte Nase weitgehend folgenlos. „Ich habe während der Fahrt zeitweise nichts mehr gesehen und gedacht, das Brillenglas ist kaputt. Ich habe dann versucht, die Brille zu richten und das Tuch loszuwerden, weil das wie ein Fallschirm gebremst hat“, schildert der Italiener später die Szene. Er landet trotzdem auf Platz vier und hat sich den Spitznamen „Superman“ redlich verdient.


9. Nach dem Fußtritt zur Bestzeit

Peter Runggaldier ist dank seiner WM-Silbermedaille von 1991 und zwei Weltcup-Siegen einer von Italiens großen Ski-Helden. Vor heimischem Publikum in Bormio war er allerdings nie besonders schnell unterwegs. Bis er vor dem ersten Training beim Ski-Weltcup im Dezember 1996 vom Österreicher Günther Mader einen ungewollten Fußtritt verpasst bekommt.

„Ich habe mich im Startgelände aufgewärmt, in dem ich meine Beine nach vorne und nach hinten schwang. Weil ich nicht gesehen habe, dass Runggaldier hinter mir seine Skischuhschnallen schließen wollte, habe ich ihn mit den Ski-Schuhen voll im Gesicht getroffen“, erzählt Mader dem Blick. Danach fährt der angeschlagene Runggaldier die einzige Bestzeit seiner Karriere auf dieser Piste. Allerdings muss er kurz nach der Zieldurchfahrt ins Hospital gefahren werden. Diagnose: Eine schwere Gehirnerschütterung.


10. Wie aus Hermann Maier der „Herminator“ wurde

Die einmalige Karriere von Hermann Maier beginnt im Januar 1996 als Vorläufer beim Ski-Weltcup im heimischen Flachau. Der damals schon 23 Jahre alte Mann, der es zuvor nie ins ÖSV-Nationalteam geschafft hatte, fährt außer Konkurrenz die zwölftbeste Zeit. So beginnt eine einmalige Karriere, in denen Maier 54 Weltcup-Siege, drei WM-Titel und zwei Olympiasiege feiert.

Die Geschichte rund um jene zwei Goldmedaillen bei den Winterspielen 1998 in Nagano machen ihn in Anlehnung zum „Terminator“ Arnold Schwarzenegger zum „Herminator.“ Denn drei Tage vor seiner ersten Goldmedaille im Super-G stürzt Maier schwer. Er wird auf der Abfahrtspiste ausgehoben, segelt fast 40 Meter durch die Luft, durchbricht die Fangnetze, überschlägt sich mehrfach und landet im Tiefschnee neben der Piste.

Doch statt nach dem Horrorcrash im Krankenhaus zu landen, kehrt Maier trotz leichter Verletzungen zurück und wird zweimal Olympiasieger. Nach diesen Tagen steht der Star des inzwischen seit über einem Jahrzehnt von Schöffel ausgerüsteten ÖSV ganz oben in der Liste der Ski-Legenden. Heute ist der „Herminator“ übrigens am liebsten abseits der Piste beim Skitourengehen aktiv.

Das Video von diesem Sturz findest du hier.

Titelbild: GEPA pictures


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