Alleine Wandern bedeutet nicht, dass man keine Freunde hat. Es kann verschiedenste Gründe haben: Du möchtest der Natur nahe sein? Du musst Deine Gedanken sortieren und brauchst Zeit zum Nachdenken? Dein Wanderfreund hat Dir in letzter Sekunde abgesagt? Oder Du möchtest einfach mal alleine sein? Eine Solo-Wanderung ist facettenreich und eine tolle Form der Selbsterfahrung.

So eine Solo-Tour kommt einer Pilgerreise gleich. Die Berge sind Dein Wallfahrtsort, an dem Du zur Ruhe kommst – und Fragen auf drängende Probleme findest. Alleine Wandern kann zur Seelenreinigung beitragen und einfach verdammt viel Spaß machen. Sechs Gründe, warum Du auch mal ohne Begleitung losziehen solltest.

INHALT
1. Beim alleine Wandern bist Du offener für neue Kontakte
2. Alleine Wandern ermöglicht Dir Selbstbestimmung
3. Alleine Wandern als Meditation
4. Beim Alleine Wandern der Natur ganz nahe sein
5. Wandern und die Fotografie
6. Wandern fördert Dein Selbstvertrauen
So planst Du Deine Solo-Wanderung

1. Beim alleine Wandern bist Du offener für neue Kontakte

Auf dem Berg trifft man schnell Gleichgesinnte und knüpft leicht Kontakte.

Genau wie beim Reisen bist Du allein zugänglich für neue Bekanntschaften. In sich geschlossene Gruppen spricht man seltener an, als eine Einzelperson. Aus einer simplen Frage nach dem Weg können sich angeregte Gespräche entwickeln. Man erkennt Gemeinsamkeiten, entscheidet, die Tour gemeinsam fortzusetzen. Hier kann es sich nur um einen Abschnitt oder um die gesamte Tour handeln.

Auch bei der Hütteneinkehr ist das Kennlernpotential sehr hoch. Man sitzt gemütlich beisammen, trinkt ein Bier und kommt ins Gespräch. Berggeher ticken eh alle ein bisschen gleich. Was sich daraus entwickelt, entscheidet jeder selbst.

Tipp: Bei einer Hüttentour kommt man noch schneller mit anderen in Kontakt, wenn abends alle zusammen sitzen und man sich beim gemeinsamen Essen von seiner Wanderung erzählt. Das solltest Du für Deine erste Hüttenwanderung wissen 

2. Alleine Wandern ermöglicht Dir Selbstbestimmung

Bei einer Solo-Wanderung kann man seinen Gedanken Raum und Zeit geben
Bei einer Solo-Wanderung kann man seinen Gedanken Raum und Zeit geben | © Jens Ottoson / fotolia.com

Alleinesein und Einsamkeit sind zwei verschiedene Begriffe, die deutlich voneinander abgegrenzt werden müssen. Auch in einer großen Gruppe kann Dich die Leere und Einsamkeit einholen. Andersherum kannst Du aber auch super alleine unterwegs sein, ohne Dich einsam zu fühlen.

Gerade dann hast Du die Möglichkeit, Dich ganz auf Dich selbst zu konzentrieren. Du folgst Deinem eigenen Rhythmus und wanderst in Deinem eigenen Tempo. Du bestimmst wann die Zeit für eine Pause ist. Der Faktor Gruppenzwang entfällt komplett. Keiner stellt Ansprüche an Dich.

Keiner schränkt Dich in Deiner Freiheit ein, einfach mal genau das zu tun, was Du willst. Herrlich!

3. Alleine Wandern als Meditation

Eine Solo-Wanderung hat einen ähnlichen Effekt wie eine Meditation
Eine Solo-Wanderung hat einen ähnlichen Effekt wie eine Meditation | © SusaZoom / fotolia.com

Wenn Du alleine unterwegs bist, gibt es nur Dich und die Umwelt. Du nimmst alles bis ins kleinste Detail wahr, konzentrierst Dich auf Deine Gedanken und Dein Wandererlebnis. Dieses gänzliche Abschalten erlebt man auch bei einer Meditation.
Der Fokus liegt auf der Atmung. Erst fliegen die Gedanken frei herum. Nach und nach lassen sie sich einfangen und ordnen. Probleme lassen sich mit jedem Schritt besser greifen, weil sich alles auf das Wesentliche reduziert.

Eine längere Wanderung mit langem Abstieg zehrt zwar körperlich an Deinen Energiereserven, aber geistig entfaltet sich ebenso das legendäre Weltraumgefühl: Von oben betrachtet, sind Probleme nur halb so schlimm. Im Gebirge erlebt man sich als kleinen Teil von etwas großem Ganzen. Dieser Moment tritt beim alleine Wandern noch viel schneller ein. Seelenfrieden garantiert.

Ein besonderes Highlight ist natürlich der Blick vom Gipfel: Du fühlst eine Genugtuung, fühlst Dich stark, weil Du Dein Ziel erreicht hast und wirst gleichzeitig demütig der Natur gegenüber. Ob mit verschlossenen oder geöffneten Augen: Atme tief durch, lass alles auf Dich wirken und spüre Dich selbst. Hier draußen entrümpelst Du Deine Gedanken und machst Platz für neue. Du bist im Hier und Jetzt.

Eine kleine Meditationsübung für den Gipfel

  • Fixiere einen Punkt in Deiner Nähe. Zum Beispiel einen naheliegenden Gipfel.
  • Atme ruhig und tief durch. Sei ganz bei dem, was Du gerade betrachtest und schön findest. Spüre diesem Empfinden nach.
  • Betrachte und beschreibe, was Du siehst. Wie wirkt der jeweilige Moment auf Dich? Spüre tief in Deinen Körper hinein. Vermutlich stellst Du fest, dass dieser Moment des Abschweifens Deine Gedanken zur Ruhe kommen lässt.
  • Besonders schön ist es, wenn Du Deine Gedanken in einem Gipfelbuch niederschreibst. So kannst Du Dich jederzeit in den wundervollen Moment zurückversetzen.

4. Beim alleine Wandern kommst Du Tier und der Natur ganz nah

Bei einer Solo-Wanderung steigt die Wahrscheinlichkeit auf verschiedene Tiere zu treffen
Bei einer Solo-Wanderung steigt die Wahrscheinlichkeit auf verschiedene Tiere zu treffen | © Andreas P / fotolia.com

Steinbock, Gams und Murmeltier sind scheue Bergbewohner, die sich von großen Gruppen verschrecken lassen. Alleine hingegen nehmen Sie Dich kaum wahr und zeigen sich am Wegesrand. Für eine noch bessere Beobachtung nimm ein Fernglas mit. Dein Blick schärft sich stark, wenn Du allein auf Tour bist, weil Du Dich dann voll und ganz auf Deine Sinne verlassen musst.

Präge Dir wichtige Wegpunkte ein – vielleicht werden Sie später mal wichtig. Nimm die kleinen Pflanzen am Wegesrand bewusst wahr: Wie sind die Blüten beschaffen? Wie verhalten sie sich? Die Pflanzen in den Bergen reagieren schnell auf das Wetter, indem sie ihre Blütenblätter schließen oder öffnen.

5. Alleine Wandern und die Fotografie

Bei einer Wanderung findest Du zahlreiche Motive, die sich super als Bildmotive eignen, etwa fließendes Wasser
Bei einer Wanderung findest Du zahlreiche Motive, die sich super als Bildmotive eignen, etwa fließendes Wasser | © photobars / fotolia.com

Du machst gerne Fotografien von Deinen Wanderungen? Oder Du möchtest Dich gerne mal am Fotografieren ausprobieren? Wenn Du alleine unterwegs bist, musst Du keine Kompromisse schliessen und kannst Dir für jedes Motiv so viel Zeit nehmen, wie Du brauchst.

Da Du Dich alleine noch stärker auf die Natur und Deine Umgebung konzentrierst, fällt es Dir leicht, die versteckten Details zu entdecken. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn Du vorhast, Dir Deine Erinnerung großformatig auszudrucken, empfiehlt sich eine Fotokamera mit einer hohen Auflösung. Besonders viel Spaß bringt das Fotografieren, wenn Du an der Kamera die Einstellungen zu Blende, ISO-Wert und Belichtungszeit manuell verändern kannst. So ist es Dir möglich mit den Motiven zu experimentieren.

Ein schönes Beispiel ist fließendes Wasser: Mit einer langen Belichtungszeit wird das Wasser wie von Zauberhand weichgezeichnet und erhält eine fast textile Struktur. Damit das Bild jedoch nicht überbelichtet, muss die Blende und der ISO-Wert entsprechend eingestellt werden. Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten ist nicht ganz einfach und benötigt Erklärungen und Übung. Letzteres hast Du auf einer Solo-Wanderung reichlich.

Hier erhältst Du einen Überblick zu ISO-Wert, Blende und Belichtungszeit. 

6. Alleine Wandern fördert Dein Selbstvertrauen

Mit jeder Solo-Wanderung wächst Dein Selbstvertrauen ein kleines Stück
Mit jeder Solo-Wanderung wächst Dein Selbstvertrauen ein kleines Stück | © EVERST / fotolia.com

Alleine Wandern bedeutet auch, alleine zu planen, alleine Verantwortung zu übernehmen, alleine Lösungen zu finden. Das sind alles Skills, die Dir in Deinem Alltag weiterhelfen, die aber in einer so perfekt durchorganisierten Welt gar nicht mehr aktiv gefördert werden. Allein auf Tour erfährst Du die pure Wirksamkeit, weil jede Entscheidung, die Du triffst, eine erkennbare Folge hat.

Ein kleines Abenteuer ist der perfekte Ausgleich für einen überreizten Geist. Du vertraust Deinen zwei Beinen, dass sie Dich den Berg rauf- und wieder runtertragen. Eine gelungene Tour sorgt für Ausgeglichenheit und ein Gefühl von Stolz. Auch die Überwindung, sich alleine raus zu wagen und es mit Bravour zu meistern, gibt Dir ein tolles Gefühl und stärkt Dein Selbstvertrauen.

So planst Du Deine Solo-Wanderung

Wanderer betrachtet Berglandschaft
Wanderer betrachtet Berglandschaft | © lassedesignen / fotolia.com
  • Suche Touren aus, die Du absolut sicher alleine meistern kannst. Hilfreich ist dabei eine gute Wegmarkierung wie etwa auf Premiumwanderwegen oder Deine perfekte Ortskenntnis. Zum Einstieg kannst Du zum Beispiel eine Tour wählen, die Du schon einmal gegangen bist. Auf Wanderportalen wie Outdooractive grenzt Du Deine Suche auf einfache Wanderungen ein.
  • Du brauchst einen Plan B. Schau Dir vor der Tour den Wegverlauf an. Lokalisiere Schutzhütten, Ausstiegsmöglichkeiten, Abkürzungen. Du solltest immer wissen, wie Du im Notfall reagieren kannst. Touren, auf denen Du immer abbrechen kannst, sind insbesondere bei instabiler Wetterlage unerlässlich.
  • Wenn Du alleine losziehst, kannst Du Dich auf niemand anderes als Dich selbst verlassen. Nimm genügend Wasser, Energieriegel, einen Kompass und ein Erste-Hilfe-Set inklusive Bergungsdecke mit. Sicher ist sicher.
    Erfahre hier wie Du einen Kompass richtig liest. 
  • Wirf einen Blick in den Wetterbericht! Das ist der wichtigste Planungsschritt vor jeder Deiner Touren. Checke die Gewitter- und Regenwahrscheinlichkeit, Kältesturz, aber auch extrem hohe Temperaturen. Ist es besonders heiß, wähle eine schattige Tour!
  • Habe die entsprechenden Notruf-Nummern parat, solltest Du Hilfe benötigen.
  • Tipp: Es gibt sogar Kurse im Alleinewandern. Alternativ kannst Du auch einen DAV-Kurs im Wandern für Einsteiger besuchen. Das Wissen hilft Dir auch auf Deinen Solo-Touren.

Wichtige Sicherheitshinweise für Deine Solo-Tour

  • Gib jemandem Bescheid, wann und wo Du unterwegs bist. Deine Vertrauensperson kann im Notfall schneller Hilfe für Dich organisieren.
  • Gesunde Selbsteinschätzung: Überfordere Dich nicht in Hinblick auf Kondition und Fähigkeiten.
  • Nimm ein Handy mit, um im Notfall reagieren zu können. Wenn Du den Flugmodus einstellst, kannst Du aber nicht von Anrufen oder WhatsApp-Nachrichten gestört werden.
  • Achte darauf, dass Dein Handy genügend Akku hat und die gesamte Tour durchhält. Wir haben 7 Tipps für eine länge Akku-Laufzeit.
  • Meide gefährliche Touren mit Kletterpassagen und akuter Steinschlaggefahr.
  • Wisse immer, wo Du Dich befindest. Wenn Du alleine unterwegs bist, musst Du Dich auf Deine Orientierung verlassen können. Ein GPS-Gerät kann da helfen. Falls Du keines besitzt, lade Dir eine Wander-App aufs Telefon. Dort kannst Du Deine Route auswählen und über GPS den Verlauf verfolgen.
  • Trage Dich ins Hüttenbuch ein und informiere den Hüttenwirt über Dein Tagesziel. Falls Du nicht ankommen solltest, kann Hilfe organisiert werden.
  • Trage eine Stirnlampe bei Dir. Auch wenn Du bei strahlender Sonne unterwegs bist.

Das richtige Outfit für Deine Tour:

Für Damen
> ZipIn! Jacket Alyeska1 
> ZipIn! Fleece Alyeska1
> Pants Engadin

Für Herren
> ZipIn! Jacket Adamont1

> ZipIn! Fleece Adamont
> Pants Koper